Der Streaming-Markt in Deutschland zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums stagniert der Nutzerzuwachs weitgehend – das belegt die aktuelle Ausgabe der Bewegtbildstudie „Screens in Motion“, die „TV Spielfilm Plus“ aus dem Burda Verlag gemeinsam mit Yougov im März erhoben hat.
Laut der Online-Befragung unter 2.000 Personen nutzen derzeit 61 Prozent der Befragten mindestens einmal im Monat ein kostenpflichtiges Streaming-Abo – lediglich zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Deutlich dynamischer zeigt sich die Altersgruppe der über Fünfzigjährigen, deren Anteil unter den Streaming-Nutzern um vier Prozentpunkte auf 49 Prozent stieg.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt das klassische Fernsehen mit 68 Prozent monatlicher Nutzung das am weitesten verbreitete Bewegtbildangebot. Gleichzeitig verliert das lineare TV weiter an Sehdauer: In der Altersgruppe 50+ sank die tägliche Nutzungszeit seit 2024 um elf Minuten auf rund zwei Stunden. Insgesamt ist die TV-Sehdauer seit 2019 um 40 Minuten gesunken.
Wunsch nach Plattform-Verschmelzung
Ein zentrales Ergebnis der Studie: 57 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Streaming-Angebote das klassische Fernsehen künftig vollständig ablösen werden. Besonders auffällig: 54 Prozent wünschen sich eine einheitliche Plattform, auf der sowohl TV- als auch Streaming-Inhalte verfügbar sind – unter den Streaming-Abonnenten liegt dieser Anteil sogar bei 62 Prozent.
Mit der Öffnung für Werbung und der teilweise über Wochen gestreckten Ausstrahlung neuer Serienfolgen agieren viele Streaming-Plattformen inzwischen wie klassische Fernsehsender. Auf diesen Umstand weist Marion Sperlich, Head of Research Market Media Insight beim Burda Verlag und Studienverantwortliche, hin. „Damit bröckelt die Argumentation für ein teures Streaming-Abo.“
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Werbung bringt kaum neue Nutzer
Die Einführung vergünstigter, werbefinanzierter Abomodelle bei den führenden Plattformen bleibt bislang wirkungslos. Während Netflix und Prime Video bei jeweils 45 Prozent monatlicher Nutzung stagnieren, bleibt Disney+ bei 23 Prozent. Besonders bei Prime Video sorgt die Umstellung auf ein werbefinanziertes Standard-Modell für Kritik – Klagen von Verbraucherzentralen und Unmut in der Nutzerschaft inklusive. Dennoch greifen 91 Prozent der Abonnenten derzeit auf dieses Modell zurück.
Die Wechselbereitschaft unter Streaming-Nutzern bleibt hoch. 45 Prozent kündigen ein Abo, sobald sie es nicht mehr aktiv nutzen, 44 Prozent betreiben aktives Abo-Hopping. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bleibt der wichtigste Kündigungsgrund. Entscheidend für Neuabschlüsse ist weiterhin exklusiver und vielfältiger Content.
Verändertes Nutzungsverhalten in Social Media und Mediatheken
Erstmals beobachtet die Studie eine Verschiebung in den Zielgruppen klassischer Mediatheken und sozialer Plattformen: Beide verlieren bei jungen Nutzern, gewinnen aber bei den über Fünfzigjährigen. Private Mediatheken verzeichnen in dieser Altersgruppe ein Plus von sechs Prozentpunkten, soziale Netzwerke von vier.
Über die Studie
„Screens in Motion“ ist eine Langzeitstudie des Programmzeitschriften-Angebots „TV Spielfilm Plus“ aus dem Burda Verlag. Die aktuelle Ausgabe basiert auf einer Online-Befragung von 2.000 Personen ab 14 Jahren, durchgeführt von Yougov im März dieses Jahres. Die Studie, die seit 2018 jährlich die Entwicklungen im Bewegtbildmarkt beleuchtet, ist repräsentativ für die deutsche Online-Bevölkerung.