Autohersteller punkten bei Wirtschaftsjournalist*innen

Umfrage

BMW bleibt Liebling der Wirtschaftsjournalist*innen in Deutschland. Nach deren Ansicht leistet der Münchener Autobauer von allen Dax-Unternehmen die beste Pressearbeit. Dahinter platzieren sich Volkswagen und Daimler sowie der Softwarekonzern SAP. Bereits in den vergangenen beiden Jahren führte BMW das Ranking an, das von dem Wirtschaftsforschungsinstitut Dr. Doeblin jährlich auf Basis einer Umfrage unter Wirtschaftsjournalist*innen erstellt wird. An der Befragung im Juni und Juli dieses Jahres nahmen 123 Journalist*innen teil.

Sie loben die BMW-Kommunikation für ihre „Orientierung an den Bedürfnissen der Presse“, „das erstklassige Storytelling und das starke Videoangebot“, die „guten Fachleute für jedes Thema“ und die „rasche Beantwortung der Anfragen“. Maximilian Schöberl, Leiter der BMW-Konzernkommunikation, respektiere die Presse und sei „stets an guten Kontakten interessiert“.

Die Pressearbeit von Daimler (2020: Platz 3) gefällt mit „professioneller Aufstellung“, „viel Know-how über Trends am Automarkt“ und „konstruktiver Zusammenarbeit“. „Die Pressearbeiter gehen aktiv, das heißt mit Themenideen, auf die Journalisten zu.“ Jörg Howe – bislang globaler Kommunikationschef von Daimler, der zu Daimler Truck wechselt, um den Börsengang zu kommunizieren – erzählt „keinen Bullshit“ und ist „immer erreichbar“.

VW (2020: Platz 2) erfährt Anerkennung für die „hochprofessionelle“ Pressearbeit, die „multimedial und facettenreich sehr stark auf soziale Medien“ setzt. Die Journalist*innen bezeugten Respekt für „den schwierigen Spagat der Presseleute“, die den Umbau zur E-Mobilität, parallel zu den traditionellen Angeboten, kommunizieren.


Das Top-5-Ranking

Dr. Doebling Gesellschaft für Wirtschaftsforschung
Gefragt wurde: „Von welchen Unternehmen würden Sie sagen: die betreiben gute Pressearbeit, die haben ein professionelles Verständnis von Pressearbeit und erwecken deshalb in meiner Redaktion Aufmerksamkeit?“ (c) Dr. Doeblin Gesellschaft für Wirtschaftsforschung

Bemerkenswert ist der Aufstieg von Bayer im Ranking: Belegte der Chemie- und Pharmakonzern in den vergangenen beiden Jahren nur Platz 12, liegt er nun auf Platz fünf. Worauf der Popularitätsgewinn zurückzuführen ist, geht aus der Befragung nicht eindeutig hervor. Journalist*innen loben den professionellen Umgang mit der Presse: „Trotz Mainstream-Minus in Sachen Monsanto immer cool und offen“, „Bei aller Kritik antwortet Bayer fair und transparent“.

Positive Ergebnistrends im mehrjährigen Vergleich verbuchen zudem SAP („Rasche Vermittlung von kompetenten Ansprechpartnern“), die Deutsche Bank („Starke Newsroom-Inhalte, sehr journalistische Denke … Da wirkt ein gelernter Journalist“) und RWE („Auch unter politischem Druck offen“).

Kritik an Pressearbeit

Die befragten Journalist*innen äußern aber auch Kritik an der Pressearbeit vieler Unternehmen. Laut den Studienautor*innen fehlt es mitunter noch immer am Grundverständnis für die Anforderungen guter Pressearbeit.

Beklagt werden lange Antwortfristen („Fragen wurden erst mit großer Verspätung und dann noch mit falschen Angaben beantwortet“), nichts-sagende Statements und inhaltsarme Texte („Man stellte konkrete Presseanfrage mit fünf Fragen, bekommt aber nur eine summarische Antwort, die so gut wie nicht auf die Fragen eingeht“) sowie arrogantes Verhalten („Der Pressesprecher hält sich für zu wichtig und meint, Interviews nur mit Chefredakteuren führen zu müssen“).

Geklagt wurde auch, dass manche Unternehmen gendern: „Politik und damit auch Genderpolitik haben in der Unternehmenskommunikation nichts verloren.“

Die Ergebnisse aus dem Vorjahr finden Sie hier.

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