Künstliche Intelligenz ist im Redaktionsalltag angekommen: 70 Prozent der Journalistinnen und Journalisten nutzen KI-Tools für ihre Arbeit, vor allem für Übersetzungen und Transkriptionen. Für Audio-Produktionen oder Community-Management werden die Tools dagegen kaum genutzt. Gleichzeitig sehen viele Medienschaffende die Entwicklung kritisch: Die Mehrheit befürchtet, dass Desinformation durch den Einsatz von KI weiter zunehmen könnte.
Das geht aus dem aktuellen „Medien-Trendmonitor“ des PR-Dienstleisters News Aktuell hervor. Mehr als 1.000 Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben an der Umfrage der dpa-Tochter teilgenommen. Die Fragen wurden bereits im Mai und Juni dieses Jahres gestellt.
Vier von zehn Journalisten lassen KI Texte schreiben
70 Prozent der befragten Medienschaffenden nutzen bereits künstliche Intelligenz im redaktionellen Alltag. Nur ein Drittel (30 Prozent) gibt an, derzeit keinerlei KI-Tools einzusetzen.
Am häufigsten setzen Journalisten KI-Tools für Übersetzungen (76 Prozent) und Transkriptionen (70 Prozent) ein. Aber auch bei der Recherche und Datenanalyse (66 Prozent) sowie bei automatischen Zusammenfassungen und Alerts (64 Prozent) ist KI bereits stark verbreitet. Immerhin 61 Prozent nutzen die Tools intensiv für gemeinsames Ideenbrainstorming.
Für die Texterstellung wird künstliche Intelligenz bisher eher zögerlich herangezogen. 43 Prozent der Befragten sagen, dass sie KI Texte schreiben lassen.
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Noch viel seltener kommt künstliche Intelligenz in kreativen oder publikumsnahen Bereichen zum Einsatz. So geben 90 Prozent an, dass KI-Tools bei Audio-Produktionen und Podcasts weniger stark im Einsatz sind. Und auch Community-Management ist weiterhin fest in menschlicher Hand.
Auch Content-Personalisierung sowie Bild- und Videobearbeitung werden noch nicht den neuen Tools überlassen. Dasselbe gilt für den KI-Einsatz bei Datenvisualisierungen und Infografiken: Hier geben 75 Prozent der Befragten an, dass KI weiterhin weniger stark eingesetzt wird.
Sorge vor Qualitätsverlust
Viele Journalistinnen und Journalisten sehen die Nutzung von KI auch kritisch. Besonders groß ist die Sorge vor einer weiteren Zunahme von Fake News und Desinformation (64 Prozent).
Ebenfalls befürchten viele Befragte, dass KI das kritische Hinterfragen (59 Prozent) und die textliche Qualität (56 Prozent) langfristig beeinträchtigen könnte. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt außerdem den Vertrauensverlust der Leserinnen und Leser sowie Unklarheiten bei Urheberrechten als zentrale Herausforderungen (jeweils 55 Prozent). Auch das Fehlen klarer ethischer Richtlinien für den Einsatz von KI (50 Prozent) und der mögliche Verlust von Kreativität (47 Prozent) werden häufig genannt.
Die meisten Journalisten befürchten durch den Einsatz von KI noch mehr Desinformation. Für eine vergrößerte Darstellung klicken Sie auf die Grafik. © News Aktuell/Quadriga Media Berlin
Weitere genannte Punkte sind eine zunehmende Abhängigkeit von KI-Tools und deren Qualität (43 Prozent) sowie Datenschutz- und Sicherheitsbedenken (42 Prozent). Etwas mehr als ein Drittel befürchtet zudem den Abbau von Arbeitsplätzen (38 Prozent).
Auch mehr Arbeitsverdichtung (18 Prozent), fehlende Weiterbildungen für KI-Systeme (17 Prozent) sowie der Verlust von Sichtbarkeit und Reichweite durch das sich wandelnde Suchverhalten (16 Prozent) zählen laut den Befragten zu den künftig zu erwartenden Herausforderungen. Hohe Kosten und zu wenige Ressourcen für die Einführung von KI (7 Prozent) sind dagegen weniger ausschlaggebend.
PR-Schaffenden empfehlen die Studienautoren, KI-taugliche Inhalte zu liefern, das heißt, solche Inhalte, die von KI-Systemen verarbeitet werden können. Dazu zählen den Autoren zufolge klar strukturierte Texte sowie eindeutige Botschaften mit einem Fazit am Ende des Textes. Auch Hintergrundinformationen beispielsweise in Form von Infografiken sowie ein transparenter Umgang mit KI-generierten Inhalten seien für die Medienschaffenden hilfreich.