Corona-Krise: So kommunizieren Unternehmen

Krisenkommunikation

Das Coronavirus ist auf dem Vormarsch – und geht auch an der Wirtschaft nicht spurlos vorbei. Weltweit rüsten sich Unternehmen für Verdienstausfälle und ergreifen Maßnahmen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Vorsorglich haben beispielsweise Twitter und Google Teile ihrer Belegschaft ins Homeoffice geschickt.

Seit einigen Wochen ist das Virus auch hierzulande angekommen – rund 200 Corona-Fälle zählt die WHO mittlerweile (Stand: 04.03.). Wie gehen deutsche Unternehmen – gerade aus der besonders betroffenen Reise- und Verkehrsbranche – mit der Gefahr um?

Die Bahn fühlt sich „umfassend vorbereitet“

Die Bahn hat es derzeit nicht leicht. Seit Wochen geistern Meldungen von wegen Corona-Gefahr gestoppten Zügen durch die Medien. Erst am gestrigen Mittwoch saßen die Fahrgäste eines ICE nach Stuttgart über eine Stunde im Zug fest. Grund war ein Coronavirus-Verdachtsfall, der sich jedoch nicht bestätigte. Viele Menschen sind verunsichert: Das Unternehmen befördert täglich Hunderttausende aus aller Herren Länder; Reisende verbringen oft Stunden in nächster Nähe zu Sitznachbarn und Wagengenossen.

Die DB sieht jedoch keinen Grund zur Panik: Das Unternehmen fühle sich „umfassend vorbereitet“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Bahn-Webseite. Man stehe im „ständigen Austausch mit den Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern, dem Bundesinnenministerium sowie dem Bundesverkehrsministerium“. Die bestehenden Pandemieplanungen, so die Bahn, würden den Aktualisierungen der Bundesregierung und der Bundesländer angepasst.

Auch für den tatsächlichen Fall eines Corona-Verdachts gebe es einen Maßnahmenkatalog mit großflächiger Absperrung sowie anschließender Reinigung und Desinfektion, versichert das Unternehmen. Für Bahnreisende gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Einschränkungen. Ihnen wird lediglich die Beachtung der empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts ans Herz gelegt. Kulant gibt sich die Bahn obendrein in Bezug auf Reisen in betroffene Gebiete oder zu Veranstaltungen, die aufgrund von Corona-Gefahr abgesagt wurden: Fahrgäste können in solchen Fällen auf Erstattung hoffen.

Tui „gibt Sicherheit“

Besonders betroffen von der Corona-Welle ist auch die Touristikbranche. Bereits in der vergangenen Woche wurde die Reisemesse ITB abgesagt – nur fünf Tage vor ihrem Beginn. Besonders hart getroffen haben die Entwicklungen unter anderem den Touristikkonzern Tui: Seine Aktie hat in kurzer Zeit fast ein Drittel an Wert verloren. Für Reisen nach China gilt ab sofort ein Buchungsstopp.

Wie beeinflusst das Thema die Arbeit der Kommunikatoren? „Wir haben das Thema Coronavirus seit Anfang des Jahres auf dem Radar“, so Tui-Unternehmenssprecher Martin Riecken auf Anfrage des pressesprecher. Seit vergangener Woche habe man das Thema eskaliert und koordiniere nun die Kommunikation international und über alle Geschäftsfelder hinweg in Krisenstäben.

Eine besondere Herausforderung stellen 200 Tui-Gäste unter Quarantäne in einem Hotel auf Teneriffa dar: Vereinbart werden müssten die direkte Kommunikation mit den Kunden, der Umgang mit selbsternannten „Reportern“ aus dem Hotel sowie verwirrende Regeln der Behörden in Spanien und in den Herkunftsländern der Gäste.

Die Mitarbeiter würden fortlaufend über das Intranet auf dem Laufenden gehalten. Hier werden unter anderem ein Liveticker mit aktuellen Updates sowie Verhaltenstipps und ein Webchat mit dem Topmanagement geboten. In der externen Kommunikation hingegen ließen sich derzeit „nur kleine Blumentöpfe gewinnen“.

Lufthansa streicht Flüge und schickt Mitarbeiter in den Urlaub

Seit Mitte Februar beherrscht das Thema Coronavirus die Newsroom-Webseite des Unternehmens. Kein Wunder: Die größte europäische Fluggesellschaft fliegt weltweit Ziele an, darunter die Corona-Hochburgen China, Südkorea, Iran und Italien – bisher. Denn am Dienstag gab die Fluggesellschaft bekannt, das chinesische Festland bis Ende April vorerst nicht mehr anzufliegen.

