Seit dem Ende der Steinkohleförderung ist K+S eines der wenigen verbliebenen Bergbauunternehmen in Deutschland mit einer Unter-Tage-Förderung. Auch wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher mit den Produkten wie Speise- und Auftausalz regelmäßig in Kontakt kommen, ist es der Monte Kali an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen, der das Unternehmen weithin sichtbar macht. Die gigantische weiß-gelbliche Salz-Aufschüttung, die eine Höhe von etwa 500 Meter über Normalnull erreicht, ist von der Autobahn A7 aus gut zu sehen. Die Stadt Heringen bewirbt den künstlichen Berg sogar als einen der „besten Aussichtspunkte in Nordhessen und Südthüringen“.
K+S betreibt in der Region das Werk Werra und damit seinen größten Kali-Standort mit einer jährlichen Förderung von etwa 20 Millionen Tonnen Rohsalz. Den Monte Kali gibt es, weil bei der Gewinnung von Kalidüngemitteln große Mengen nicht verwertbarer Steinsalze entstehen, die dann auf einer Halde gelagert werden. Die Abspaltung ist energieintensiv. Es entstehen salzhaltige Abwässer. Die auf dem Berg aufgeschüttete Salzmenge sieht zwar faszinierend aus, stellt aber einen Eingriff in die Natur dar. Bürgerinitiativen und Umweltgruppen kritisieren K+S dafür und gehen immer wieder rechtlich gegen das Unternehmen vor.
Zu erklären, welche Bedeutung die Salz- und Kali-Gewinnung für die Wirtschaft und Gesellschaft hat, ist die größte kommunikative Aufgabe der Unternehmenskommunikation von K+S.
Kali wird für die Düngung in der Landwirtschaft benötigt. Salz landet nicht nur im Essen, sondern auch in einer Reihe von Industrieprodukten. Die Anwendungen reichen von der Chemie-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie bis hin zum Auftausalz für den Streudienst. „Überall drin“ lautet eine der Botschaften des Unternehmens. Die Akzeptanzkommunikation – zu vermitteln, warum bestimmte Prozesse notwendig und Folgen für die Umwelt unvermeidbar sind – ist Teil der Kommunikationsarbeit.
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine Anfang 2022 ist ein Begriff in den Mittelpunkt gerückt, der vorher lange so gut wie keine Rolle spielte: Rohstoffsouveränität.
Die Bundesregierung und die EU-Kommission wollen Europa von Rohstoffen und Produkten aus ausländischen Märkten unabhängiger machen. Das gilt für Halbleiter und Medikamente, Seltene Erden, aber auch für Kali und Salz. Wichtige Wettbewerber von K+S kommen aus Russland und Belarus. Bei diesen Ländern stellt sich nicht nur die moralische Frage, inwieweit man mit ihnen noch Handel treibt. Es geht auch darum, zu schauen, unter welchen Bedingungen die Förderung abläuft. Die Umweltstandards in Deutschland gelten als die höchsten der Welt, sorgen aber für langwierige Genehmigungsprozesse und viel Bürokratie. Kommunikativ ergibt sich für K+S aus dem politischen Umfeld eine Chance: zu betonen, dass Salz- und Kali-Gewinnung im eigenen Land aus wirtschaftlicher Sicht wünschenswert ist.
Dialog herstellen
„Dass Bergbau Einfluss auf die Umwelt nimmt, lässt sich leider nicht vollständig vermeiden. Dafür werden wir häufig kritisiert. Wir hatten lange den Eindruck, schwer vermitteln zu können, warum es notwendig ist, was wir tun“, sagt Ole Richert, seit Juni 2025 Leiter Corporate Communications, Real Estate & Facility Management bei K+S. Das Unternehmen hat sich deshalb dazu entschieden, stärker in den Dialog mit der Gesellschaft zu gehen und die eigene Position darzulegen. Das war nicht immer so. Lange hat das Unternehmen eher defensiv kommuniziert.
Die Folgen der Rohstoffgewinnung sind konkret und regional sichtbar. „Die Kritik entzündet sich im Endeffekt am Thema Wasser – vor allem an der Einleitung von Produktions- und Haldenwässern in Flüsse sowie an der Aufhaldung von festen Rückständen“, erklärt Richert. Das Unternehmen setzt auf Transparenz und darauf, zu erklären, was es unternimmt, um die Auswirkungen auf die Natur möglichst gering zu halten.

