Streit um Glyphosat-Satire: „Taz“ setzt sich gegen Bayer durch

Krisenkommunikation

Im Streit um satirisch zugespitzte Berichterstattung über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer einen juristischen Rückzieher angetreten. Das Unternehmen akzeptierte eine „negative Feststellungsklage“ der Tageszeitung taz und zog seine eigene Klage zurück.

Die Taz darf demnach auch zukünftig ihre Titelseite vom 24. Oktober 2018 verbreiten. Darauf war eine Bildmontage mit der Überschrift „Das Krebs-Rundumpaket“ abgebildet. Auf ihr war unter anderem eine Sprühflasche eines Bayer-Pestizids mit dem Aufdruck „Super: macht Krebs“ zu sehen. Die Zeitung warf Bayer im zugehörigen Artikel vor, Produkte herzustellen, die „wohl“ Krebs verursachen – und zugleich Produkte, die Krebs heilen.

Ende Oktober 2018 hatte Bayer wegen der Bildmontage zunächst eine Abmahnung gegen die Taz beantragt. Es handele sich dabei nicht um eine leicht erkennbare Satire, sondern um eine ernst gemeinte, abmahnfähige Tatsachenbehauptung. Die Taz reichte daraufhin Gegenklage gegen das Unternehmen beim Landgericht Berlin ein.

Diese hat Bayer nun akzeptiert. „Unsere Mandantin verpflichtet sich rechtsverbindlich, gerichtlich nicht gegen die von Ihrer Mandantin als Satire eingeordnete Berichterstattung auf dem Titelblatt der Taz vom 24.10.2018 vorzugehen“, heißt es in einer Erklärung der Bayer-Anwälte.

Johannes Eisenberg, Anwalt der Taz, gab sich enttäuscht vom Glyphosat-Rückzieher des Unternehmens. „Die Beklagte wollte eine kritische Berichterstattung mit Drohungen unterbinden und hat jetzt Sorge, dass diese Drohung ins Leere geht. Allein deshalb will sie den Prozess nicht. Sie kneift.“

Gegenüber dem pressesprecher erklärte Christian Maertin, Head of Corporate Communications bei Bayer: „Die Taz hat uns unterstellt, es sei das Geschäftsmodell von Bayer, Krebs zu erzeugen und zugleich zu heilen. Nachdem sie nun von sich aus klargestellt hat, dass diese Aufmachung lediglich als ,Witz‘ gemeint war, ist die Sache für uns erledigt.“