KOM fragt: Inwieweit unterstützt künstliche Intelligenz bei der Presse- und Medienarbeit?
Merle Florstedt: Künstliche Intelligenz ist für mich in der Presse- und Medienarbeit ein unterstützendes Werkzeug, aber sicher kein Wundermittel für professionelle Kommunikation und erst recht kein Ersatz für mein reales Team.
„Copi“ beispielsweise, der Copilot von Microsoft, ist in unserem Team ein neuer Sparringspartner in verschiedenen Bereichen. Er kann recherchieren, strukturieren und helfen, Argumente zu schärfen. Er kann die Angst vorm weißen Blatt mildern, unterschiedliche Perspektiven einnehmen und Denkanstöße liefern. Aber: Er hat kein Bauchgefühl und keine Empathie. Er besitzt keine Erinnerungen an Erlebnisse. Ihm fehlt authentisches unternehmenskulturelles Wissen. Entscheidend ist also, dass seine Ergebnisse Ausgangspunkt sind und nicht das Endprodukt.
Copilot kann helfen, Wissen aufzudecken und zusammenzuführen. Ja, wenn wir nur wüssten, was wir alles wissen. In einem Unternehmen mit mehr als 9.300 Mitarbeitenden und einem Team an verschiedenen Standorten kann Wissen nicht jedem im gleichen Maße bewusst sein. Gleichzeitig sind Konsistenz und Verlässlichkeit essenziell in der Unternehmenskommunikation. Hier dient Copilot als Fährtenleser: Wen kann ich wozu befragen? So trägt er dazu bei, dass wir einheitlich und mit fundiertem Wissen kommunizieren.
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Im Bereich Media Relations stößt KI aber klar an Grenzen. Der Begriff „Relations“ steht nicht zufällig in der Jobbezeichnung. Medienarbeit ist Beziehungsarbeit. Vertrauen, Glaubwürdigkeit und ein nachhaltiger Austausch lassen sich nicht automatisieren. All das entsteht durch persönliche Kontakte, Verlässlichkeit, echtes Interesse und Authentizität. Journalistinnen und Journalisten erwarten keine perfekt generierten Texte, sondern kompetente Ansprechpartner, die einordnen können und auch in kritischen Situationen ansprechbar sind.
KI kann also unterstützen. Und sicher: Kurz- bis mittelfristig wird „Copi“ nicht ausschließlich als persönlicher Assistent dienen, sondern echte effizienzsteigernde und arbeitserleichternde Prozesse abbilden. Wenn es so weit ist, dürfen wir uns dann verstärkt auf die Kernaufgabe unseres Berufs konzentrieren: den menschlichen Austausch.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Medien. Das Heft können Sie hier bestellen.