Liqui-Moly-Chef zelebriert seine Wut

CEO-Kommunikation mal anders

CEO-Kommunikation mal ganz anders: Ernst Prost, Geschäftsführer des Öl- und Zusatzstoffherstellers Liqui Moly, nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht Klartext und zeigt sich – im wahrsten Sinne des Wortes – wütend über die Halbjahresbilanz seines Unternehmens.

Die Pressemitteilung zu den mäßigen Zahlen von Liqui Moly benennt die Enttäuschung ohne Umschweife, ohne die üblichen Wortgirlanden und Beschönigungen: Gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 ging der Umsatz um 0,8 Prozent auf 259,6 Millionen Euro zurück, der Gewinn sogar um etwa 30 Prozent auf nur noch 11 Millionen Euro. Eine offen angesprochen äußerst enttäuschende Bilanz für das Unternehmen, das seit 2018 zur Würth-Gruppe gehört.

Prosts Fazit: „Was wir zurzeit an Leistung abliefern, schmerzt mich zutiefst.“ Illustriert wird die Mitteilung mit einem Bild des offensichtlich nicht hundertprozentig glücklichen Geschäftsführers.

Softwareumstellung treibt Prost zur Weißglut

Der Grund für den Ergebniseinbruch und Prosts Verärgerung? Die Einführung einer neuen Software unter anderem für Einkauf, Produktion, Versand und Rechnungsstellung. „Ich hätte nie gedacht, dass eine Softwareumstellung im Jahr 2019 ein ganzes Unternehmen dermaßen ins Schleudern bringen kann“, sagt Prost.

Die Probleme damit führten zu Mehrkosten, zum Beispiel für Container, die nur zur Hälfte mit Ware gefüllt werden könnten, für Speditionen, die länger als geplant auf die Verladung warten müssten, oder für Luftfracht, wenn dringend benötigte Ware per Schiff nicht mehr rechtzeitig ankäme. „Zu den gewaltigen Kosten für die Softwareumstellung als solche kommen jeden Tag neue für Fehlersuche und Problembeseitigung.“

Wort- und Bildgewalt auch beim Zukunftsausblick

Ungewöhnlich offen wird auch die Verärgerung der Liqui Moly-Kunden kommuniziert: „Ich habe mich in meinem ganzen Berufsleben noch nie so oft bei meinen Kunden entschuldigen müssen wie in den letzten sechs Monaten“, erklärte Prost. Dennoch werde das Unternehmen an seinem Expansionskurs festhalten, „blinden Aktionismus“ etwa durch Kurzarbeit oder Stellenabbau schließe man aus. Bis spätestens Ende des Jahres sollten die Softwareprobleme gelöst werden.

Ebenso wort- und bildgewaltig, wie er die aktuelle Situation beschreibt, blickt Ernst Prost in die Zukunft: „Der Sturm, den wir gerade erleben, ist viel stärker als vorhergesagt. Hohe Wellen brechen sich an unserem Schiff, der ein oder andere Matrose wird nass und manchem Passagier ist übel. Aber unser Schiff ist seetüchtig und nicht in Gefahr. Bald wird dieser Sturm vorübergehen.“