Eingeschränkt werden soll auch die Anzahl der Flüge nach Hongkong und Seoul, und nach Italien – aufgrund der sinkenden Nachfrage. Auch auf die sinkende Nachfrage nach innerdeutschen Flügen reagiert der Konzern: Die Frequenzen auf bestimmten innerdeutschen Verbindungen würden ebenfalls verringert, heißt es. Die Situation sei „sehr dynamisch“, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr beim einem Branchentreffen am Dienstag. Die Aussichten seien abhängig von der Entwicklung in Europa in den nächsten Tagen.

Außerdem kündigte die Airline an, dass alle geplanten Neueinstellungen nochmals „überprüft, ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben“ werden sollen. Die Aktion ist Teil eines Maßnahmenpakets zur Kostensenkung im administrativen Bereich, mit denen die Lufthansa „den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus frühzeitig begegnen will“. Außerdem bietet das Unternehmen seinen Mitarbeiter:innen ab sofort unbezahlten Urlaub an, prüft die Ausweitung seines Teilzeitangebots, und sagt alle anstehenden Lehrgänge ab.

AIDA

Der Kreuzfahrtanbieter Aida erklärt auf Anfrage des pressesprecher Gäste und Besatzungsmitglieder genau zu überprüfen, um einer Verbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken. „Alle Personen ab 18 Jahren sind verpflichtet, vor der Einschiffung einen Fragebogen zum aktuellen Gesundheitszustand und Reiseverhalten der letzten zwei Wochen auszufüllen. Gäste mit Symptomen wie Fieber, Atembeschwerden, Schüttelfrost oder Husten werden vor dem Boarding einem Gesundheitscheck unterzogen“, erklärt Aida-Sprecherin Kathrin Heitmann. Bisher habe es an Bord eines Aida-Schiffes keinen bestätigten Fall von Covid-19 gegeben. Dennoch bitte man die Menschen an Bord, sich regelmäßig die Hände zu waschen und „die bereitgestellten Händedesinfektionsständer zu nutzen“.

Sofern sich Änderungen der aktuellen Richtlinien und Auflagen seitens der Behörden ergeben, informiere man Gäste und Besatzung umgehend online darüber. „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste und Besatzungsmitglieder steht für uns an erster Stelle. Die aktuelle Entwicklung beobachten wir daher auch weiterhin sehr aufmerksam.“ Weitere Hinweise und Information stellt Aida auf der eigenen Website zur Verfügung.

BMW setzt auf Homeoffice

BMW versucht die Ausbreitung des Corona-Virus im Konzern mit Homeoffice zu bekämpfen. Ein Münchner Mitarbeiter wurde infiziert. Kolleg:innen, die mit ihm in Kontakt standen, sollen dem Betrieb nun für zwei Wochen fernbleiben. Betroffen sind rund 150 Menschen.

Auch Schwangere und andere Mitarbeiter:innen könnten vorübergehend im heimischen Büro arbeiten, sagt Almut Stollberger, Sprecherin von BMW, dem Münchner Merkur. Die Büros des infizierten Mitarbeiters und seiner Kolleg:innen würden jetzt desinfiziert und später wieder freigegeben. Büros in der Konzernzentrale sollen entgegen entsprechender Gerüchte nicht geräumt werden.

Werder Bremen verzichtet auf Autogramme

Auch Fußballvereine werden vorsichtiger. Spieler von Werder Bremen sind angehalten, keine Autogramme mehr zu schreiben oder Selfies mit Fans zu machen. Die Fußballer trainierten derzeit auch meist hinter verschlossenen Türen. Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, sagt gegenüber der dpa, die Maßnahmen dienten zum Schutze aller. Man halte Kontakt zum Gesundheitsamt, um zügig und flexibel auf neue Enwicklungen reagieren zu können. Werder Bremen ist nicht der einzige Verein, der versucht, seine Spieler vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. Auch der FC Bayern empfiehlt den Fußballern vorerst auf Autogramme und Selfies zu verzichten. Rasenballsport Leipzig hat Spielern und Mitarbeitern einen Reisestopp auferlegt. Und der SC Freiburg verzichtet aufs Händeschütteln. „Außer, dass wir uns nicht die ganze Zeit die Hand geben, sondern uns eher an die Kleider klopfen“ gebe es keine besonderen Maßnahmen, erklärt Trainer Christian Streich.

Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue verzichtet gleich ganz auf Maßnahmen gegen das Corona-Virus. „Das regelmäßige Händewaschen gehört zu den hygienischen Grundregeln. Dafür müssen wir keine spezielle Anordnung herausgeben, das wissen die Spieler von selbst“, sagte Michael Voigt, Geschäftsführer des Vereins der dpa. In jeder Mannschaftskabine stünden Desinfektionsmittel – und das nicht erst seit Corona. Den Spielern das Schreiben von Autogrammen oder das Händeschütteln zu verbieten, hält Voigt für übertrieben. Fußball sei eine Kontaktsportart. Berührungen im Training und im Spiel gehörten einfach dazu.

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