„Volle“ Häuser und KI-Katzen

Buschardts Bilderbuch

„Volles Haus heute beim Ortsrat Westerham“ – der Begleittext zu dem Gruppenfoto, das der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Feldkirchen-Westerham kürzlich auf Instagram postete, eröffnet eine klare Text-Bild-Schere. Von „vollem Haus“ ist hier nicht viel zu sehen, nur von vier Männern, die meine These bestätigen: Männer wissen in der Regel nicht wohin mit ihren Händen. Also baumeln sie am Körper entlang oder werden hinter dem Rücken versteckt. Hände gehören nach vorne und in der Regel in die Körpermitte, wenn sie schon nichts zu tun haben (siehe hierzu auch meine Kolumne zu Philipp Amthor). Der Text verschweigt zusätzlich die Namen und Funktionen der Akteure.

Vier Männer stehen nebeneinander in einem Raum, lächelnd, mit unterschiedlichen Kleidungsstilen und Frisuren.

© Screenshot Instagram/@gruene_fw

Das Foto weckt bei mir Traumata aus meiner Zeit als fotografierendem Lokaljournalisten der 1980er-Jahre: Überall Leute, die sich vor Banner oder eine Wand stellen, nicht wissen, was sie machen sollen und dann mehr oder weniger verlegen lächeln. Wer das Foto macht, muss sprechen: zur Interaktion motivieren, Bewegung einfordern, Spontaneität schaffen. Es geht hier natürlich nicht darum, ehrenamtlich Aktive bloßzustellen. Mir ist bewusst, dass nicht alle über Möglichkeiten verfügen, ihre Kommunikation professionell aufzustellen. Da hier aber bewusst mit der Öffentlichkeit kommuniziert wird und jeder auf Instagram auf die Postings zugreifen kann, würde ich trotzdem dazu raten, grundsätzliche Punkte zu beachten.

Das „volle Haus“ erkennen wir dann auf dem zweiten Bild. Wenn der Text „volles Haus“ lautet, dann muss das auch das erste Motiv in der Instagram-Bibliothek sein. Davon abgesehen zeigt das Bild Menschen, die offenbar kurz vor Veranstaltungsbeginn noch ihren Platz suchen. Tipp: Abgeschnittene Gesichter und halbe Menschen entfernen wir durch den Bildbeschnitt.

Menschen versammeln sich in einem Raum, diskutieren in Gruppen, Stühle sind um einen Tisch angeordnet. © Screenshot Instagram/@gruene_fw

Ich habe bei diesem Foto einmal zwei rote Linien markiert (siehe unten): Darüber befindet sich tote Fläche mit der Decke und unten verlieren wir auch noch etwas vom Motiv. Tote Flächen killen jedes Motiv. Bemühen wir den großartigen Fotografen Robert Cappa: „Bist du nicht gut genug, warst du nicht dicht genug dran.“

Gruppensitzung in einem hellen Raum mit Stühlen, Teilnehmern und einem Präsentationsprojektor.

Dann habe ich das Bild beschnitten. Das ist noch nicht optimal, sieht aber auch nach vollem Haus aus. Hier müsste man mit der Kamera oder dem Smartphone noch ein wenig tiefer gehen und zwischen die beiden Personen im Vordergrund durchfotografieren – dann ist es rund.

Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Raum, einige sprechen, andere hören zu, mit einem Fokus auf den Redner in der Mitte.


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KI – warum KI?

Lustige und gute Idee der Grünen: Cat Content. Ironisch greifen sie es auch im Text eines weiteren Posts auf: „Cat Content geht immer.“

Stimmt. Das Foto ist süß genug, um Verweildauer zu erzeugen. Man kann es mit zwei, drei Klicks etwas heller und kontrastreicher machen, auch auf dem Smartphone. Warum allerdings das zweite Bild in der Galerie eine KI-Version desselben Fotos mit zahlreichen Fehlern auf dem Plakat, in der Perspektive und im Text enthält, versteht vermutlich nur der Commodore64, auf dem das wohl entstanden ist.

Eine Katze liegt auf einem Buch mit dem Titel "Mitten im Wagen", umgeben von einem gemütlichen Hintergrund.

Gute Idee, fragwürdige Umsetzung. Die Broschüre erhält durch die KI-Bearbeitung (rechts) massenhaft Fehler. © Screenshot Instagram/@gruene_fw

Ein gutes Foto stärkt man nicht, indem man dahinter noch eine schwache Version desselben Motivs postet. Weniger ist mehr.

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