Die Nachhaltigkeitskommunikation großer deutscher Unternehmen ist so vollständig wie nie. Ziele, Maßnahmen, Richtlinien, Berichte und Kennzahlen sind auf den meisten Corporate-Responsibility-Websites vorhanden. Doch aus mehr Dokumentation entsteht nicht automatisch bessere Kommunikation, wie der aktuelle „CR Benchmark“ der Kölner Unternehmensberatung Netfed zeigt. Das Unternehmen untersucht jährlich die digitale Nachhaltigkeitskommunikation der 50 größten deutschen Konzerne. Die jüngste Untersuchung fand im zweiten Quartal statt.
Demnach reden Unternehmen wieder über Nachhaltigkeit, nachdem im vergangenen Jahr eine zunehmende Zurückhaltung konstatiert wurde. Der offensichtliche Grund: Ab dem Geschäftsjahr 2027 gilt für Konzerne die europäische Berichtspflicht CSRD. So wirken die digitalen Unternehmensauftritte Netfed zufolge wie gut geführte Archive: vollständig, prüfbar, aktuell, aber zu selten verständlich eingeordnet.
„2025 haben viele Unternehmen geschwiegen, weil sie Angst hatten, etwas Falsches zu sagen. 2026 reden sie wieder – aber sie sprechen nicht, sie protokollieren“, kommentiert Christian Berens, Geschäftsführer von Netfed, die Ergebnisse.
Rückgang bei Female Leadership
So gehören Nachhaltigkeitsziele, Maßnahmen, Richtlinien und Projekte bei den meisten Unternehmen nun zum Standard. Auch Berichte, Zeitstempel, Verweise auf den Geschäftsbericht und integrierte Berichterstattung sind deutlich stärker im digitalen Auftritt verankert. Doch die Einordnung fehlt und damit auch die Orientierung. Redaktionelle Formate wie CR-News, Magazine, Erklärstücke oder thematische Einstiege seien in den Hintergrund getreten.
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Auch bei Kennzahlen zeige sich dieses Muster. Nachhaltigkeitsdaten seien häufig vorhanden und digital auffindbar. Doch würden Such- und Filterfunktionen fehlen, Zeitreihen schwer zugänglich sein oder Zielbezüge nicht erklärt werden.
Bei einzelnen Themen geht die Offenlegung Netfed zufolge sogar zurück: Demnach weisen 2026 nur noch 52 Prozent der Unternehmen überhaupt Kennzahlen zu Frauen in Führungspositionen aus – nach 74 Prozent im Jahr 2024.
Neu in den Fokus rückt 2026 die digitale Verantwortung. Doch das Thema schlechthin – künstliche Intelligenz – ist der Analyse zufolge auf den CR-Websites bislang kaum sichtbar. Digitale Ethik, KI-Leitlinien, Transparenz zum KI-Einsatz, Cybersecurity und digitaler Kompetenzaufbau blieben deutlich schwächer sichtbar als klassische Nachhaltigkeitsthemen, schreiben die Autoren.
Deutsche Telekom auf dem Spitzenplatz
Unternehmen, die es aus Sicht von Netfed gut machen, sind erneut die Deutsche Telekom (842 Punkte), gefolgt von der Deutschen Bahn (764 Punkte) und Merck (743 Punkte).
Wie in jedem Jahr hat Netfed ein Ranking erstellt. Das Unternehmen bewertete die CR-Auftritte nach 123 Kriterien aus der Perspektive der Nutzer: Was sich nicht in 30 Sekunden finden ließ, galt als nicht vorhanden.
Demnach führt die Deutsche Telekom CR-Themen, Bericht, News und Erklärformate an einem Ort zusammen. Die Deutsche Bahn verbinde Kennzahlen, Maßnahmen und strategische Einordnung. Merck denke Nachhaltigkeit aus Wissenschaft, Technologie und Geschäftsmodell heraus.
Das Top-10-Ranking im Überblick: