Komm doch mal wieder ins Büro!

Homeoffice

„Schreib‘ mal wieder!“ Das war in den Neunzigerjahren ein Werbeslogan der Post. Ob der zu mehr Postkarten und Briefen geführt hat? Wir wissen es nicht. Würde eine Kampagne funktionieren, die „Komm doch mal wieder ins Büro!“ ausruft? Sicher nicht. Deutschlandweit ringen Führungskräfte mit ihren Teams, die das liebgewonnene Homeoffice und die mobile Arbeit nicht mehr freiwillig aufgeben wollen. Wie können Führungskräfte ihre Angestellten zur Rückkehr motivieren?

Selbst in Unternehmen, in denen feste Rückkehrregeln existieren, kommt es zu Verhandlungen, um gemeinsame Zeiten zu definieren und diese zu gestalten. Häufig müssen flexible Lösungen erarbeitet werden, weil sich die Präferenzen und Lebensumstände der Angestellten verändert haben. Genau diese Verhandlungen haben sich zu einem Beratungsschwerpunkt in der internen Kommunikation entwickelt. Führungskräfte suchen nach dem richtigen Weg und nach Antworten auf die Frage, wie wir künftig zusammenarbeiten wollen.

Manche Teams haben sich in den letzten Wochen das erste Mal seit Beginn der Coronapandemie physisch getroffen, oftmals mit neuen Kolleginnen und Kollegen, die ihr Onboarding online absolviert haben. Während die „Neuen“ erstmal das Bedürfnis haben, ihre Kolleg*innen regelmäßig zu treffen, haben sich diese oft im Homeoffice eingerichtet und ein neues und kollektives Selbstbewusstsein gegenüber dem Arbeitgeber entwickelt. Zweieinhalb Jahre lang wurden durch funktionierende Abläufe und gute Arbeitsergebnisse Tatsachen geschaffen, die jetzt offenbar nur durch rigide Vorgaben wieder umkehrbar erscheinen. Was wiederum ein großes Risiko birgt, denn wo die Flexibilität komplett aufgehoben wird, grassiert schnell Frust. Die besten Leute suchen sich Jobs zu ihren Bedingungen.

Schließlich gibt es genug Arbeitgeber, die voll auf Vertrauen setzen und geringe bis gar keine Präsenz einfordern – oder ihren Führungskräften die Entscheidung überlassen, ob und wie sie das hinbekommen. Das führt zu Befindlichkeiten auf beiden Seiten, oft zu Hilflosigkeit auf Seiten der Führungskräfte und auch zu der ernüchternden Erkenntnis, dass der Teamgedanke offensichtlich nicht so wichtig ist, wie bisher angenommen. Es gibt Klärungsbedarf. Wie können Menschen motiviert werden, ins Büro zu kommen und dort auch ihren Beitrag zum Teamgeist zu leisten? Vier Kriterien gilt es zu beachten.

1. Why?

Geben Sie Antworten auf die Frage, warum die Anwesenheit sinnvoll ist. Eine unkommentierte Festlegung auf zum Beispiel zwei feste Tage in der Woche, wird zu Widerständen führen. Teambuilding, Resilienz durch Miteinander und auch das Austragen von Konflikten sind wichtig, um als Team zu funktionieren. Remote kann ich mich vielem entziehen, was erstmal gut zu sein scheint. Aber wenn es dann einmal richtig kracht oder der Druck wächst, sind die persönlichen Beziehungen nicht gepflegt, die Auseinandersetzung verlernt. So entstehen keine guten Ergebnisse.

2. Perspektivwechsel

Laden Sie ihr Team zum Perspektivwechsel ein: Was würdet ihr tun, wenn ihr an meiner Stelle wäret? Wenn ihr euch motivieren müsstest herzukommen und einen echten Beitrag zum Team zu leisten? So ein Gedanken-Twist kann Wunder wirken und zum Umdenken führen.

3. Quality time

Nach einem Teambuilding-Event im schicken Hotel oder einem Abenteuer in der Natur sind die meisten begeistert – ach war das toll! Verlängern Sie diese Euphorie ins Büro, indem sie dann, wenn alle dort sind, auch tatsächlich gemeinsame Erlebnisse schaffen. Sitzen alle vor ihren Rechnern in Einzelbüros, entwickelt sich genauso wenig ein Teamgefühl wie im Homeoffice. Also schaffen Sie Mehrwert durch Raum für Austausch, durch kommunikative Mittagszeiten, durch kreative Pausen, durch Spaziergänge…vielleicht kommen Sie auch gemeinsam auf passende Ideen.

4. Rollenwechsel

Und wenn nicht, dann initiieren Sie Rollenwechsel, denn die verfestigen sich schnell und Sie als Führungskraft fühlen sich irgendwann als Alleinunterhalter. Und je mehr Aktionismus Sie zeigen, desto passiver werden die anderen. Fordern Sie Kolleg*innen gezielt auf, zum Beispiel, eine Konfliktlösung zu moderieren, einen Ablauf zu gestalten, ein Mittagessen zu organisieren, ein Meeting zu moderieren. Werden Beteiligte zu Akteuren, steigt das Commitment ganz automatisch.

Am Ende sind es die (neuen) positiven Erfahrungen, die das Büro zu einem attraktiven Ort werden lassen. Diese zu schaffen, liegt in der Verantwortung der Führungskraft und ist gleichzeitig die Aufgabe aller Beteiligten. Als Hamburger Agentur schließen wir mit einem Fußballer-Zitat von Holger Stanislawski, das Sie durchaus auf Ihr Team anpassen können: „Nicht die besten Elf, sondern die beste Elf gewinnt!“ Das gelingt eben nur, wenn man auch mal gemeinsam auf dem Platz steht…

Kommunikationstipps für hybrid arbeitende Teams:

  • Hybride Meetings funktionieren nur, wenn die entsprechende Technik vorhanden ist, sprich Auto-Tracking Kameras und sehr gute Akustik. Andernfalls empfehlen wir die Online-Teilnahme für alle.
  • Setzen Sie immer einen Moderator oder eine Moderatorin aus dem Team ein, der/die alle im Blick hat, Redeanteile gleich verteilt und Diskussionen lenkt.
  • Bei größeren Teams oder ganzen Belegschaften müssen klare Regeln in Bezug auf Kamera, Wortmeldung, Chatfunktion und Interaktion gelten. Starten Sie mit einem interaktiven Part, zum Beispiel einer Stimmungsabfrage über Mentimeter, Slido oder Forms. Mutig und spannend ist es mit Fragen zu starten – probieren Sie es aus! Arbeiten Sie gerade bei großen Gruppen mit Breakout-Sessions, um schnelle Rückmeldungen, viele Ideen und Impulse zu bekommen. Damit haben Sie außerdem die Chance Menschen ganz schnell miteinander in Kontakt zu bringen. Denken Sie an Medienwechsel, zum Beispiel mit einem kurzen Einspieler. Nutzen Sie die Zeit sinnvoll! Nichts ist lähmender und mit weniger Output versehen als ein zweistündiger Monolog mit Slides.
  • Ganz grundsätzlich gilt für jede Form der Kommunikation die Wahl des passenden Kanals. Sie haben Ihr Team in einem Raum versammelt? Nutzen Sie die Gelegenheit für Austausch, Interaktion und Teambuilding. Für eine kurze Info an alle reicht der Teams-Chat aus. Ihre E-Mail ist ellenlang, voller Hervorhebungen und mit zahlreichen Personen in cc versehen? Dann ist die persönliche Information per (Video)call auf jeden Fall effektiver.

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