Frauen nutzen KI deutlich seltener als Männer

„Gender AI Gap“

Frauen nutzen künstliche Intelligenz im Beruf deutlich seltener als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, und der Initiative D21. Gemeinsam werteten sie bevölkerungsrepräsentative Daten einer Erhebung aus dem Jahr 2024 neu aus. Demnach gibt es einen signifikanten Unterschied in der KI-Nutzung zwischen Frauen und Männern. Der sogenannte Gender AI Gap beträgt 16 Prozentpunkte. Nach Berücksichtigung von Alter, Bildung, Einkommen, beruflicher Position sowie Einstellungen und Kompetenzen bleibt ein Gap von 8 Prozentpunkten bestehen.

Überrascht hat die Analystinnen das Ergebnis bei den jüngeren Beschäftigten. So nutzt in der Generation Z (Jahrgänge 1996 bis 2010) jeder zweite Mann KI intensiv, bei den gleichaltrigen Frauen weniger als jede dritte – ein Abstand von fast 20 Prozentpunkten. Entgegen der Annahme, dass die Generation Z KI selbstverständlich adaptiere, zeigt sich hier eine deutliche Lücke.

Wer regelmäßig KI einsetzt, arbeitet effizienter, hat mehr Spielraum und bessere Karrierechancen. „Es ist deshalb eine zentrale Gleichstellungsfrage unserer Zeit, ob Frauen an dieser Dynamik gleichberechtigt teilhaben“, schreiben die Studienautorinnen in einer Mitteilung.

Bereitstellung von Technik reicht nicht aus

In Unternehmen, die KI aktiv einsetzen, digitale Anwendungen erproben und entsprechende Weiterbildungsangebote bereitstellen, nutzen Beschäftigte der Studie zufolge KI deutlich häufiger – sowohl Männer als auch Frauen.

Die Bereitstellung digitaler Geräte und Infrastruktur allein bringt Frauen aber nicht weiter. Zwar erhöhen laut Studie digitale Anforderungen im Job die KI-Nutzung insgesamt. Sie schließen den Gap aber nicht. Oft profitierten Männer sogar stärker von solchen Bedingungen. Denn die Ursachen des Gaps liegen den Forscherinnen zufolge in strukturellen Rahmenbedingungen.


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Dabei greifen drei Mechanismen ineinander. Erstens ein fehlender Anwendungsbezug: Wer nicht sehe, wozu KI im Job gut sein soll, probiere sie nicht aus. Zweitens stille (Selbst-)Zuschreibungen: Häufig würden Männer als technikaffin gelten und Teil von Pilotprojekten sein, sie probierten KI früher aus und bauten so einen Vorsprung auf. Und drittens begünstige soziales Lernen Männer: Der Wissenstransfer über Kollegen oder private Netzwerke komme vor allem ihnen zugute. Unternehmen, die allein auf Eigeninitiative und Peer Learning setzen, würden bestehende Ungleichheiten reproduzieren, warnen die Studienautorinnen.

Strukturierte Weiterbildung

Zwar würden Frauen stärker als Männer von selbst initiiertem Wissenserwerb profitieren: Laut Studie steigt deren KI-Nutzung um 15 Prozentpunkte, wenn sie sich Kompetenzen selbst aneignen; bei Männern sind es 8 Prozentpunkte. Doch weil Frauen öfter mit Sorgearbeit beschäftigt seien, würden sie weniger Zeit und mentale Kapazität dafür aufbringen können.

Die Autorinnen plädieren deshalb für eine strukturierte Weiterbildung in Unternehmen. Der Effekt solcher arbeitgeberfinanzierten Maßnahmen ist groß: Werden Mitarbeitenden regelmäßige Schulungen angeboten, reduziert dies den Gender AI Gap für die intensive KI-Nutzung auf nur noch einen Prozentpunkt. Wichtig sei aber, dass sie kein gelegentliches Zusatzangebot sind.

Über die Studie

Die Studie „Digital Gender Gap – Schwerpunkt 2026: Künstliche Intelligenz“ untersuchte erstmals den sogenannten Gender AI Gap zwischen Männern und Frauen in Deutschland. Die Ergebnisse der Studie beruhen auf einer Analysestichprobe von 4.806 Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 14 und 69 Jahren. Grundlage sind bevölkerungsrepräsentative Daten des D21-Digital-Index aus dem Juli 2024. 

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