Gehört, geehrt, gefeiert: Die Marke Ronzheimer

Kolumne

Das an Meilensteinen nicht arme Jahr von Paul Ronzheimer wurde diese Woche um eine besondere Wegmarke bereichert: Der Journalist trat in die Fußstapfen von Muhammad Ali, Bill Gates und Kevin Costner. Die hatten in früheren Jahren den Bambi gewonnen, jenen Fernseh- und Medienpreis von Burda, den man gemeinhin mit Film-Größen und anderen Mega-Promis verbindet.

Jetzt durfte Ronzheimer am Donnerstagabend das goldene Rehkitz entgegennehmen. Dabei war schon die Nominierung an sich ein Beleg dafür, dass der Kriegsreporter, Podcaster, Autor einer Sebastian-Kurz-Biografie, TV-Journalist und – ach ja – „Bild“-Vize momentan so etwas wie der Über-Journalist des Landes ist. Wenn wir über Personenmarken in den Medien sprechen, ist Ronzheimer die Nummer eins. Die Frage ist nur, ob das überhaupt noch auf die Marke seines Arbeitgebers Axel Springer und „Bild“ einzahlt.

Vorab ein paar Zeilen Huldigung: Paul Ronzheimer wird zu Recht gehört, geehrt und gefeiert. Er ist im besten Sinne neugierig, wie es ein Journalist sein sollte. Er ist offen und tritt seinen Gesprächspartnern unvoreingenommen gegenüber. Er hat ein riesiges Netzwerk und ein ebensolches Arbeitspensum. Er lässt sein Team am Erfolg teilhaben. Er ist ein Mensch, der selbst im größten Kriegs-Stress auf Whatsapp oder E-Mails antwortet. Und wenn er sagt, dass er die Kommentare unter seinem gleichnamigen Podcast lese, dann glaubt man ihm das auch. Jugendsünden wie die Geschichte mit den Drachmen in Athen hat er längst abgeschüttelt. Selbst Menschen, die es bei „Bild“-Leuten sonst eher mit Max Goldt halten, kommen nicht umhin, Ronzheimer irgendwie gut zu finden.

Da wird selbst „Bild“ winzig

Fast könnte man meinen, dass Ronzheimer die Kritiker nicht nur mit sich, sondern auch mit „Bild“ versöhnt. Hier hat sich ein Mann frei gemacht von der Marke seines Arbeitgebers. Galt Ronzheimer lange als der „Good Guy“ von „Bild“, so gilt er mittlerweile ganz einfach als „Ronzheimer“. „Bild“, die über Jahrzehnte noch alles und jeden platt gemacht hat, wirkt im Vergleich mit seinem Starjournalisten geradezu winzig. Sein Erfolgspodcast kommt komplett ohne „Bild“ aus: kein Logo und keine Erwähnung im Teaser. Ronzheimer grüßt lediglich als „Journalist und Kriegsreporter“, während eine andere Personenmarke aus dem Springer-Universum, Polit-Talker Robin Alexander, stets überzeugt betont, er sei „von ‚Welt‘“.


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Natürlich münzt „Bild“ Ronzheimers fast tägliche Podcast-Gespräche in News um. Ronzheimer berichtet und kommentiert weiterhin für Blatt und Website, aber – ob gewollt oder nicht: Es macht mittlerweile eher den Anschein, als seien das weitere Abspielplattformen der Marke Ronzheimer und nicht, als sei beispielsweise der Podcast Ronzheimer ein Kanal der Marke „Bild“. Das passt aber zu der Entwicklung bei Axel Springer, schließlich will CEO Mathias Döpfner sein Unternehmen auch zu einer Plattform für Content Creator machen.

Auf dem Weg zum Super-Influencer

Sein bester Mann erfüllt bereits das, was Döpfner als wegweisend für die Zukunft der Medien ansieht. Zitat aus dem OMR-Podcast mit ihm: „Quellen, denen man vertrauen kann, können Medienmarken sein. Es werden aber noch stärker einzelne Persönlichkeiten sein… Jeder Youtuber, jeder Podcaster kann ein Medienmogul der Zukunft sein.“

In gleichem Maße, wie die Menschen draußen den klassischen Medien misstrauen, vertrauen sie immer stärker einzelnen Protagonisten. Am Rande des Meinungsspektrums trifft das auch auf Ronzheimers Ex-Chef Julian Reichelt zu, ohne den die Krawall-Marke „Nius“ wohl bedeutungslos wäre. Ein ähnliches Eigenleben wie Ronzheimer führt bei Springer trotz des „Welt“-Verweises der erfolgreiche Bestseller-Autor Robin Alexander.

Die Genannten sind auf dem Weg zu „Super-Influencern“, wie der Medienexperte Thomas Knüwer eine neue Spezies von journalistisch gefärbten Einzelkämpfern außerhalb der Medien-Betriebe nennt. Diese müssen sich Strategien überlegen, wie sie den Starkult betriebswirtschaftlich nutzen und welche Vermarktungswege sie mit ihren Topleuten noch gehen können – außer Podcasts und hier und da Live-Auftritten.

Das Problem: Die Personenmarken entwickeln eigene Vermarktungsvorstellungen. Je erfolgreicher, desto größer das Bestreben nach Unabhängigkeit. Springer bekommt das gerade in den USA zu spüren, wo mit Katie Gatti Tassin eine extrem wichtige Personenmarke abhandengekommen ist. Unter dem Gesichtspunkt kann Mathias Döpfner eigentlich nicht gerade froh sein, dass Ronzheimer auch noch den Bambi gewonnen hat, der vor allem auf seine eigene Personenmarke einzahlt.

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