Der Monte Kali nahe der hessisch-thüringischen Grenze ist eine riesige Salzhalde. Zu Kritik führen vor allem die salzhaltigen Abwässer von K+S. © K+S
Die Abwässer seien deutlich reduziert worden. Außerdem arbeite das Unternehmen an Verfahren, um die Mengen weiter zu reduzieren. Am Ende geht es um Akzeptanz: Schätzt die Öffentlichkeit die Produkte von K+S und das Unternehmen als so wichtig ein, dass sie bereit ist, auch negative Effekte zu akzeptieren?
Die Frage der Versorgungssicherheit könnte die Akzeptanz erhöhen. K+S spielt das Thema inzwischen aktiv in seiner Kommunikation. Anfang Oktober 2025 erschien beispielsweise ein Interview mit CEO Christian Meyer in der „FAZ“. Headline: „Sonst entscheidet Putin, ob wir satt werden.“ Es thematisiert, welche Konsequenzen es beispielsweise für die Ernährung in Deutschland hätte, wenn es ein Unternehmen wie K+S nicht gäbe. Auch das schwingt in dem Interview mit: Die EU und der Rest der Welt würden Kalium und andere Salze dann in Ländern wie Russland einkaufen.
Arbeiten unter Tage
K+S hat darüber hinaus eine positive Geschichte zu erzählen: die des Bergbaus. Das Unternehmen arbeitet daran, das Besondere dieser Industrie und der Welt unter Tage zu vermitteln. „Wir wollen mehr Einblicke in die Unverzichtbarkeit unserer Produkte geben und den menschlichen Teil von K+S zeigen. Dass wir nicht ein anonymer Konzern sind, sondern dass hier Menschen arbeiten, die ihrem Job mit viel Leidenschaft nachgehen“, sagt Kommunikationschef Richert.
Ein Salz-Standort von K+S liegt in Bernburg in Sachsen-Anhalt, knapp 30 Minuten von Dessau entfernt. Etwa 530 Menschen arbeiten hier in drei Schichten. Ende November reihen sich vor dem Zufahrtstor die Lkw auf. Ein Großteil der in Bernburg gewonnenen Salze wird als Auftausalz vertrieben. Angesichts der für Ende November in Nord-, Mittel- und Osteuropa niedrigen Temperaturen mit Minusgraden ist die Nachfrage hoch. Kalte Winter sind gut für das Geschäft.
In Bernburg geht es mit dem Aufzug unter Tage. „Korb“ sagen Bergleute. Frischluft heißt „Frischwetter“. Natürlich grüßt man mit „Glück auf“. Wer unter die Erde fährt, muss Arbeitskleidung, einen Helm und eine Schutzbrille tragen. Außerdem bekommt jeder einen tragbaren Selbstretter für die Sauerstoffversorgung, falls doch einmal etwas passieren sollte. Dazu gibt es eine Lampe, die man sich um den Hals hängt. Bei 553 Metern stoppt der Korb.
Auf mehr als 20 Quadratkilometern erstreckt sich der Bergbau in Bernburg aktuell. Die Luft ist salzig, was man vor allem in der Nase spürt. Unten fahren Pick-ups. Die Stollen sind teilweise mehrere Kilometer lang. Die Salzgewinnung erfolgt per Sprengung – jeweils zum Schichtende erfolgen die Detonationen. In den Abbaukammern arbeiten riesige Radlader, die in ihren Schaufeln bis zu 20 Tonnen transportieren können. Das Salz wird auf Förderbändern durch die Stollen befördert. Die Weiterverarbeitung erfolgt dann oberirdisch.
Dieses Ambiente ist in Deutschland einmalig, sodass K+S neben Medienanfragen auch Anfragen für erklärende TV-Formate und Filme erhält. Bergbau ist eine traditionelle Industrie, bei der viele noch das Bild im Kopf haben, dass Männer mit Hacke und Schaufel Tunnel graben und Kanarienvögel davor warnen, falls die Sauerstoffversorgung knapp wird. Zu zeigen, dass der Bergbau längst eine moderne Industrie ist, ist eines der Ziele von K+S.
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Neben der Medienarbeit hat das Unternehmen einen weiteren Hebel gefunden, um zu zeigen, was Bergbau bedeutet. K+S hat 2023 mit 15 Mitarbeitern ein Corporate-Influencer-Programm gestartet. Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen geben auf Linkedin Einblicke in ihre Arbeit und liefern Hintergründe. Das Programm wird von Michael Wudonig betreut. Er ist zudem Pressesprecher und Head of Social Media.
