„Schreibkompetenz bleibt die Basis“

KOM fragt

KOM fragt: Welche Skills sind im Alltag als Kommunikatorin oder Kommunikator unabdingbar? Wie haben sich die Anforderungen seit ihrem Berufseinstieg verändert?


Simon Rieger: Für mich ist Schreib- und Textkompetenz eine zentrale Kernkompetenz in der Kommunikation. Sie war es zu Beginn meiner Laufbahn und sie ist es bis heute. Texte sind nicht nur ein Mittel zur Information, sondern ein Werkzeug zur Einordnung, Erklärung und Orientierung. Genau darin liegt für mich ihre kommunikative Kraft.

Verändert hat sich mein Verständnis davon, was gute Textarbeit wirklich bedeutet. Besonders prägend war für mich der Wechsel vom Start-up-Umfeld in die Corporate-Kommunikation. Start-ups kommunizieren häufig stark marketinggetrieben, zugespitzt und jargonlastig. Komplexität wird dabei nicht selten bewusst eingesetzt, um Professionalität und Bedeutung zu vermitteln. Im Konzern habe ich einen persönlichen Aha-Moment erlebt. Hier wird Kommunikation zur Übersetzungsarbeit. Texte müssen erklären, Zusammenhänge herstellen und unterschiedliche Wissensstände berücksichtigen. Professionalität zeigt sich nicht darin, kompliziert zu klingen, sondern darin, verständlich zu sein und in die Tiefe zu gehen.


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Parallel dazu hat sich auch der Entstehungsprozess von Texten stark verändert. Als ich 2020 in der Kommunikation gestartet bin, habe ich Texte vollständig selbst entwickelt, vom leeren Blatt bis zur finalen Fassung. Heute ist künstliche Intelligenz ein selbstverständlicher Teil meines Arbeitsalltags. Ich nutze sie als Sparringspartner für Struktur, Ideen und erste Textversionen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit hat sich dadurch verschoben. Weniger das reine Schreiben, mehr die klare Zieldefinition, die bewusste Steuerung und das sorgfältige Redigieren stehen im Zentrum meines Schaffens.

Schreibkompetenz bleibt für mich die Basis kommunikativer Arbeit. Gleichzeitig stehen wir erst am Anfang ihrer Weiterentwicklung im KI-Zeitalter. Wie wir Sprache einsetzen, technologische Unterstützung reflektiert nutzen und Inhalte verantwortungsvoll einordnen, wird entscheidend dafür sein, wie wir als Kommunikatorinnen und Kommunikatoren künftig arbeiten.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Skills. Das Heft können Sie hier bestellen.

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