Macht einfach gute PR-Arbeit!

Gastkommentar

Ich habe längst aufgehört, all die belanglosen E-Mails zu zählen und zu lesen, die ich als Journalist täglich erhalte. Tatsächlich wandert ein Großteil direkt weiter in den Spam-Ordner. Sobald die eigene E-Mail-Adresse bei irgendwelchen Datenanbietern landet, erhält man den allergrößten Quatsch. Ein Beispiel? „Tokyo renforce sa résilience climatique grâce à l’IA et à l’action citoyenne“ lautet die Überschrift einer E-Mail, die mich am Freitag erreicht hat. Ich spreche kein Französisch und berichte auch nicht über Japan.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass Dirk Bennighoff von fischerAppelt die E-Mail-Flut in seiner neuesten Kolumne thematisiert. Es ist der PR-Welt also bekannt, womit man als Journalist so zugemüllt wird. Nur bei seinen Lösungsvorschlägen kann ich nicht mitgehen. Journalisten seien teilweise selbst schuld, schreibt er. Die Redaktion solle halt die Telefonnummer rausrücken. Dann müssten PRler weniger E-Mails schreiben.

Ich bin heilfroh, dass nicht jeder Kommunikator meine Handynummer hat. Denn dann würde sich der E-Mail-Terror auch noch auf mein Telefon ausdehnen. Eine E-Mail kann ich ignorieren. Ich kann entscheiden, sie später zu lesen, und ob ich darauf antworten möchte. Habe ich einen Anruf erst einmal angenommen, geht all das so ohne weiteres nicht. Dann dringt der Pitch, den ich per E-Mail schon uninteressant fand, auch noch an mein Ohr und kostet mich weitere Minuten.


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Natürlich sind nicht alle E-Mails so schrottig wie jene über Tokio. Ich erhalte zahlreiche Pitches, Markteinschätzungen und Expertenvorschläge, die durchaus Sinn ergeben können. Holen mich Überschrift und die ersten beiden Sätze ab, lese ich die Vorschläge auch zu Ende. Manche E-Mails landen dann dennoch im Müll. Es passt halt nicht immer alles. Mal habe ich über das Thema gerade erst geschrieben. Mal habe ich bereits einen besseren Experten zur Hand und mal ist der Pitch zu oberflächlich. Andere E-Mails landen in meinem digitalen Recherche-Stapel („Könnte man mal angehen“). Bei wieder anderen melde ich mich zurück, weil mich das Thema interessiert.

Was ich aber nicht mache, weil mir dafür schlicht die Zeit fehlt: Auf jede E-Mail zu reagieren. Wer mehrmals (schriftlich!) nachfasst, bekommt von mir eventuell die kurze Antwort, dass es gerade nicht passt. Das war’s. Würden nun all die PRler telefonisch nachfassen, weil sie nichts von mir hören, könnte ich mein Handy wohl nicht mehr zum Arbeiten gebrauchen.

Ich hätte da einen anderen Vorschlag an die PR-Welt: Beschäftigt euch doch mal intensiver mit den Journalisten, denen ihr einen Pitch schickt. Worüber schreibt der Journalist? Für welches Medium macht er das? Und: Hat er dazu womöglich gerade erst einen Artikel veröffentlicht? Wer das herausgefunden hat, der schickt vielleicht einen Pitch gar nicht erst ab, weil er eh nicht passt. Und spart sich dann erst recht das Nachfassen.

Zum Abschluss noch eine Anekdote. Ich habe eine Zeit lang intensiv über die deutsche Start-up-Landschaft berichtet. Eine PR-Agentur, die viele Start-ups betreute, meldete sich für Pitches grundsätzlich via Telefon. Offenbar hatte dann noch der eine Mitarbeiter meine Nummer an seine Kollegen weitergegeben. Ich habe das Spiel vielleicht zwei Wochen mitgemacht. Dann speicherte ich all die Nummern ab: Agentur-Anrufer-1, Agentur-Anrufer-2, Agentur-Anrufer-3. Und so weiter. Erst so habe ich wieder die Hoheit über mein Handy gewonnen und konnte die Anrufe ignorieren. Eine Wohltat.

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