Die eigene Geschichte verstehen – und strategisch nutzen

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Die eigene Geschichte kennen, einordnen und aus ihr lernen: Für viele Unternehmen ist das noch immer eher Kür als strategische Aufgabe. Dabei steckt genau hier großes Potenzial.

Im Interview spricht Dr. Ingo Stader, CEO der Geschichtsagentur H&C Stader, darüber, wie Vergangenheit strategisch nutzbar wird.

Was gibt Unternehmen Orientierung und Stabilität in Zeiten des Wandels?

Unternehmen, die ihre Vergangenheit kennen, können Veränderungen besser einordnen und bewusster gestalten. Sie erkennen Muster, verstehen frühere Wendepunkte und entwickeln ein Gespür dafür, was sie trägt und weiter voranbringt. Das schafft nicht nur Sicherheit in der Kommunikation, sondern auch einen inneren Rückhalt, der Transformation überhaupt erst möglich macht.

H&C Stader ist spezialisiert auf die Aufarbeitung von Unternehmensgeschichten. Warum sprecht ihr auf dem Kommunikationskongress darüber?

Mich beschäftigt seit vielen Jahren die Frage, welche Rolle Geschichte für Unternehmen heute spielt und wie sie konkret nutzbar wird. Seit über zehn Jahren sind wir beim Kommunikationskongress dabei und mindestens genauso lange setze ich mich dafür ein, dass Geschichte als strategisches Kommunikationsinstrument gesehen und genutzt wird.

Wie hebe ich als Unternehmen konkret das Potential aus der eigenen Geschichte?

Die Basis bildet ein gepflegtes Archiv. Es macht relevante Dokumente, Bilder und Medien überhaupt erst nutzbar. Für Hapag-Lloyd haben wir das Unternehmensarchiv modernisiert und zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskommunikation gemacht. Diesen Ansatz verfolgen wir auch bei vielen anderen Unternehmen.

Historische Bücher und Dokumente, darunter ein Notizbuch mit dem Titel "Milwaukee", auf einem Tisch angeordnet.

Einblick ins Archiv von Hapag-Lloyd. Hier wird Geschichte für Kommunikation nutzbar gemacht.
Foto: Christoph Behrmann

Brauche ich als Unternehmen denn überhaupt noch ein Archiv? Übernimmt das nicht alles die KI?

KI bietet große Chancen für Archive – vorausgesetzt, die Daten sind sauber kuratiert und digital verfügbar. Dann lassen sich auch komplexe Entwicklungen mit entsprechenden Prompts schnell auswerten. Mühsames Recherchieren und händisches Heraussuchen fallen weg. Entscheidend bleibt: Die Qualität der Daten bestimmt die Qualität der Ergebnisse.

Was ist der konkrete Mehrwert der eigenen Geschichte – gerade mit Blick auf das Fokusthema „Halt“?

Geschichte kann genau das leisten, was viele Unternehmen heute suchen, nämlich Halt im Sinne von Orientierung und Sicherheit. Der Mehrwert äußert sich auf mehreren Ebenen: in Form von Resilienz, in der Kommunikation nach innen und außen und in der Klarheit über die eigene Identität. In der eigenen Geschichte stecken Erfahrungen im Umgang mit Krisen, Transformationen und Wendepunkten. Diese sichtbar zu machen und strategisch für die Zukunft zu nutzen, schafft Orientierung und wird zu einer echten Ressource.

Was erwartet die Teilnehmer in eurer Expert Session auf dem KoKo 2026?

Wir zeigen am Beispiel der Südzucker Group, wie aus 100 Jahren Unternehmensgeschichte mehr als ein Jubiläum wird. Das Publikum bekommt Einblicke, wie Geschichte zum strategischen Kommunikationsinstrument werden kann, Wandel begleitet und zukunftsgerichtete Kommunikation stärkt.

Kommunikationskongress 2026, Expert Session am 17. September, Track 3: Wirtschaft, 14:25 – 15:10 Uhr

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