Die Verlierer des PR-April 2019

Monatsbilanz

Platz 1: Unternehmen ohne Frauen im Vorstand

53 börsennotierte deutsche Unternehmen streben null Prozent Frauenanteil im Vorstand an. (c) Getty Images / andreypopvWir schreiben das Jahr 2019. An der Börse werden Aktien von 160 deutschen Unternehmen gehandelt. Sie beschäftigen Millionen von Menschen, sie haben Millionen von Menschen als Kunden. Ungefähr die Hälfte davon sind Frauen.

Bei den Chefs dieser Unternehmen ist das anders: Mann – Mann – Mann – Mann – Mann – Frau – Mann – Mann – Mann – Mann. So beziehungsweise noch eintöniger sehen statistisch betrachtet die Vorstände deutscher börsennotierter Firmen aus; nicht einmal zehn Prozent der Posten sind mit Frauen besetzt. Wer Thomas oder Michael heißt, hat bessere Chancen, Vorstand zu werden als eine Frau.

Ist das ein PR-Problem? Es ist (auch) ein PR-Problem. Vor allem für jene 53 Unternehmen, die sich offiziell allen Ernstes einer „Zielgröße von null Prozent“ Frauenanteil im Vorstand verschreiben. Das mögen Thomas und Michael noch eine Weile aussitzen können. Doch der Zeitpunkt naht, an dem dieses Missverhältnis ein ernsthaftes Risiko für Reputation und Umsatz einer Firma sein wird.

Platz 2: Boris Palmer

Selbstverständlich ist es überhaupt nicht rassistisch angehaucht, wenn man sich an Hautfarben auf Werbebildern stört. Natürlich ist es überhaupt nicht rassistisch gemeint, wenn man anhand von Teints eine Mehrheitsgesellschaft definiert. Selbstredend hat es nichts mit Rassismus zu tun, wenn man behauptet, diese blasse Mehrheitsgesellschaft würde ausgeblendet, marginalisiert, unterdrückt durch Bilder von Menschen, die irgendwie dunkler aussehen. Und wer in Website-Bildern eine Bekämpfung des „alten weißen Mannes“ sieht, spielt natürlich auch nicht auf der rassistischen Klaviatur rechtsextremer Gruppen – sondern wurde nur missverstanden. Mal wieder.

Soweit Boris Palmer. Mit seinem aufmerksamkeitsheischenden, shitstormsuchenden, hautfarbenfokussierten Angriff auf die Werbekampagne der Deutschen Bahn dürfte der Oberbürgermeister von Tübingen den „point of no return“ überschritten haben. Bis dahin konnte er einfach nur als besonders geltungsbedürftiger Provokateur gelten. Jetzt sind wir schlauer.

 

Boris Palmer Hautfarben-Kritik macht ihn zu einem der großen April-Verlierer. (c) Deutsche Bahn
 

Platz 3: Elon Musk

Die gute April-Nachricht für den Tesla-Chef war: Er darf weitertwittern. Die schlechte: nur noch unter Aufsicht. Unter Börsenaufsicht.

Die mächtige und selbst von Leuten wie Elon Musk gefürchtete United States Securities and Exchange Commission (SEC) stellt dem Unternehmer einen Aufpasser an die Seite, der seine Tweets – vor dem Veröffentlichen – auf börsenrelevante Informationen, Ankündigungen und Behauptungen überprüft. So soll verhindert werden, dass Musk auch in Zukunft mit Tweets den Tesla-Börsenkurs auf Achterbahnfahrten schickt.

Bahnbrechende Technologiedurchbrüche anzukündigen, auf welche die Menschheit sehnsüchtig wartet – wie etwa den eines leisen, elektrischen Laubbläsers – dürfte für Musk auch weiterhin möglich sein.

Tesla is going to develop a quiet, electric leafblower

— Elon Musk (@elonmusk) 23. April 2019

Platz 4: Bayer

Der Bayer-Konzern gehört zum Inventar der Bundesrepublik. Wie nur wenige Unternehmen symbolisiert der Pharma- und Chemieriese aus Leverkusen die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte Deutschlands in den letzten Jahrzehnten – und zwar über reine ökonomische Kennzahlen hinaus. Leider muss man nun fragen: Was ist los mit dir, Bayer?

Nein, hier kann und soll nicht die heikle Diskussion um das komplexe Thema Glyphosat und Monsanto geführt werden – aber dass Bayer momentan ein gewaltiges kommunikatives Problem hat, steht außer Frage. Turbulente Hauptversammlung, mächtig angeknackstes Image, Vorstand nicht entlastet, Klagen in den USA: Eine der deutschen Symbolfirmen steht vor vielleicht nie dagewesenen Herausforderungen, und manche davon sind vor allem kommunikativer Natur. Der April 2019 machte dies für Bayer mehr als deutlich.

Platz 5: Das Bundesinnenministerium

Man kann schon mal den Geburtstag des Kollegen vergessen. Den Hochzeitstag der Schwiegereltern. Die wichtig-lästige Verabredung. Doch den 30. Jahrestag von Mauerfall und deutscher Einheit? Als Bundesinnenministerium? Das ist dann doch relativ peinlich.

Erst im April 2019 schienen diese ja durchaus vorhersehbaren Jubiläen auf dem Schirm des BMI aufzutauchen – jedenfalls musste das Ministerium eilends ein Sonderbudget für die Feierlichkeiten beantragen, was normalerweise nur bei Naturkatastrophen und anderen unplanmäßigen Ereignissen geschieht.

Dem BMI und seinem Chef Horst Seehofer waren Häme und Spott der sozialen und sonstigen Medien sicher. Das Ministeriums-Dementi beeindruckte zwar mit starken Worten („unerträglich“), blieb aber bemerkenswert diffus.

Ich hätte schwören können, dass der Mauerfall am 09.11.1989 stattgefunden hat. pic.twitter.com/x11uYAnQfw

— fanny (@StudienratFanny) 27. April 2019

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