AfD-Jugend ruft zum „Jagen und Entsorgen“ auf

Rechtsextreme Werbung

Die Berliner AfD-Jugend sucht mithilfe eines fragwürdigen Plakats nach neuen Mitgliedern. Wichtig ist den Rechtspopulisten, dass die potenziellen Bewerber:innen „gut jagen und entsorgen“ können. Die Formulierung ist nicht nur angesichts des Gedenkens der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren problematisch. Die Parteiorganisation ruft ganz offensichtlich zur Menschenjagd auf. 

Gehirnarme und untervögelte Hitlerjugenfans dürfen sich angesprochen fühlen. pic.twitter.com/RdYNrEu16Z

— Enno Lenze (@ennolenze) January 25, 2020

Dass solche Aufrufe auf fruchtbaren Boden stoßen und damit aus Worten Taten werden lassen können, zeigt unter anderem der rechtsextremistisch motivierte Mord an Walter Lübcke (CDU), dem ehemaligen Kasseler Regierungspräsidenten. Der mutmaßliche Täter soll die hessische AfD im Landtagswahlkampf 2018 unterstützt haben.

Nun fordert die Parteijugend: „Hol dir dein Land zurück“. Ob damit die nach dem zweiten Weltkrieg abgetretenen Gebiete gemeint sind, ist unklar. Die AfD-Jugend sieht sich scheinbar als Hort für all jene, denen „Linke und Gutmenschen“ auf „die Nerven“ gehen. „Schaff Ordnung!“, appelliert sie an Leser:innen. Das Plakat wirkt bewusst provokant und kokettiert mit umstrittenen Äußerungen des früheren AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland.

Eine Hommage an Gauland

Gauland kündigte nach der Bundestagswahl 2017 an, Angela Merkel „jagen“ zu wollen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im thüringischen Eichsfeld 2018 griff er die stellvertretende SPD-Vorsitzende und Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz, scharf an. Özoguz sagte dem Tagesspiegel: „Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.“ Gauland kommentierte diesen Satz dann so: „Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“

Ruprecht Polenz, ehemaliger CDU-Generalsektretär, schreibt auf Facebook von „einer gezielten Kampagne im gewaltbereiten Rechtsextremismus“. Der Verfassungsschutz führt die AfD Jugendorganisation als Verdachtsfall für rechtsextreme Bestrebungen. Im Frühjahr wollen die Verfassungsschützer über den weiteren Umgang mit der AfD entscheiden. Eine weitergehende Beobachtung ist nicht ausgeschlossen.