Mit Werten in Führung gehen

Egomacher-Kolumne

Werte wie Verantwortung, Wertschätzung, Fairness, Transparenz, Teamgeist, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen sind ein hohes gesellschaftliches Gut. Diese und andere Werte sind die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und somit haben sie eine hohe Relevanz für unsere eigene Persönlichkeit. Jede Persönlichkeit zeichnet sich durch ihre Werte aus.

Eine Ich-zentrierte Persönlichkeit, die sich ausschließlich Vorteile verschaffen will, ist nur sehr kurzfristig clever. Auch wenn uns das die tägliche Werbung von Saturn („Geiz ist geil“) oder Media-Markt („Ich bin doch nicht blöd“) einredet und wir dies mehr oder weniger annehmen.

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Ockenfels beschreibt diese gesellschaftliche Entwicklung kritisch: „Der heutige Zeitgenosse hält sich für anspruchsvoll, wenn er möglichst viele Ansprüche gegenüber anderen artikulieren und durchsetzen kann.“ Eine solche Führung der eigenen Persönlichkeit scheitert oftmals. Das belegt die Beispiele des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Arcandor AG, Thomas Middelhoff, des Managers vom FC Bayern München Uli Hoeneß und des damaligen VW-Konzernlenkers Martin Winterkorn. Bei dem Spitzenpolitiker und den Top-Managern verschwammen die Grenzen zwischen Cleverness, Unanständigkeit und Illegalität.

Doch die eigenen Werte sind viel mehr als eine einfache Grenzziehung zwischen clever und unanständig. Unsere Werte leiten uns wie ein innerer Kompass. Sie geben uns Orientierung und stiften Sinn. Es sind unsere persönlichen Werte, die maßgeblich bestimmen, ob wir zufrieden und glücklich durchs Leben gehen. Der „King of Rock ´n Roll“, Elvis Presley, sagte zu Lebzeiten einen sehr klugen Satz: „Werte sind wie Fingerabdrücke. Keiner hat dieselben, aber Du hinterlässt sie bei allem, was Du tust.“

Die eigenen Ideale zu kennen und nach ihnen zu handeln ist ein strategischer Vorteil. Erst dann können wir im Einklang mit uns selbst und unserer Umgebung leben. Wir werden im Einklang mit uns und unserer Umwelt sein. Daraus können wir neue Motivation und Kraft schöpfen. Schon der Philosoph Seneca wusste über den Wert der Werte zu berichten: „Eine Freude, die von außen kommt, wird uns auch wieder verlassen. Jene Werte aber, die im Innern wurzeln, sind zuverlässig und dauernd.“

„Was sind eigentlich meine Werte?“

Diese Frage stellte sich Walter Kohl, um mit dem Fluch und Segen seines großen Namens versöhnlich umzugehen. Walter Kohl ist der älteste Sohn des Einheitskanzlers Helmut Kohl, der für alle Zeiten seinen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden hat. Dessen Name jedoch auch mit schwarzen Kassen innerhalb der CDU und dem tragischen Tod seiner ersten Ehefrau Hannelore Kohl verbunden bleibt. Für den Sohn Walter ist der Tod der Mutter ein Tiefpunkt. Ein Tiefpunkt, der zu einem persönlichen Wendepunkt des Lebens wurde. Die Krise hat er zu seiner inneren Befreiung gemacht. Einige Jahre später fand die mediale Auseinandersetzung um die zweite Hochzeit des Altkanzlers mit Maike Richter, zu der die beiden Söhne Walter und Peter Kohl keine Einladung erhielten, große Beachtung. Walter Kohl, der vom Erscheinungsbild und Charisma seinen Vater nicht leugnen kann, machte aus seinem Herz keine Mördergrube. Trotzdem ging er den Weg der Versöhnung: Über die Versöhnung mit der Vergangenheit und den eigenen Schmerzen hat er seinen inneren Frieden gefunden. In seinen Büchern zeigt er, wie aus Kraftfressern neue Kraftquellen erwachsen können. Die innere Haltung ist der Schlüssel zu neuer Lebensenergie.

Heute begleitet der langjährige Manager und Unternehmer Walter Kohl andere Menschen. Als Coach kennt er den schmalen Grad des Menschen zwischen Macht und Ohnmacht. Es sind die eigenen Werte, die den Weg der Lebensgestaltung bestimmen. Unsere Werte sind unser ständiger Begleiter. Wir bewerten Aussagen, Einstellungen und Lebensformen unserer Mitmenschen. Wir gruppieren diese als positiv oder negativ für uns ein. Es sind Werteraster im Kopf. So wie unsere Werte sind, so sehen wir auch die Welt. Andere Sichtweisen zuzulassen fällt uns oftmals sehr schwer. Noch viel problematischer ist die Auseinandersetzung mit uns selbst:

Welche Werte haben Sie?

Welche Werte vertreten Sie?

Wann und wie werden Ihre Werte sichtbar?

Es ist unsere Aufgabe, unsere Werte benennen zu können, denn die eigenen Werte stützen nicht nur unsere Persönlichkeit, oftmals richten uns unsere eigenen Werte aus.

Haben Sie Ihren inneren Kompass ausgerichtet?