Das sind die besten PR-Fotos 2021

PR-Bild Award

Die Kinderrechtsorganisation Plan International hat mit dem Foto zu einer Kampagne gegen Genitalverstümmelung den PR-Bild Award 2021 in Deutschland gewonnen. Zusammen mit dem Verein Nala macht die Organisation auf die Folgen der vielerorts immer noch praktizierten Menschenrechtsverletzung aufmerksam. Das Bild, das am Donnerstag bei einer digitalen Preisverleihung prämiert wurde, setzte sich gegen rund 500 Bewerbungen durch. Es belegte zudem den ersten Platz in der Kategorie „Storys & Kampagnen“.

Aufgenommen wurde das Foto von der Filmemacherin Sarah Fürstenberg, die für die Kampagne #TheOtherVulva das Thema mit Hilfe einer zugenähten Grapefruithälfte in ein Kurzvideo übertrug. Das prämierte Foto ist das Aufmacherbild der Kampagne. Weltweit sind Angaben der Kinderrechtsorganisation zufolge mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge fast 75.000 Betroffene, über 20.000 Mädchen gelten als gefährdet. „Unsere Kampagne ‚Gemeinsam gegen weibliche Genitalverstümmelung‘ soll dazu beitragen, die Schmerzen der Frauen nachzuvollziehen, ohne die praktizierenden Gemeinden zu verurteilen oder gar Ressentiments zu schüren”, sagte Kathrin Hartkopf, Sprecherin der Geschäftsführung von Plan International Deutschland.

Für die Schweiz gewann in diesem Jahr das Bild „Passwang, Nebelwelle“, eingereicht von Schweiz Tourismus und fotografiert von Jan Geerk. Das beste PR-Bild des Jahres aus Österreich ist das Foto „Freiheit“ von Josipovic Photography, eingereicht für das Landestheater in Linz. Fotografiert hat es Robert Josipovic.

Gewinner in sechs Kategorien

Prämiert wurden zudem die besten Fotos in sechs Kategorien:

NGO
„Schwere Last auf schmalen Schultern“
Kindernothilfe e.V., Fotograf: Christian Herrmanny

Porträt
„Muschelsammlerin“
Anja Jahn Photography eingereicht für C&C Contact & Creation GmbH, Fotografin: Anja Jahn

Social Media
„Spitzenklasse“
Universität Mannheim, Fotograf: Matthias Hangst

Storys & Kampagnen
„#TheOtherVulva – Gemeinsam gegen weibliche Genitalverstümmelung“
Plan International e.V., Fotografin: Sarah Fürstenberg

Lifestyle
„Studieren in Zeiten von Corona“
Universität Bonn, Fotograf: Volker Lannert

Reisen
„Passwang, Nebelwelle“
Schweiz Tourismus, Fotograf: Jan Geerk

„Ohne die Pandemie-Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre hätte es viele der Shortlist-Bilder 2021 nicht gegeben“, sagte Edith Stier-Thompson, Geschäftsführerin von News Aktuell und Initiatorin des Branchenpreises. „Viele der prämierten Fotos sprechen eine ungefilterte, teils dokumentarische Sprache und regen noch mehr als in den vergangenen Jahren zum Nachdenken an.“ Visuelles Storytelling müsse heute einen festen Platz in jeder professionellen Kommunikation haben.

Die Verleihung fand bereits zum 16. Mal statt. In einem zweistufigen Auswahlverfahren wird herausragende PR-Fotografie von Unternehmen, Organisationen und PR-Agenturen zunächst von einer Fachjury bewertet. Anschließend stimmt die Öffentlichkeit über die Gewinner ab. An dem Online-Voting nahmen in diesem Jahr rund 28.000 Menschen teil. KOM ist Medienpartner. Alle weiteren Gewinnerfotos finden Sie hier.

Ein Bild, das alles zeigt, ohne alles zu zeigen

Foto: Laurin Schmid

Warum das Aufmacherbild zur Kampagne #TheOtherVulva den diesjährigen PR-Bild Award gewonnen hat. Ein Kommentar von der Juryvorsitzenden und Ex-Kommunikationschefin des DFB, Mirjam Berle.

Manchmal darf ein Foto nicht darstellen, was es darstellen soll. Weil das, was es darstellen soll, nicht sein darf!

Und doch brauchen gerade Dinge, die nicht sein dürfen, starke Bilder. Bilder, die verborgene Missstände sichtbar machen. Bilder, die aufrütteln, damit wir hinschauen. Bilder, die uns bewegen, damit sich etwas ändert.

Das diesjährige Gewinnerbild des PR-Bild-Award tut genau das. Es wirkt, weil es eine Bildsprache gefunden hat, die viel mehr Kraft entfaltet, als Worte das je tun könnten.

Es hat eine Kraft, die auf besondere Weise in den Bann zieht.

Als ich das Bild zum ersten Mal sah, wollte ich beinah intuitiv über die genähte „Wunde“ hinwegsehen. Weil sie nicht ins Bild und schon gar nicht zur Grapefruit passt. Gelungen ist es mir nicht. Genau wegen des inhaltlichen Bruchs bin ich an diesem Bild hängengeblieben. Wollte mehr darüber wissen, die Geschichte erfahren, die dahinter liegt.

Es ist eine erschütternde, menschenverachtende Geschichte. Die Geschichte der Schmerzen, die rund 200 Millionen Mädchen und Frauen ihr Leben lang erleiden, weil sie an den Genitalien beschnitten wurden. Der Kontrast, den das Bild setzt, macht diese Schmerzen spürbar. Es macht die verheerenden Folgen nachvollziehbar, ohne grausame Bilder zu zeigen, die uns eher weg- als hinschauen lassen. Es schafft Nähe und Mitgefühl, ohne vorzuführen oder persönliche Grenzen zu überschreiten.

Mit dem Bild der Grapefruit ist der Filmemacherin Sarah Fürstenberg von der Hamburg Media School ein beeindruckendes und bewegendes PR-Bild gelungen. Es steht als Aufmacherfoto für das eindringliche Kurzvideo #TheOtherVulva. Es ist Teil der gemeinsamen Kampagne mit Plan International und Nala e.V., welche aufmerksam macht darauf, dass alle 11 Sekunden ein Mädchen beschnitten wird – auch in Deutschland sind 70.000 betroffen.

Starke Bilder schaffen starke Öffentlichkeit. Dieses Bild braucht diese Öffentlichkeit besonders, damit möglichst bald nicht mehr ist, was nicht sein darf!