K+S arbeitet daran, sowohl die Faszination Bergbau zu vermitteln als auch die Menschen hinter dem Unternehmen zu zeigen. „Für mich ist das Corporate-Influencer-Programm eine neue Stufe der Transparenz. Mitarbeiter bestimmen selbst, was sie kommunizieren. Das ist sehr authentisch und glaubwürdig. Außerdem hilft es uns enorm beim Employer Branding“, sagt Wudonig. Ole Richert geht noch weiter: „Das Corporate-Influencer-Programm ist einer der größten kommunikativen Erfolge der vergangenen Jahre, weil es uns damit gelungen ist, K+S menschlicher und sichtbarer zu machen.“
Das Unternehmen hat mittlerweile 40 Corporate Influencer. K+S will das Programm mittelfristig erweitern und zusätzliche Social-Media-Plattformen bespielen, um neue gesellschaftliche Gruppen zu erreichen. Die Corporate Influencer sind zudem für die interne Kommunikation wichtig. Nicht jeder weiß, wie die Kollegen unter Tage oder in den Standorten arbeiten. Die Mitarbeiter bekommen über die Corporate Influencer zudem Argumente an die Hand, um im täglichen Leben zu erklären, was K+S macht. „Wir fördern Leben für Generationen“, heißt es im Leitbild.
Aufbau der Abteilung
Die Kommunikationsabteilung besteht aus neun Personen. Für einen Konzern mit etwa 3,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und 11.000 Mitarbeitenden ist das eine schlanke Aufstellung.
Für die Media Relations gibt es ein dreiköpfiges Sprecherteam, das sich um unterschiedliche Schwerpunkte kümmert, aber auch regional verschiedene Standorte betreut. In der Abteilung liegt zudem die Verantwortung für Brand und Reputation, wofür die Corporate Influencer eine zentrale Rolle spielen, sowie für die interne Kommunikation. Die Mitarbeiterzeitung „Scoop+“ erscheint digital und dreimal im Jahr als Print-Ausgabe. Pro Woche veröffentlicht das Team zwei neue Artikel. Technische und bergmännische Themen sollen so aufbereitet werden, dass daraus motivierende Geschichten für alle Mitarbeitenden werden.
Events und die Corporate-Kanäle auf Social Media betreut ebenfalls das Team. „Wir haben sehr spät mit Social Media auf Corporate-Ebene angefangen – erst 2019“, erklärt Wudonig. Seitdem hat K+S viel Aufwand in die Digitalisierung seiner Kanäle und die Neupositionierung seiner Marke investiert.
Der Aufbau der Kommunikationsabteilung von K+S. Neun Mitarbeiter gehören zum Team.
Bei K+S sind mehrere tausend Mitarbeitende in der Produktion tätig – teilweise unter Tage, ohne Zugang zu digitalen Kanälen. Sie zu informieren, ist eine Herausforderung. „Wir arbeiten dafür mit einem Bildschirminfosystem – K+S Live. An neuralgischen Punkten am Standort stehen Bildschirme, über die wir die wichtigsten News ausspielen“, erklärt Thorsten Kowalowka, der als Pressesprecher die Standorte Bernburg und Zielitz in Ostdeutschland betreut. Regionale Medienarbeit spielt eine wichtige Rolle. „In der Standortpressearbeit sprechen wir vor allem lokale Medien an, die im Umfeld des Werks tätig sind – zum Beispiel die ‚Volksstimme‘ und die ‚Mitteldeutsche Zeitung‘.“ Je nach Thema kommen auch dpa oder die Sender des MDR dazu. Themen sind unter anderem: Welche Umweltprojekte laufen gerade? Wie entwickelt sich der Standort?
Neben der allgemeinen Öffentlichkeit und den Kunden ist die Politik eine entscheidende Zielgruppe. Die Verantwortung für Public Affairs ist aus der Kommunikation ausgeklammert. Die Mitarbeiter berichten wie die Abteilung Investor Relations direkt an den Vorstandsvorsitzenden. Der Vorstand um den Anfang Juni 2025 gestarteten CEO Christian Meyer will künftig noch stärker erklären, warum K+S für die deutsche Wirtschaft zentral ist.
Hinweis: Der Einleitungssatz lautete anfangs: „Seit dem Ende der Steinkohleförderung ist K+S das letzte deutsche Bergbauunternehmen.“ Das ist nicht korrekt. Es gibt weitere Bergbauunternehmen. Der Satz wurde geändert.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #International. Das Heft können Sie hier bestellen.