Sauber gelöst

sprecherspitze zum angekündigten AfD-Newsroom

Man kann ja von dem Bundestagsneuzugang AfD halten, was man möchte. Was die Kommunikationsstrategie anbelangt, ist die Partei ganz vorn dabei. Schon im vergangenen Jahr konnte man im Strategiepapier lesen, dass auf lange Sicht ein eigener TV-Kanal geplant ist (kein Scherz), um ohne das Veto der „Lügenpresse“ endlich einmal über das zu berichten, was das Volk wirklich interessiert. Und das alles total neutral.

Nun legte Alice Weidel nach. Einen brandneuen Newsroom wird es bald geben, rund 20 Mitarbeiter sollen dort Informationen „journalistisch sauber für die Öffentlichkeit“ aufbereiten, zitierte Anfang Februar der Focus die Fraktionschefin. „Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit Fake News gezielt schlechtgemacht wird, kann es nur diesen Weg geben.“

Weidel sollte unbedingt ein PR-Handbuch veröffentlichen: „Wie man digitale Filterblasen in die große weite Medienlandschaft exportiert“. Die Medien ignorieren unsere Themen? Dann basteln wir uns eben eigene Medien, kann ja so schwer nicht sein. Für die Verbreitung der hauseigenen News braucht es allerdings Social-Media-Kanäle. Und das Problem mit den Sozialen Netzwerken ist, dass diese nach AfD-Logik selbst Teil der Maas’schen Verschwörung gegen die Partei sind.

Hier der Vorschlag: Weiter denken, weiter gehen! Es braucht eigene „soziale“ AfD-Netzwerke. Gründet ein Innovation-Lab! Sichert euch die URL hatebook.de und bitter.com gleich dazu. Raus aus der massenmedialen Knechtschaft. Das wird ein Imperium des neutralen Berichtens und unabhängigen Denkens! Verwunderlich fast, dass die anderen Parteien noch nicht auf den Zug aufgesprungen sind. Die Verlockung ist süß: nie wieder mit Journalisten herumärgern, PR und Berichterstattung verschmelzen. Hinein in die kommunikative Autarkie! Dass auf diese brillante Idee in den vergangenen Jahrzehnten noch nie jemand gekommen ist! Oh. Moment mal … 

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe DATEN. Das Heft können Sie hier bestellen.