Wenn Texten zur Last wird

Künstliche Intelligenz

Da lacht das PR-Herz: Zwei von drei Journalisten stehen auf Material wie Pressekits oder Pressemitteilungen (waren die hier und da nicht schon beerdigt worden?). Angesichts zunehmendem Produktionsdrucks aka Zeitnot sei man gerade angewiesen auf gutes PR-Material, heißt es in einer globalen Studie des Medienanalyse-Hauses Cision.

Ab und an greifen die Kollegen aus den Redaktionen dann aber nicht so gerne zu: wenn KI im Einsatz ist. 53 Prozent lehnen den Einsatz in der PR ab. Sie sehen dadurch eine Flut von Spam und Trash. Überraschenderweise besonders unter amerikanischen Journalisten, wo 39 Prozent KI in der PR gar „stark“ ablehnen.

Der hohe Wert verblüfft schon, da KI in der Produktion von Inhalten allerorten gang und gäbe ist – auch in klassischen Medien-Redaktionen. Es geht ja nicht mehr darum, ob, sondern wie KI eingesetzt wird. Wenn aber zu vieles ungefiltert und unredigiert an Redaktionen rausgeht, kommen solche Werte zustande. Der No-Brainer Vier-Augen-Prinzip gilt eben auch beim KI-Einsatz, und das erste und zweite Auge sollte dabei nicht die KI selber sein.

Nominatives Geblubber gegen die Zeitverdichtung

Dass der KI-Einsatz im Berufsstand der Kommunikatoren bisweilen eigenartige Blüten treibt, bemerkt man schon in der täglichen Korrespondenz. Ist es Zeitverdichtung oder gar Unlust zu schreiben? Jedenfalls sind mittlerweile auch viele E-Mails ganz offensichtlich mit KI verfasst und strotzen nur so vor nominativem Geblubber. „Wenn sich das Zeitfenster öffnet, sollten wir asap Sichtbarkeit zeigen, was eine inhaltliche Unterfütterung unserer strategischen Klammer bedeuten würde.“ In dieser Art verunstaltet KI E-Mails und manifestiert Unworte im täglichen Sprachgebrauch. Gäbe es eine problemlos anwendbare Sprach-KI, würden auch Telefonate (wenn überhaupt) via KI-Assistenten geführt.

Man fragt sich: Warum ist Kommunikator geworden, wer weder Lust auf Schreiben noch auf Sprechen hat? Wem jede Beschäftigung mit Formulierungen offenbar ein mühsamer Zeitraub ist? Und sind Journalisten gar die Instanz, die die totale KI-Eskalation stoppen?

Bleibt wachsam, Kollegen.


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