Ausgabe: 3 | 2021

#Technologie

Technologie

Wenn es in den vergangenen Wochen ein Thema gab, das die Kommunikations- und Medienwelt bewegte, dann war es die Entlassung von Julian Reichelt als Chefredakteur von „Bild“. Der Fall illustriert vor allem Führungsversagen. Es wäre die Aufgabe des Vorstands und damit der Vorgesetzten von Reichelt gewesen, ihn deutlich früher von seiner Personalverantwortung zu entbinden – unabhängig von seiner journalistischen Leistung. So massiv waren die Vorwürfe. So klar die Sachlage. Axel Springer stellt sich selbst gerne als moderner Arbeitgeber dar – als Tech-Konzern. Das neue Firmengebäude soll das unterstreichen. In der Realität scheint einiges im Argen zu liegen.

Es handelt sich leider nicht um einen Einzelfall. Ein anderes Beispiel aus der Kommunikationsbranche: Mitte 2020 berichtete die „Zeit“, dass in der Agentur Scholz & Friends ein sexistisches Klima herrsche und Frauen benachteiligt würden. Frauen würden lediglich als „fleißige Arbeitsbienen oder als attraktive Begleiterinnen“ vorkommen. Ein leitender Kreativer soll auf der Weihnachtsfeier im Jahr 2017 seinen Penis rausgeholt und auf ihm Luftgitarre gespielt haben. Er wurde trotzdem befördert. Veränderungen leitete die Agentur erst nach der Berichterstattung ein. Warum nicht vorher?

In dieser Ausgabe geht es um Technologie – und damit um Daten. Ein interessanter Gedanke, den der Kommunikationschef von Siemens Healthineers, Matthias Krämer, in dieser Ausgabe äußert: Daten und der Einsatz von Technologie würden „eine Enthierarchisierung“ ermöglichen. Jeder könne dann eigenverantwortlich und dadurch schneller arbeiten. Ich sehe die Reihenfolge andersherum. Kommunikationsabteilungen müssen erst ihre Hierarchien abbauen und ein Maximum an Transparenz bei Erfolgen und Misserfolgen zulassen. Dann können die Mitarbeiter*innen ihre Arbeit ohne Rücksicht auf Egos und persönliche Befindlichkeiten anhand von Daten ausrichten. Sonst dominiert weiter das Bauchgefühl der Chefs.

Mit Lutz Meyer, seit etwa einem Jahr Kommunikationschef des Verbands der Automobilindustrie, sprechen wir darüber, wie er den Branchenverband neu aufgestellt hat und die Transformation der Branche zur Elektromobilität begleitet. Es geht in diesem Heft auch um künstliche Intelligenz, Echtzeitkommunikation in Krisensituationen und um „CommTech“. Ein neues Buzzword. Wie kann Technologie in der Kommunikation effektiv eingesetzt werden?

Weitere Themen: Wieso wechseln aktuell so viele renommierte Kommunikator*innen aus Unternehmen in Strategieberatungen? Es gibt ein Interview zur Social-Media-Kommunikation von Behörden. Julia Lupp, Pressesprecherin der Stadt Taunussstein, gibt Einblicke in ihre Arbeit, und Marc Raschke vom Klinikum Dortmund beschreibt, welche ethischen Grenzen es in der Gesundheitskommunikation geben muss.

Viel Spaß beim Lesen!

Volker Thoms, Chefredakteur