Wo CDU-Politiker Prozente verschenken

Buschardts Bilderbuch

Gordon Schnieder, die neue CDU-Lichtgestalt in Rheinland-Pfalz, ist meist sehr gut fotografisch begleitet und in Szene gesetzt. Das gilt sogar für Kai Wegner, ebenfalls CDU, jenem Regierenden Bürgermeister, der in gewissen Strom-Mangellagen gerne einen eher sportlichen Eindruck vermittelt – vielleicht in der Hoffnung, dass energisches Auftreten wenigstens symbolisch den Akku auflädt.

Bei Wegner mag es noch so kommunikativ hapern, bildlich macht er eine überdurchschnittliche Figur. Umso verwunderlicher – und aus fotografischer Sicht auch ärgerlicher – ist es, dass beide Spitzenpolitiker auf ihren Social-Media-Fotos reichlich Prozente verschenken (bis zu 50 Prozent), die man für eine emotionalere Bildsprache noch sehr gut nutzen könnte. Das verschenkte Potenzial ist visuell regelrecht zu spüren – wie ein ungenutzter Lichtstrahl im Schatten des Algorithmus.

Close up!

Im Folgenden habe ich Ihnen eine Mängelliste zusammengestellt, wo außerhalb der von mir gezogenen roten Linien (Merke: Rote Linien sind in der Politik durchaus auch schon mal positiv zu werten) tote Bildfläche unnötig Platz vergeudet. Warum heißt es für Content-Creator auf Youtube „Close up – keine Totalen“? Weil die meisten User an den Mobiltelefonen konsumieren. Das gilt für Instagram-Fotos ebenfalls. Deshalb: Geh ran! Schaff Nähe! Mach die Akteure groß! Und bitte keine Spitzenpolitiker, die im Wimmelbild verschwinden.

In der Regel sind die von mir ausgewählten Motive nicht jene, die auf Position eins gepostet werden. Sie erkennen dies an den Markierungen unter den Bildern, an welcher Position in der Bildergalerie die Motive platziert wurden. Leider schwächen derartige Motive das Gesamtbild. Wer heute will, dass politische Kommunikation wirkt, muss das Bild auch füllen.

Mit anderen Worten: Weniger Leerflächen, mehr Präsenz! Fotos sind Politik mit anderen Mitteln. Und wer das Spiel der Bildwirkung verstanden hat, weiß: Nähe schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist das, was selbst jenseits der roten Linien noch Wählerstimmen bringen kann.

Drei Personen in formeller Kleidung stehen in einem Raum mit grauen Wänden und einer Glasvitrine.

Drei Personen sitzen an einem Tisch mit Getränken und Unterlagen, im Hintergrund eine Landschaft mit Weinbergen.

Mann in Anzug spricht mit einer Reporterin vor einem beleuchteten Hintergrund.

Menschenmenge applaudiert in einem großen Raum mit rotem Vorhang im Hintergrund. Gruppe von fünf Personen umarmt sich in einem Wald, umgeben von Bäumen, bei bewölktem Wetter.

Menschenmenge applaudiert und hält blaue Schilder mit "GORDON 2026" in einem Veranstaltungsraum.

Das ein oder andere hier kritisierte Motiv ist durchaus sehenswert – aber nicht in der Art und Weise, wie es auf Instagram inszeniert wurde. Deshalb: Konkreter für die jeweiligen Kanäle sichten, dann passt es besser.

Und im nächsten Bilderbuch erwartet Sie: Wie wir durch den Beschnitt von Fotos Motive retten – oder gänzlich ruinieren können.


Lesen Sie auch:

Weitere Artikel