Leadership-Facetten

Editorial

Aus Sicht von Kommunikationsverantwortlichen hat „Leadership“ mindestens zwei Facetten: Zum einen sind Pressesprecher*innen häufig selbst Führungskräfte. Sie haben die Aufgabe, ihre Abteilung zu organisieren, die Angestellten zu motivieren und ihnen berufliche Perspektiven zu eröffnen. Fordern und fördern, wie es so schön heißt. Zum anderen sind Kommunikator*innen Advisor. Sie beraten Minister*innen, Vorstände und CEOs. Wie treffen sie nach innen den richtigen Ton? Wie präsentiert man sich nach außen als souveräne Führungspersönlichkeit?

Auf Seite 20 haben wir eine Übersicht von Personen aus verschiedenen Bereichen zusammengestellt, die häufig mit Führung assoziiert werden – positive Beispiele, aber auch negative. Für eine Organisation ist es ein großes Plus, wenn die Personen an der Spitze durch herausragendes Leadership dazu beitragen, die Reputation zu stärken. Nur ist das keine Einbahnstraße. Wer heute noch als integer, empathisch oder visionär wahrgenommen wird, gilt schnell als zu weich, farblos und führungsschwach, wenn es nicht läuft. Leadership muss sich am Erfolg messen lassen. Der von der ehemaligen Siemens-Kommunikationschefin Clarissa Haller auf dem Kommunikationskongress sinngemäß getätigte Satz, dass man nicht für Arschlöcher arbeiten sollte, ist keine schlechte Grundregel im Berufsleben.

Worum geht es in dieser Ausgabe? Zum einen um Körpersprache. Welche Gesten unterstützen dabei, führungsstark zu wirken? Mirjam Stegherr beschreibt, wie Führungskräfte ihr Verhalten geändert haben, nachdem sie von ihren Mitarbeitern negativ beurteilt wurden. Wir haben mit Florian Amberg von Munich Re und Marlena Schönfeld von der Agentur Butter zwei Führungskräfte befragt, die in jungem Alter in verantwortungsvolle Positionen aufgestiegen sind. Zusätzlich gibt es ein Interview mit Britta Zur, seit 2020 Polizeipräsidentin in Gelsenkirchen. Vorher arbeitete sie als Sprecherin einer Staatsanwaltschaft. Wie definiert sie ihre Rolle?

Wir haben mit Tim Röhn gesprochen, der als Chefreporter bei der „Welt“ aktuell intensiv zum Coronakomplex recherchiert. Sein Fazit über die Kommunikationsabteilungen von Behörden: „Ich glaube, dass sich in dieser Coronapandemie viele Pressesprecher oder Behörden gegenüber der Öffentlichkeit nicht rechenschaftspflichtig fühlen.“ In einer Phase, in der Transparenz und Vertrauen in die Coronapolitik entscheidend wären, ist das ein desaströses Urteil. Kritik an der Information von politischer Seite zum Thema Impfen äußert auch Cornelia Betsch, die als Professorin für Gesundheitskommunikation Mitglied im 19-köpfigen Expertenrat der Bundesregierung ist. Dieser hat in seinen Statements schon mehrfach die schlechte Kommunikation in der Pandemie angeprangert.

Viel Spaß beim Lesen!

Volker Thoms, Chefredakteur


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Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Leadership. Das Heft können Sie hier bestellen.