Wikipedia-Streik am 21. März aus Protest gegen EU

Die deutsche Ausgabe von Wikipedia wird am 21. März für 24 Stunden komplett abgeschaltet. Statt der Einträge der Online-Enzyklopädie soll an diesem Tag lediglich eine schwarze Seite mit einem Text zu sehen sein.

Mit ihrer Aktion protestieren die Wikipedia-Autoren gegen die geplante EU-Reform des Urheberrechts, insbesondere die befürchtete Zensur durch so genannte Upload-Filter und das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Diese könnten „Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit deutlich beeinträchtigen“, heißt es von Wikipedia.

In dem Text, der statt der üblichen Lexikoneinträge erscheint, werden wesentliche Kritikpunkte an dem Reformvorhaben genannt. Außerdem bittet die Wikipedia ihre Besucher, die Abgeordneten des EU-Parlaments in dieser Sache zu kontaktieren, sich an den europaweiten Demonstrationen gegen die Reform am 23. März zu beteiligen und an den Europawahlen am 29. Mai teilzunehmen.

Die Entscheidung für die Abschaltung traf die Wikipedia-Community durch eine Online-Abstimmung, an der sich 215 Autoren beteiligten. Gut zwei Drittel der Abstimmenden (67,9 Prozent) sprachen sich dabei für eine Protestaktion aus. Die Variante der 24-stündigen Komplettabschaltung setzte sich gegenüber einem reinen Protestbanner mit 83,2 Prozent Zustimmung klar durch.

Schätzungen zufolge erreicht die deutsche Version von Wikipedia bis zu 30 Millionen Zugriffe pro Tag.

Zu den Kritikern der geplanten EU-Reform gehören neben Wikipedia und der Dachorganisation Wikimedia unter anderem Wirtschafts- und Digitalverbände, Journalistenorganisationen, Netzaktivisten, bekannte Influencer sowie Bürger- und Menschenrechtsorganisationen.

Eine Petition gegen das Vorhaben erreichte bislang rund fünf Millionen Unterschriften. In mehreren deutschen Städten fanden unter dem Motto „Wir sind die Bots“ bereits spontane Protestkundgebungen mit Tausenden von Teilnehmern statt. Für den 23. März ist ein zentraler Protesttag mit Demonstrationen in ganz Europa geplant. Der pressesprecher kürte die Europäische Union wegen des umstrittenen Reformpakets und des Protests dagegen zum „Verlierer des PR-Februar 2019“.

Auf wenig Verständnis stieß der Wikipedia-Streik dagegen bei Befürwortern der EU-Urheberrechtsreform. Die Direktorin des internationalen Bildagenturen-Verbandes CEPIC, Sylvie Fodor, bezeichnet die Aktion in einem Twitter-Post als “terroristische Methode skrupelloser Lobbyisten”.