Journalisten bevorzugen direkten Draht zu Pressesprechern

Studie

Keine Rückmeldungen oder zu wenige Fakten – diese zwei Dinge nerven Journalisten im Umgang mit Pressesprechern am meisten. Das ergab die jüngste Auflage des Medien-Trendmonitors „Brennpunkt Journalismus“, den News Aktuell und Faktenkontor am Mittwoch veröffentlicht haben. Mehr als 1.700 Medienvertreter nahmen an der Onlineumfrage teil.

Demnach stört 51 Prozent der befragten Medienmacher am meisten, wenn Kommunikationschefs auf Anfragen nicht reagieren. Auf Platz zwei der größten Nervfaktoren landet Schönfärberei. Lobhudeln statt Fakten auf den Tisch zu legen: Das finden 45 Prozent der Journalisten unerträglich. Fast ebenso nervig finden sie es, wenn Pressesprecher nicht authentisch und unehrlich sind (43 Prozent).

Bedenklich: An vierter Stelle der Kritik steht handwerklich schlechtes PR-Material. So gaben 40 Prozent der Befragten an, dass sie unprofessionelles Pressematerial sehr stört. Je höher die Position, umso kritischer ist dabei der Blick auf den PR-Content. Während nur 35 Prozent der einfachen Redakteure schlechte Pressemitteilungen kritisieren, macht das bei den Chefredakteuren jeder Zweite (51 Prozent).

Grafik: obs/news aktuell GmbH/Kerstin Kriesel

Kontrolle ist besser

Für 58 Prozent der Journalisten ist aber ohnehin das direkte Gespräch nach wie vor das wichtigste Informationsmittel, das Unternehmen anbieten können – trotz Smartphone und Social Web, das immerhin 55 Prozent als Recherchemittel nutzen. Doch ungeprüft sollten die Inhalte von Unternehmen nicht übernommen werden: Für 43 Prozent der Befragten wäre das der größte Fehler, den Journalisten heute machen können.

Diese Aussage ist vor dem Hintergrund der größten Herausforderungen einzuordnen, die die Medienmacher für sich identifizieren. 57 Prozent treibt demnach die Sorge um, dass die Menschen den Medien nicht mehr vertrauen. Jeweils ein knappes Drittel (29 Prozent) glaubt, dass gezielte Falschinformationen ebenso wie eine bewusste Einflussnahme durch Dritte die Glaubwürdigkeit und Souveränität der Medien unterlaufen.

Grafik: obs/news aktuell GmbH/Kerstin Kriesel

Studiendesign

1.740 Journalisten haben am Medien-Trendmonitor “Brennpunkt Journalismus – Was Journalisten in Deutschland heute bewegt” teilgenommen. Die Befragung fand im März 2017 statt. Als Methode haben die Initiatoren news aktuell und Faktenkontor eine Onlinebefragung gewählt. Alle Angaben sind auf volle Zahlen gerundet. Die kompletten Umfrageergebnisse stehen hier zum Download zur Verfügung.

 

Weitere Artikel