Was Führungskräfte von Influencern lernen können

Praxistipp

KOM: Was können Führungskräfte und Unternehmen in ihrer Bewegtbild-Kommunikation von Influencern lernen?

Unternehmen und Führungskräfte können von Social-Media-Creatorn vor allem eines lernen: Bewegtbild nicht als Hochglanzformat, sondern als Beziehungsformat zu begreifen. Erfolgreiche Creator nutzen Videoformate nicht als Verlängerung von Marketingbotschaften. Sie verstehen es als Dialogangebot. Sie sprechen nicht zu ihrer Community, sondern mit ihr: persönlich, nahbar und konsistent.

Creator funktionieren nicht, weil sie perfekt sind. Sie werden von ihrer Zielgruppe als glaubwürdig wahrgenommen. Sie zeigen Perspektiven auf, treffen klare Entscheidungen in Tonalität und Themen und stehen dafür ein. Genau das fehlt vielen Unternehmens- und CEO-Videos. Sie sind zwar formal korrekt, aber frei von Emotionen. Bewegtbild wirkt dann, wenn Menschen sprechen und nicht Rollen.

Das Ablesen einer Pressemitteilung verändert die Vermittlungsinstanz der Kommunikation, lässt dabei allerdings alle Spielregeln des neu genutzten Mediums außen vor. Das ist so, als würde man in der Küche dieselbe Zubereitungsweise anwenden, obwohl sie je nach Gerät unterschiedlich sein müsste. Es funktioniert, ist aber doch falsch.

Weniger ist mehr

Creator erzählen komplexe Themen in klaren Bildern, mit einfachen Botschaften und in meist kurzen Formaten. Sie wissen, dass die Aufmerksamkeitsspanne begrenzt ist und Relevanz entscheidet. Unternehmen hingegen neigen dazu, alles sagen zu wollen. Sie verschenken damit die Wirkung. Weniger Botschaften, ein klarer Fokus und ein erkennbarer Absender sind bei Videos entscheidend.

Ein etablierter Weg ist, anstatt eine lange Botschaft in ein Video zu packen, den Inhalt auf mehrere Videos „snackable“ aufzuteilen. Dabei ist es ein Trugschluss, dass Creator-Videos so gut ankommen, weil sie spontan und ohne Skript entstehen. Die Kunst ist nicht Spontanität, sondern Geplantes spontan wirken zu lassen. Führungskräfte sollten sich hierfür in Medien- und Kommunikationstrainings Unterstützung holen.


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Selbstverständlich gelten für Unternehmen und Führungskräfte grundsätzlich andere Regeln als für Social-Media-Creator. Authentizität bedeutet nicht Privatheit oder Beliebigkeit. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Konsistenz, Transparenz und ein klares kommunikatives Selbstverständnis. Bewegtbild-Kommunikation von Unternehmen wird meist dann erfolgreich, wenn sie sich vom reinen Sendemodus löst und Beziehungen ernst nimmt. Creator zeigen, wie das geht.

Statt Pressemitteilungen als Textvorlage für die Erstellung eines CEO- oder Unternehmensvideos zu nutzen, wäre ein erster Schritt, die Kommunikation auf das Medium anzupassen. Informationen aufteilen, eventuell kürzen und sich dialogbereit zeigen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Skills. Das Heft können Sie hier bestellen.

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