Entscheiden mit der Axt

sprecherspitze

Gelegentlich müssen wir taffe Entscheidungen treffen im Leben. Manche scheinen zwar soft, können aber heikel sein. Cord oder Flanell? I-Phone oder Android? Pepsi oder Coke? Sean Connery oder Daniel Craig? Hack oder Soja? Buch oder „Tatort“? Helene Fischer oder Alice Cooper? Mallorca oder Mecklenburg? Federkern oder Kaltschaum? Wir merken: Auch Entscheidungen haben einen Härtegrad.

Immer wieder sind wir in der alltäglichen Kommunikation vor knifflige Alternativen gestellt. Sagen wir’s sensibel-verklausuliert? Oder lieber schonungslos-direkt? Was also beispielsweise antworten auf die Frage im Bewerbungsgespräch „Welche ist Ihre größte Schwäche?“? Möglichkeit A: „Durch meine ausgeprägte Hands-on-Mentalität neige ich dazu, anspruchsvolle Aufgaben alleinverantwortlich im Akkord abzuarbeiten.“ Antwort B: „Meine Offenheit, du Trottel!“ Wir lernen: Auch mit der Axt lassen sich Entscheidungen fällen.

Auf Twitter war kürzlich von einer, nun ja, bemerkenswerten Entscheidung in der Pressestelle einer Landesärztekammer zu lesen. Buzzfeed News berichtete von einer Recherche, bei der die Journalisten auf eine extra resolute Öffentlichkeitsarbeiterin trafen. Die Anfrage des Mediums habe man gelöscht, sie habe für die Pressestelle keinen Belang, erklärte die Dame auf Nachfrage. Auf den Einwand hin, dass Landesärztekammern zur Auskunft gegenüber Journalisten verpflichtet seien und nicht wahllos Presseanfragen löschen könnten, entgegnete die Pressestellenmitarbeiterin laut Buzzfeed News, sie lasse sich nicht sagen, wie sie ihren Job zu machen habe.

So viel Konsequenz – oder präziser: Chuzpe? – ist selten und erinnert an einen Sketch mit Diether Krebs. Der sitzt als Gast betrunken am Tresen einer Bar. „‘schuldigung“, lallt er den Barkeeper an, „ich hätt’ gern noch ’n Martino.“ „Das heißt Martini.“ Darauf der Gast: „Hey! Wenn ich mehr als einen möchte, sag’ ich Bescheid, klar?“

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe ALLES AUF ANFANG. Das Heft können Sie hier bestellen.