Früher war Sichtbarkeit vor allem eine Frage der Reichweite: mehr Medienkontakte, mehr Veröffentlichungen, mehr Präsenz in Suchmaschinen. Doch mit dem Aufstieg generativer KI verändert sich grundlegend, wie Informationen gefunden, bewertet und weiterverwendet werden.
Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude liefern keine klassischen Suchergebnisse mehr. Stattdessen generieren sie Antworten, indem sie Inhalte auswählen, interpretieren und zusammenführen. Für Kommunikationsverantwortliche bedeutet das: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur durch Verbreitung – sondern durch Verständlichkeit und Relevanz für KI-Systeme.
KI bewertet Inhalte anders als klassische Suchmaschinen
Während Suchmaschinen Inhalte nach Rankings sortieren, priorisieren KI-Systeme Informationen, die klar strukturiert, nachvollziehbar und leicht einzuordnen sind. Entscheidend ist nicht nur, ob Inhalte veröffentlicht werden, sondern wie sie aufgebaut sind.
Das hat direkte Auswirkungen auf Unternehmenskommunikation: Inhalte können hohe Reichweiten erzielen und trotzdem in KI-generierten Antworten kaum auftauchen.
Eine aktuelle Analyse von über 200.000 Pressemitteilungen und 200 Millionen KI-Zitationen, die Notified in Zusammenarbeit mit Profound durchgeführt hat, zeigt: Besonders häufig wurden Inhalte ausgewählt, die vier Kriterien erfüllten:
- klar strukturiert
- mit belastbaren Quellen versehen
- aktuell
- leicht interpretierbar
Interessant dabei: Große Marken sind dadurch nicht automatisch im Vorteil. Auch kleinere Unternehmen können in KI-Antworten sichtbar werden, wenn ihre Inhalte diese Anforderungen erfüllen.
Vier Faktoren für bessere KI-Sichtbarkeit
Für Kommunikationsabteilungen lassen sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die wir als SOAR Content FrameworkTM bezeichnen. Besonders relevant sind nämlich vier Prinzipien, die sich über alle Kommunikationsformate hinweg anwenden lassen – von Pressemitteilungen bis hin zu ESG-Reports oder CEO-Statements.
- Struktur
Inhalte sollten logisch aufgebaut und leicht scanbar sein. Klare Headlines, Zwischenüberschriften und eine eindeutige Informationshierarchie helfen nicht nur Menschen, sondern auch KI-Systemen.
- Originalität
Eigene Daten, belastbare Aussagen und konkrete Einordnungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte als relevant eingestuft werden.
- Autorität
Quellen, Sprecher und Unternehmen müssen eindeutig erkennbar und verifizierbar sein. Glaubwürdigkeit wird zu einem zentralen Sichtbarkeitssignal.
- Aktualität (Recency)
Zeitbezug gewinnt an Bedeutung. KI bevorzugt Inhalte, die aktuelle Entwicklungen nachvollziehbar einordnen.
Was das für die Kommunikationsarbeit bedeutet
Die Anforderungen an erfolgreiche Kommunikation erweitern sich. Reichweite bleibt wichtig – aber sie reicht nicht mehr aus. Entscheidend wird, ob Inhalte von KI-Systemen verstanden, eingeordnet und weiterverwendet werden können.
Für PR-Professionals entsteht daraus eine neue Aufgabe: Inhalte nicht nur für Medien und Zielgruppen aufzubereiten, sondern auch für KI-getriebene Informationsumgebungen.
Denn Reputation entsteht künftig nicht mehr allein durch das, was veröffentlicht wird – sondern durch das, was von KI ausgewählt und weitergetragen wird.
Treffen Sie uns auf dem Kommunikationskongress am 17./18. September 2026.