Wegducken gilt nicht

CEO-Kommunikation

In den vergangenen zwölf Monaten haben die Fernsehzuschauer viele neue Menschen kennengelernt: vor allem Virologen und Epidemiologen. Die Politikergarde ist sowieso omnipräsent. Eine Gruppe fehlt weitgehend: die Wirtschaft. Das geht seit Jahren so. Deutsche Vorstände beteiligen sich wenig an Debatten und meiden die Talksendungen von ARD und ZDF. Nun wundern sich die Redaktionen über die Zurückhaltung der deutschen Industriebosse und werfen ihnen genau das vor.

Offenkundig kommt in den Diskussionen Langeweile zwischen immer denselben Gästen mit immer denselben Ansichten auf. Mit der Meinungsharmonie kommt die Monotonie. Die Redaktionen sähen die Rollen gerne verteilt: Auf der einen Seite sollen die Guten stehen, diejenigen, die für Klimaschutz eintreten, die Windkraft gut finden, wenn sie nicht die Landschaft verschandelt, und die Bahn, wenn keine Bäume neuen Strecken geopfert werden. Auf der Seite der Bösen stehen die Vertreter des Kapitalismus, angetrieben von niedriger Profitgier.

Nur: Die in der Rolle der Bösewichte wollen nicht mehr. Ist es nicht verständlich, wenn Pressechefs ihren Vorständen abraten, sich in krawalligen Talkshows aufgeregten Aktivisten zum Fraß vorzuwerfen? So einfach ist es leider nicht. Vorstände können sich nicht in ihre Wagenburg zurückziehen und sich dann gegenseitig versichern, dass der Zeitgeist auf Antikapitalismus gedreht ist – gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Manager sollten für ihre Grundwerte eintreten

Vorstände werden dafür bezahlt, dass sie ihre Unternehmen verantwortungsvoll führen und Gewinne erwirtschaften. Für diese Grundposition sollen sie mutig in der Öffentlichkeit einstehen. Die Angst vor dem Shitstorm scheint die Manager zu lähmen. Manche von ihnen glauben, in der Beliebtheitsskala aufzusteigen, wenn sie sich auf der linken Spur an den Umweltaktivisten vorbeidrängeln. Solche Anbiederungsversuche sind fatal. Da gerät Siemens in die Kritik, weil es sich am Bau eines Kohlekraftwerks in Australien beteiligt. Anstatt die Transaktion zu verteidigen, schlägt der Siemens-Vorstandschef einer Aktivistin einen Posten in einem Aufsichtsgremium ausgerechnet von Siemens Energy vor. Der Befreiungsversuch wirkte verzweifelt; ein zentrales Kontrollorgan des Unternehmens wurde als Quatschbude beschädigt.

Manager sollen als oberste Angestellte ihres Unternehmens hochwertige Produkte und exzellente Dienstleistungen anbieten, Ressourcen und Umwelt dabei schonen und Arbeitnehmer fair behandeln. Manager sollen davon leben, dass ihr Unternehmen Erfolg hat. Ihre Aufgabe ist es, für die Grundpfeiler unserer Marktordnung einzutreten, für freien Wettbewerb und Gewinnorientierung – und nicht willfährig jenen hinterherzulaufen, die sich unsolidarisch gegen unsere Marktordnung wenden. Es ist zudem unsolidarisch von den Managern, auf der einen Seite vom Gewinnstreben der Unternehmen zu profitieren und andererseits diejenigen Kollegen, die sich für die Imperative der sozialen Marktwirtschaft einsetzen, im Regen stehen zu lassen.

Als sich Topmanager in Deutschland noch nicht „CEO“ nannten, sondern Vorstandsvorsitzende, waren sie mutiger. Manager wie Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank oder Karlheinz Kaske von Siemens suchten die gesellschaftliche Debatte. Ihnen wäre nicht im Traum eingefallen, Gegner unserer Marktordnung für den Aufsichtsrat vorzuschlagen. Im Gegenteil, kämpferisch setzten sie sich für die freie Marktwirtschaft ein. Manager sollten für ihre Grundwerte eintreten. Dabei sollten sie nicht mit dem Mainstream paktieren. Unsere Marktordnung verdient Manager, die streitbar für ihre Werte einstehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe DIGITAL FIRST. Das Heft können Sie hier bestellen.