KOM: Ein Unternehmen denkt über einen eigenen Tiktok-Account nach. Welche Fragen sollte das Kommunikationsteam für sich beantworten, bevor es loslegt?
Tiktok ist wie ein Versprechen und wie die junge, hippe Bühne im Netz. Ein Ort, an dem Nutzer oft stundenlang Videos schauen, Trends entstehen und Marken plötzlich cool werden oder es werden wollen. Rund 26 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Tiktok nach eigenen Angaben inzwischen jeden Monat. Kein Wunder also, dass sich viele Unternehmen die Frage stellen: Brauchen wir einen Account?
Bereits die Frage ist falsch gestellt. Sie müsste vielmehr zunächst lauten: Passt Tiktok überhaupt zu uns? Oder genauer: Sind wir als Organisation überhaupt so aufgestellt, dass ein Tiktok-Account funktionieren kann? Bevor also der erste Clip produziert wird, lohnen sich ein kurzer Reality-Check und kritische Fragen.
Die erste lautet: Haben wir überhaupt etwas zu zeigen? Tiktok funktioniert besonders gut für Marken, die Einblicke geben können und kein Problem damit haben, einzelne Gesichter nach vorne zu stellen. Wer vor allem Botschaften senden will, wird schnell merken, wie wenig Resonanz folgt.
Die zweite Frage ist organisatorisch: Wer verantwortet den Account? Tiktok-Content funktioniert nur, wenn er von Menschen kommt, die die Plattform wirklich verstehen. Diese Menschen brauchen uneingeschränkte inhaltliche Hoheit. Und damit eine Führungsebene, die es aushalten kann, dass sie einen Großteil der Pointen nicht versteht. In vielen Unternehmen ist das ein echtes Problem.
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Dann stellt sich die Frage nach der Geschwindigkeit. Trends auf Tiktok haben eine Halbwertszeit von wenigen Tagen. Wer umständlich interne Freigaben organisieren muss, ist mit Content erst live, wenn der Trend schon wieder vorbei ist. Es braucht also einen aktiven Trendradar, kurze Abstimmungswege und Creator, die schnell und plattformgerecht Content umsetzen können. Viele Unternehmen holen sich diese Kompetenz bewusst von außen. Doch auch Creator brauchen Freiheit und das uneingeschränkte Vertrauen der Verantwortlichen.
Und schließlich eine letzte Frage: Haben Sie Geduld? Der Algorithmus ist unberechenbar. Selbst große Creator wissen nie, welches Video zündet. Wer erfolgreich sein will, muss viel testen, verwerfen und es immer weiter probieren. Und Rückschläge aushalten können.
Vielleicht ist das die große Ironie an Tiktok: Ausgerechnet die jüngste Plattform verlangt die reifsten Unternehmen.
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