Was tun, wenn die KI lügt?

Praxistipp

KOM: Ein Unternehmen stellt fest, dass von Gemini und ChatGPT Fakten zu einem Skandal in der Vergangenheit falsch dargestellt werden. Wie kann das Unternehmen das richtigstellen?


Erst einmal sollte das Unternehmen wissen, wie KI-Antworten entstehen. Generative Systeme greifen nicht nur auf Trainingsdaten zurück. Je nach System und Anfrage nutzen sie auch die Websuche, Suchindizes oder Retrieval-Augmented Generation (RAG). Auffindbare Quellen werden zu einer Antwort verdichtet. KI-Systeme übernehmen aber nicht automatisch die korrekteste Darstellung. Sie orientieren sich an Informationen, die sichtbar, aktuell, konsistent und gut strukturiert sind.

Unternehmen haben ein Interesse daran, dass über sie korrekt und aktuell berichtet wird – von Menschen wie von Maschinen. Die Disziplin, die Sichtbarkeit und Darstellung in generativen Antwortsystemen zu verbessern, wird Generative Engine Optimization (GEO) genannt. Aber Achtung! Unternehmen können KI-Antworten nicht steuern. Sie können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass korrekte Informationen gefunden werden.

Im konkreten Fall empfiehlt sich ein Vorgehen in vier Schritten.

1. Analyse

Welche KI spuckt welche falsche Information aus? Bei welcher Frage? In welcher Sprache? Mit welchem Quellenhinweis? Dann ist zu klären, woher die Darstellung stammt. Relevant sind vor allem Medienberichte, Branchenprofile, Datenbanken, Wikipedia und Social-Media-Archive. Auf der eigenen Website stehen die Fehler meist naturgemäß nicht.

2. Korrektur

Falsche Angaben müssen dort korrigiert werden, wo die KI sie aufgeschnappt hat. Werden Links von der KI direkt angegeben – wie bei RAG-Systemen –, ist der Fall klar. Ohne Quellenangabe kann klassisches Media Monitoring helfen, das falsche Narrativ zu lokalisieren. Sind die Ausgangsquellen identifiziert, muss das Team präzise Informationen für die entsprechenden Redaktionen und Webmaster formulieren und zur Richtigstellung auffordern: Welche Aussage ist falsch? Welche Belege gibt es? Bei Medien ist das herausfordernd, da sich Redaktionen nicht hineinredigieren lassen. Unwahrheiten müssen sie allerdings korrigieren.

3. Eigene Referenz schaffen

Das Unternehmen braucht eigene, gut sichtbare Quellen. Die Kommunikationsabteilung sollte dazu auf der eigenen autoritativen Website (etwa im Newsroom) eine klare Richtigstellung mit Q&A und Factsheet veröffentlichen. In den Texten sollten Schlagworte, Phrasen und Fragestellungen aufgegriffen werden, die auch die KI in ihrer falschen Antwort ausgibt. Dabei gewinnt für Maschinen Klarheit gegen Corporate-Sprech: Was war der Vorwurf? Was sind die Fakten? Hier sind die Belege! Technisch sollten diese Seiten mit strukturierten Daten (wie schema.org für FAQs) für die KI-Crawler sichtbar gemacht werden. Hier helfen die SEO-Gewerke gern weiter.

4. Seeding

Die korrigierte Faktenlage sollte immer auf den eigenen Kanälen veröffentlicht werden. Das ist eine wichtige GEO-Hygienemaßnahme. Zusätzlich sollte sie von KI-Systemen oft zitierte Drittquellen erreichen: Fachmedien, Qualitätsmedien, Verbände oder Plattformen. Wenn diese die korrekte Darstellung aufgreifen, steigt die Chance, dass KI-Systeme sie übernehmen.

Entscheidend ist, dass Falschinformationen nicht zufällig und nicht zu spät auffallen. Eine klare GEO-Strategie mit fortlaufendem Monitoring und Reporting kann die KI-Reputation eines Unternehmens aktiv gestalten.


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Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Social. Das Heft können Sie hier bestellen.

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