Bayers PR-Initiative trifft auf Skepsis

Hat der Konzern verstanden?

Seit der Übernahme des amerikanischen Glyphosat-Herstellers Monsanto hat sich der Aktienkurs von Bayer halbiert, das Image des Unternehmens dramatisch verschlechtert. In den USA sind rund 13.400 Klagen gegen Bayer anhängig. Geschädigte behaupten aufgrund der Nutzung des Pestizids Glyphosat an Krebs erkrankt zu sein. Zuletzt wurde der Konzern zu zwei Milliarden Dollar Schadenersatz verurteilt – allerdings nicht in letzter Instanz.

Eine PR-Kampagne, in der Bayer mehr Transparenz und Nachhaltigkeit verspricht, soll das Unternehmensimage nun wieder verbessern. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen, unter anderem in der FAZ, dem Handelsblatt und dem Wall Street Journal, erklärt der Konzern, wie er sich seine Zukunft vorstellt. „Wir haben verstanden, dass wir uns weiterentwickeln müssen.“ Wie das konkret aussieht?

Keine Zukunft ohne Glyphosat

Glyphosat bleibt ein wichtiges Produkt. Bayer will eine Zulassung in der EU über 2022 hinaus erreichen, stellt aber selbst fest: „Glyphosat hat in einigen Regionen zu Unkrautresistenzen beigetragen.“ Für den Prozess der Wiederzulassung verspricht Bayer Transparenz. Der Konzern wolle Journalisten, Wissenschaftler und NGOs dazu einladen, diesen aktiv zu begleiten.

Daneben verspricht Bayer, in den nächsten zehn Jahren rund fünf Milliarden Euro in die Erforschung von Glyphosat-Alternativen zu investieren. Dabei handelt es sich allerdings nicht um zusätzliches Geld. Ebenfalls auf der Agenda: Bis 2030 will Bayer die Auswirkungen seiner Produkte auf die Umwelt um 30 Prozent reduzieren.

Bayer schlägt Kritik an seiner Kampagne entgegen

Auf Zeit Online äußern sich BUND und Greenpeace kritisch zu den Plänen. Silvia Bender vom BUND meint, es brauche keinen Dialog, wie nachhaltige Landwirtschaft aussehen könnte. „Die Konzepte liegen auf dem Tisch.“ Dirk Zimmermann von Greenpeace zeigt sich verwundert über den Vorstoß von Bayer. Natürlich brauche Bayer dringend neue Produkte, wenn immer mehr Unkräuter gegen Glyphosat resistent seien. Die Forschung nach Alternativen sei aber keine neue Anstrengung des Unternehmens.

Die TAZ sieht in der Kampagne „eine Offensive eines Getriebenen“, die außer der „Aufbesserung des Images“ nur „wenig Konkretes“ beinhalte. Ähnlich äußert sich Capital-Autor Bernd Ziesemer, der schreibt: „Von einer echten Wende kann allerdings noch keine Rede sein, vieles bleibt im Ungefähren.“

Besonders kritische Stimmen finden sich in den Social Media. Ein User schreibt auf Twitter:

Nimmt das jemand ernst? Glaubt bei Bayer jemand, dass wir das ernstnehmen? #bayer #Monsanto #medienkampagne #nixverstanden pic.twitter.com/4xqEg6KQMw

— discerning_4769 (@discerning_4769) 14. Juni 2019

In einem anderen Tweet heißt es:

“Wir haben verstanden” sagt #Bayer… Und schiebt hinterher: “❤️#Glyphosat wird weiterhin eine wichtige Rolle in der #Landwirtschaft und in unserer Produktpalette spielen”
. Was habt ihr denn dann bitteschön verstanden??https://t.co/KstNRqW5Hc

— Andreas (@Andreas_Saw) 15. Juni 2019

Bayer selbst hat unsere Anfrage bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Update: Bayer hat mittlerweile auf unsere Anfrage geantwortet. Entgegen der Behautpung einiger Skeptiker enthalte “die Ankündigung der vergangenen Woche eine Reihe konkreter Maßnahmen”, wie Bayer-Sprecher Rolf Ackermann schreibt. Unter anderem wolle man die Umwelteinflüsse der eigenen Produkte bis 2030 um 30 Prozent reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, plane Bayer verschiedene konkrete Schritte. So soll beispielsweise die Digitalisierung Landwirten helfen, ihre Produktionsmittel effizienter einzusetzen. Eine weitere Maßnahme seien Biotechnologie-Lösungen. “So haben unsere Kunden beispielsweise seit der Einführung von Intacta-Sojabohnen in Südamerika die Umweltbelastung gemessen am Environmental Impact Quotient um 30.6 Prozent reduziert”, erklärt Ackermann. Der Quotient gibt an, wie hoch die Auswirkungen zum Beispiel verschiedener Pestizide auf die Umwelt sind. Auf das Programm zur Wiederzulassung von Glyphosat angesprochen, schreibt Ackermann: “Da es sich hier um ein Pilotprojekt handelt, müssen verschiedene Details noch ausgearbeitet werden. Wir werden uns zeitnah mit interessierten Gruppen in Verbindung setzen, Feedback zu den Verfahren und den Inhalten einholen und das Programm im Laufe des Jahres starten.”