Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR), das Selbstkontrollorgan der PR-Branche, hat das Unternehmen Tasy AI (ehemals ugcs.io) mit einer Mahnung belegt. Das Start-up mit Sitz in München habe gegen grundlegende Prinzipien der Transparenz und Wahrhaftigkeit im Umgang mit KI-generierten Inhalten verstoßen, teilte der PR-Rat mit.
Tasy AI bietet Unternehmen und Organisationen eine Plattform, um virtuelle Influencer für Marketing- und Kommunikationszwecke zu erstellen. Diese Avatare treten täuschend echt auf. Nach Auffassung des Rates nimmt das Unternehmen bewusst in Kauf, dass Mediennutzende diese Inhalte mangels Kennzeichnung für authentische, menschliche Kommunikation halten. Mediennutzer würden gezielt in die Irre geführt.
„Statt auf Transparenz zu setzen, wird gezielt die Verwechslungsgefahr mit realen Personen als Qualitätsmerkmal herausgestellt. Das gefährdet das Vertrauen in die kommunikative Integrität unseres Berufsfelds und untergräbt die Glaubwürdigkeit von Influencer-Kommunikation“, erklärt Stefan Watzinger, stellvertretender Vorsitzender des DRPR.
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Kritisch sieht der PR-Rat auch, dass die KI-Influencer mit realen Testimonials kommunikativ gleichgesetzt würden. Die Argumentation des Anbieters, virtuelle Avatare seien eine kostengünstigere und skalierbare Alternative zu menschlichen Influencern, insbesondere wenn deren künstlicher Ursprung nicht offengelegt wird, bewertet der DRPR als kommunikationsethisch problematisch. Dadurch werde nicht nur der Eindruck authentischer Ansprache erzeugt, sondern auch ein Wirkzusammenhang konstruiert, der die Bedeutung von Transparenz bewusst relativiert.
Darüber hinaus habe das Unternehmen in seinen Vertriebsunterlagen und auf seiner Webseite nicht durchgängig auf die Kennzeichnungspflicht von KI-Inhalten hingewiesen. Weder Tasy AI noch Heygen als Anbieter der zugrundeliegenden Avatar-Engine hätten auf Anfragen des Rates reagiert.
„Erhebliches“ Risiko für den demokratischen Diskurs
Der Einsatz täuschend echter, nicht gekennzeichneter KI-Influencer stelle ein erhebliches Risiko für den demokratischen Diskurs dar, betont der DRPR in seiner Mitteilung. „Für wenige Euro im Monat können mit Angeboten wie dem von Tasy AI künstlich ganze Gruppen angeblicher Unterstützer:innen oder Kritiker:innen simuliert werden – ohne Kennzeichnung öffnet das gezielter Manipulation und Beeinflussung der öffentlichen Meinung Tür und Tor“, erläutert Vize-Ratsvorsitzender Watzinger.
Der PR-Rat hat im November 2023 Richtlinien zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in der PR festgelegt. Diese werden derzeit überarbeitet, teilte der DRPR mit.