Die digitale Investor-Relations-Kommunikation der größten deutschen Unternehmen hat ein hohes Niveau erreicht. Unternehmensinformationen, Governance-Strukturen und ESG-Inhalte sind heute fast durchgängig gut aufbereitet, der Service rund um Hauptversammlungen und die Präsenzen auf Linkedin vorbildlich. Gleichzeitig werden technische Aspekte noch vernachlässigt. Insbesondere die Sichtbarkeit bei ChatGPT und Co. steckt noch in den Kinderschuhen.
Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle „IR-Benchmark“ von Netfederation, einer Unternehmensberatung und Agentur für digitale Kommunikation aus Köln. Das Unternehmen analysiert jährlich die Investor-Relations-Portale von 50 großen deutschen Unternehmen. Basis ist ein Fragenkatalog mit 116 Kriterien. Die maximale Punktzahl für ein Portal beträgt 1.000 Punkte, was einer Erfüllung aller Kriterien zu 100 Prozent entspricht.
Am besten schneidet in diesem Jahr das IR-Portal der Deutschen Telekom (789 Punkte) ab, gefolgt von Fresenius (769) und Volkswagen (714). (Lesen Sie unten mehr zu den Ergebnissen.)
Die zehn bestplatzierten Unternehmen im „IR Benchmark“-Ranking. © Netfederation
Werte und Nachhaltigkeit fester Bestandteil
Fast alle untersuchten Unternehmen stellen dem Report zufolge ihre grundlegenden Unternehmensinformationen und Governance-Strukturen gut auffindbar bereit. Ein sehr großer Teil der Unternehmen macht darüber hinaus im IR-Bereich inzwischen explizite Aussagen zu ihren Werten und zu deren Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg. Nachhaltigkeit hat sich ebenfalls zum Standard entwickelt. Die überwiegende Mehrheit verankert ESG als strategisches Thema und erläutert ihre Nachhaltigkeitsstrategie auf den IR-Seiten.
„Werte, Governance und ESG sind fester Bestandteil der Kapitalmarktkommunikation“, sagt Thorsten Greiten, Geschäftsführer von Netfederation. „Der nächste Schritt ist, diese Inhalte noch stärker mit der Equity-Story und der Investment-Logik zu verknüpfen.“
Ambivalent wird das Thema Auffindbarkeit bewertet. Einerseits erreichen die untersuchten Portale bei Suchanfragen wie „Unternehmen und Aktie“ oder „Unternehmen und Dividende“ bei Google fast durchgängig sehr gute Platzierungen. Andererseits weisen bekannte KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Perplexity kaum aktualisierte Unternehmensquellen aus. Grund dafür: Ein großer Teil der Unternehmen optimiere seine IR-Bereiche zu wenig für eine bessere Auswertbarkeit etwa durch klare Überschriftenstrukturen, Metadaten und sauber aufbereitete, barrierefreie Dokumente.
Barrierefreiheit sowie mobile Ladezeiten sind den Analysten zufolge deutlich ausbaufähig. Das Smartphone sei oft der erste Touchpoint. „Wenn die Seite dann langsam lädt oder Inhalte nicht gut zugänglich sind, verschenken Unternehmen wertvolles Vertrauen“, sagt Greiten.
Die besten fünf IR-Portale
An der Spitze des diesjährigen Benchmarks steht die Deutsche Telekom. Sie erreicht mit 789 von 1.000 möglichen Punkten die höchste Gesamtwertung. Ausschlaggebend sei, so schreiben die Autoren, ein sehr klar strukturierter IR-Auftritt mit starker Auffindbarkeit, umfangreichen Services rund um die Hauptversammlung und einer deutlich sichtbaren Equity-Story, in der Strategie und Kennzahlen schlüssig zusammengeführt würden. Gelobt werden die umfangreichen Social-Media-Präsenzen.
Auf Rang zwei folgt Fresenius mit 769 Punkten. Der Gesundheitskonzern überzeugt den Studienautoren zufolge durch eine hohe Faktenorientierung, ein stringentes Reporting und ein interaktives Kennzahlentool, das Mehrjahresvergleiche und Segmentanalysen ermögliche.
Volkswagen belegt mit 714 Punkten den dritten Platz. Der Konzern zeige, wie sich ein komplexes Transformationsprogramm – von der Elektrifizierung bis zur Softwarestrategie – kapitalmarktorientiert darstellen lässt. Reporting-Tiefe und klare Kapitalmarktstory griffen hier sichtbar ineinander.
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Den vierten Platz nimmt BASF ein. Der Chemiekonzern punktet dem Report zufolge mit einer tiefen Sektion „Sustainable Investment“, klarer Kapitalmarktlogik und einer robusten Governance-Verankerung. Trotz großer Informationsfülle bleibe die IR-Website gut strukturiert und nutzerfreundlich.
Auf Rang fünf folgt Covestro. Die Studienautoren betonen den modernen, klar investorenorientierten Auftritt mit einem gut zugänglichen Online-Reporting und einer wirksam integrierten ESG-Kommunikation.
„Die Top-5 verbinden Substanz mit Struktur, denken vom Nutzer her, entwickeln sich stetig weiter und machen ihre Kapitalmarktstory digital erlebbar – nicht nur im PDF, sondern direkt auf der Website oder Linkedin“, resümiert Netfederation-Geschäftsführer Greiten.
Alle Ergebnisse finden Sie auch hier.