Autorisierung – nötig oder nervig? Bitte kein glatt gehobelter PR-Sprech

Wer gegen Spielregeln verstößt, muss leiden, findet DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

„Lang, lang ist’s her, dass die „taz“ ein bis zur Unleserlichkeit autorisiertes Interview mit dem damaligen SPD-Generalsekretär Olaf Scholz ins Blatt gehoben hat. Die Veröffentlichung löste eine heftige Debatte über Sinn und Unsinn der Interview-Autorisierungen aus. Scholz war blamiert, andere redaktionswütige Spitzenpolitiker auch – geändert hat sich seitdem wenig. Warum auch, sehen doch die deutschen Gesetze ein Recht am eigenen Wort vor? Was das mit der journalistischen Gattung des Interviews macht, wie lesbar der glatt gehobelte PR-Sprech ist, scheint nur Medienwissenschaftler umzutreiben. Für Politiker, Dax-Vorstände und Entertainment-Promis zählt nicht die Aussage, sondern ihre Wirkung auf Leser und Zuschauer.

Interviewfestigkeit gehört in den angelsächsischen Ländern zu den Voraussetzungen einer Politiker- oder Managerkarriere. Wer dort in den Medien gut rüberkommen will, muss druckreif sprechen können. Für deutsche Journalisten sind das paradiesische Zustände, von denen sie nur träumen können.

Um trotzdem im Redaktionsalltag zu bestehen, sollten sie bereits bei der Terminabsprache mit ihren Interviewpartnern Konsens über die Spielregeln herstellen. So ist die Frage, ob das Interview autorisiert werden muss, im Vorhinein zu klären. Und auch über den Umfang der Autorisierungen lässt sich Einvernehmen herstellen.

Wenn der Interviewpartner gegen die Spielregeln verstößt, sollte Journalist auf das Interview verzichten. Dann hat er zwar unnötige Arbeitszeit investiert, aber vielleicht die Grundlage für ein erfolgreiches zweites Mal gelegt. Denn auch Prominente sind lernfähig – vor allem dann, wenn es weh tut.“

 

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