ChatGPT effektiv einsetzen

KOM fragt

KOM fragt: Welche Aufgaben werden ChatGPT und vergleichbare KI-Anwendungen auf absehbare Zeit in der Unternehmenskommunikation übernehmen? Was bedeutet das für die Mitarbeitenden?

Mickeleit: ChatGPT gibt eine Ahnung über die künftige Leistungsfähigkeit derartiger Systeme, die zahlreiche Aufgaben auch in der Unternehmenskommunikation erleichtern können. Bei den konkreten Aufgaben stehen wir erst am Anfang. Der primäre Anwendungsbereich dürfte in vier Anwendungsfeldern liegen: Themen-Recherche, Konzeption, Text-Arbeit und Bildgenerierung.

Die Recherche bei ChatGPT ist durch die aktuelle Beschränkung der Daten bis Ende 2021 limitiert, ist aber darüber hinaus ein Turbo für die Basisarbeit mit Themen. Ideenskizzen für PR-Kampagnen werden schon heute auf Knopfdruck erzeugt und sind oft „good enough“, wenn auch nicht exzellent. Die Zusammenfassung oder die zielgruppengerechte Adaption von vorhandenen Texten sorgt für erhebliche Zeitersparnis.

Die Generierung von neuen Texten ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn man nicht sattelfest im Thema ist, schleichen sich schwere Fehler ein. Solche Risiken darf die Kommunikation nicht eingehen. Die Visualisierung von Content ist ein großes praktisches Problem. KI-generierte Abbildungen sind eine ergiebige Methode, wenn es schnell gehen muss. ChatGPT und Co. sind keine Bedrohung für PR-Schaffende. Eher sind diejenigen Kolleginnen und Kollegen, die wissen, wie man mit den Systemen arbeitet, eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Qualität des Outputs hängt sehr stark davon ab, wie strukturiert die Fragen gestellt werden. Sich damit auseinanderzusetzen ist ein Muss.

Thomas Mickeleit ist Leiter der AG CommTech und Gründer der Kommunikationsberatung KommunikationNeuDenken!.

 

KOM fragt: Welche Rolle kann die Unternehmenskommunikation bei der Einführung von ChatGPT und KI-Anwendungen spielen? In welchen Aufgabenbereichen sollte man mit dem Einsatz starten?

Tigges: ChatGPT ist ganz sicher ein interessanter Ansatz, um aus riesigen Datenmengen Informationen zu gewinnen und auf dieser Basis schnell verständliche Texte zu verfassen. Die Herausforderung liegt in der Qualität der Eingangsdaten und in der fehlenden Transparenz über Wissenslücken des Systems.

Unsere Tests deuten an, dass es ein erhebliches Risiko darstellen kann, wenn man aufgrund der Sprachgewandtheit der KI geneigt ist, sich auf ihre Antworten zu verlassen. Wikipedia ist nur deshalb die beste Enzyklopädie der Welt, weil sie hohe Qualitätsstandards besitzt und es geprüfte Quellenangaben gibt. Ich könnte mir gut vorstellen, Unternehmenswissen – auf nichtöffentlichen Servern natürlich – mit Hilfe von KI zu strukturieren und den Usern im Dialog zu präsentieren – ob am Servicedesk, in der Entwicklung oder auch direkt auf Kundenseite.

Mit „Audi Stream“ haben wir vor ein paar Jahren eine interaktive Werkführung eingeführt, in der Tourguides User die Produktion oder das Design digital erleben lassen. Ich bewundere das breite Wissen unseres Teams, das dem Online-Publikum Rede und Antwort steht. Hier könnte ChatGPT vermutlich ergänzend zur Seite stehen. Auch für unsere Autos erfinden wir stets neue Wege zur Interaktion zwischen Mensch und Technik. 2020 haben wir auf der CES (Anmerkung: Elektronikmesse in Las Vegas) eine empathische Begleitung an Bord vorgestellt, die auf mich eingeht und immer eine Antwort parat hat. Drittens könnte ich mir vorstellen, mit dieser Technologie gerade in neuen Themengebieten externes Wissen zu sammeln, um sofort mit dem Status quo in einen Kreativprozess einzusteigen. Aber der zündende Funke, der etwa Neues schafft und Vorsprung ermöglicht, wird auf lange Sicht dem menschlichen Gehirn entspringen müssen.

Richard Tigges ist Leiter Reputationsmanagement und Strategische Kommunikation bei Audi sowie Mitglied im Leitungskreis der AG CommTech.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Live und Events. Das Heft können Sie hier bestellen.

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