Acht unliebsame PR-Pflichten

Schwarzbrot-Faktor

(c) Getty Images/artisteer

1. „Kannste mal kurz …?“

Fragen, die mit diesen Worten beginnen, nehmen kein gutes Ende. Das ist quasi ein Naturgesetz. Ein möglicher Fortsatz: „… ein Vorwort für unsere Imagebroschüre schreiben?“ Warum es eine recht freudlose Tätigkeit ist, Phrasen, mit denen auch wirklich jeder im Unternehmen leben können muss (siehe auch „4. Abstimmungsschleifen“), nach dem Prinzip der Formfleischherstellung in ein großes Ganzes zu pressen, muss nicht näher erläutert werden. Manchmal endet der Fragesatz auch auf „… eine schicke PP-Präse zur neuen CI erstellen?“ oder: „… mal schauen, ob der Text vom Vorstand verständlich ist?“ (Spoiler: Ist er nicht.) Wenn jemand zu solchen Fragen ansetzt, sollte man unbedingt einen Hörsturz imitieren, bevor ihre zweite Hälfte verbalisiert werden konnte. (ahü)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

 

 

 

(c) Getty Images/eternalcreative

2. Zeiterfassung

Es ist ein rotes Tuch für jeden, der in einer Agentur arbeitet: Tools zur Zeiterfassung. Mitarbeiter sollen hier jede Stunde, die sie „auf einem Projekt arbeiten“, eintragen – mit Jobnummer, Projekt und Beschreibung der Tätigkeit. Zeiterfassung ist eine Zeitfressmaschine. Die meisten kommen erst am Ende der Arbeitswoche dazu, ihre Stunden nachzutragen. Das macht es alles andere als besser, verwendet man doch meist noch mehr Zeit darauf, sich den Kopf über die abgelaufene Woche zu zermartern. Unnötiger Stress, definitiv. (hat)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

(c) Getty Images/TShum

3. Agenturbriefing

Warum sehen die Mitarbeiter der Agentur Oberfancy alle so aus, als seien sie der Instagram-Zauberkugel entschlüpft?! Zweifelhaft, ob die unsere Message verstehen, geschweige denn auch nur einigermaßen seriös transportieren können. Okay, jetzt zum Mitschreiben: Natürlich wollen wir ran an die junge Zielgruppe. Aber Influencer ins Rennen schicken, um für unser Assetmanagement zu werben? Oh je. Von wegen Unterstützung, diese Berater rauben doch nur weitere Zeit kurz vor Kampagnenstart. Lassen die sich irgendwie einfangen? Wäre ich jetzt doch nur am Schreibtisch statt in diesem quietschbunten Konferenzraumfegefeuer … (ahü)

SCHWARZBROTFAKTOR: 

(c) Getty Images/FactoryTh

4. Abstimmungsschleifen

Abstimmen an sich ist ja prima. Wer ist dafür? Arme hoch! Wer dagegen? Alles klar. Danke. Es lebe die Demokratie! Abstimmen kann aber auch sehr lästig sein – nämlich dann, wenn es um Abstimmungsschleifen geht. Im Gegensatz zu Geschenken machen diese Schleifen die Sache nicht schöner. Als Faustformel gilt: Je größer ein Unternehmen, desto mehr interne Abstimmungsprozesse, desto mehr mitquatschende Kollegen, ergo: desto mehr Aufwand für die Unternehmenskommunikation. Sie denken, Sie hätten eine sprachlich wohlklingende, optimale Pressemitteilung verfasst? Vergessen Sie’s! Nach der Abstimmungsschleife ist nichts mehr, wie es war. (jhu)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

(c) Getty Image/jakkapan21

5. Intranet-Kommunikation

Die neuen Mitarbeiter vorstellen, das Geschäftsführungsselfie posten, die künftige Kollaborationssoftware ankündigen … Seien wir ehrlich: Das Intranet ist ein Sammelbecken ungewollter Informationen. Es mit handverlesenen Perlen zu bestücken („DRINGEND: Der Nikolaus für die Kinderweihnachtsfeier ist unpässlich. Wer hat einen falschen Rauschebart und kann einspringen?“), ist nicht immer ein dankbarer Job. Aber es ist wichtig, über Unternehmensnews auf dem Laufenden zu halten, und auch beim Tagesschau-Gucken setzt ja niemand Endorphine frei. Nervig nur, dass die lieben Kollegen immer wieder Dinge fragen, die dort bereits mühevoll erklärt wurden. Das ist nicht die Gala, sondern Pflichtlektüre, Leute! (ahü)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

(c) Getty Images/MissTuni

6. E-Mails aus dem Vorstandsbüro

18.59 Uhr, für heute reicht’s, endlich mal pünktlich raus aus der Komm-Galeere. Rasch noch alle Fenster auf dem Bildschirm schließen, danach den PC herunterfahren – und ab in den Feierabend! Doch was ist das? Outlook zeigt den Eingang einer neuen Nachricht an. Mist. Wer kann das sein um diese Zeit? Kurzer Klick, langes Gesicht. Die Leiterin des Vorstandsbüros schreibt: „DRINGEND! Der CEO braucht für eine Veranstaltung morgen eine Präsentation zum Thema ‚Digitalisierungsstrategie in der Papierindustrie am Beispiel praxisorientierter Laubsägearbeiten‘. Könnt ihr in der UK dazu bitte asap was zusammenzimmern? Ihr habt doch sicher was auf Halde. PS: Auf Englisch, bitte!“ (jhu)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

(c) Getty Images/LightFieldStudios

7. Nachfassen

Die Pressemitteilung ist nun schon ganz schön lange draußen im Informationsorbit. Noch mal lesen. Klingt perfekt! Wahnsinn, unsere neueste Errungenschaft, raffinierter hätte ich sie rhetorisch kaum inszenieren können. Nur: Warum beißt kein Journalist an? Dann eben noch ein konkreter Vorschlag an den Meier von dieser Wochenzeitung, wie man das Thema aufbereiten könnte … Mist, immer noch keine Reaktion. Die Mails sind wohl untergegangen. Nützt ja nichts, Hörer in die Hand. „Kurz vor Druckschluss? Keine Zeit?“ Der soll mal nicht so genervt tun, das war keine Bittstellerei, sondern ein ziemlich gutes Angebot. Pech gehabt, weiter im Text. Die Liste mit den 46 anderen Durchwahlen liegt schon bereit. (ahü)

SCHWARZBROTFAKTOR:

 

(c) Getty Images/Anthony Sejourne

8. DSGVO

„Entschuldigen Sie, Sie sind doch Pressesprecher. Kennen Sie einen guten Berater für Fragen zur Datenschutz-Grundverordnung?“

„Ja.“

„Super. Können Sie mir seine Mail-Adresse geben?“

„Nein.“

DSGVO – fünf Buchstaben, Hunderte Fragen, Tausende genervte Kommunikatoren. Durften wir die Fotos von den putzigen Kitakindern neulich am Tag der offenen Tür auf unserer Firmenhomepage veröffentlichen? Waren Cookies nicht früher Schokokekse statt Probleme? Wo hat eigentlich unser Datenschutzbeauftragter sein Büro? Und warum, herrje, gilt das „Recht auf Vergessenwerden“ (Art. 17) nicht auch für alle Aufgaben rund um die DSGVO? (jhu)

SCHWARZBROTFAKTOR: 

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe SPASS. Das Heft können Sie hier bestellen.