„Haben wir auch die Möglichkeit für ein Foto mit dem Bundespräsidenten?“ Dies dürfte hinter den Kulissen wohl die häufigste Frage sein, die Mitarbeitende von Delegationen ans Protokoll in Schloss Bellevue stellen.
Das Protokoll weiß natürlich um die Besonderheit, landet ein Abzug davon schließlich auch in den Büros von beispielsweise der hier abgelichteten Ministerin Dorothee Bär und ihren Staatssekretären. Und viele dieser Schnappschüsse von Treffen mit Frank-Walter Steinmeier stehen später auch auf dem heimischen Kaminsims oder in Büros von Wirtschaftsgrößen, die das Staatsoberhaupt einmal persönlich getroffen haben.
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Das muss man sich kurz ins Gedächtnis rufen, damit uns die Bedeutung derartiger Fotos bewusst ist. Umso sorgfältiger sollten sie fotografiert werden.
Das ist hier leider nicht der Fall.
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An der wechselnden Position des kleinen Tischchens im Hintergrund können wir erkennen, dass die Fotografin aus der Hand fotografiert und kein Stativ nutzt (richtig!). Folglich hatte sie die Möglichkeit, eventuelle Bildfehler durch Positionswechsel zu korrigieren. Die minimale Abweichung beim Bildausschnitt lässt den Rückschluss zu, dass hier in schneller Abfolge dreimal zwei Personen abgelichtet werden mussten. Im dynamischen Politik-Berlin jedoch keine Besonderheit.
Dem Bundespräsidenten, der in der Regel die Arme schlaff und die Hände ausdruckslos herumbaumeln lässt, schneidet sie die Finger ab. Hier muss man entweder mit den beiden Personen vor der Kamera sprechen und sie zur Interaktion oder Korrektur der Hände auffordern, oder den Bildausschnitt anders wählen. Oder im Anschluss, wenn das Motiv nicht ganz gelungen ist, den Beschnitt ansetzen, wie ich es Ihnen hier in diesem Beispiel zeige:

Abgeschnittene Finger kann man vermeiden, wenn man den Bildausschnitt richtig wählt – oder nachbearbeitet. © Screenshot Instagram / Bundesregierung / Sandra Steins; bearbeitet von Tom Buschardt
In der Regel müssen Fotografen das aber bei einem solchen Nullachtfünfzehn-Motiv beim Fotografieren bereits sehen – zwei Menschen in ruhiger Umgebung, die freundlich in die Kamera schauen, sind für Fotografen nicht so adrenalinausstoßend, dass man hier keinen Blick für die Details haben kann.
Weiterer Kritikpunkt ist die Position der jeweiligen Akteure: Natürlich müssen beim Staatsoberhaupt auch Fahnen, Wappen und solche Dinge mit auf das Bild. Aber wenn man Menschen direkt vor die Fahne stellt (und sie nicht leicht unscharf in den Hintergrund als Stilelement packt), wachsen oft die Fahnen aus den Köpfen. Das ist hier nicht der Fall, allerdings hat der Bundespräsident ein schwarzes Mützchen (Baskenmütze?) auf und einen „Papagei“ auf der Schulter. Das muss man meiner Ansicht nach durch Anweisungen beim Fotografieren korrigieren. „Sprechen“ ist für Fotografen mindestens genauso wichtig wie die Wahl der korrekten Belichtungseinstellungen.
Hauptsache gute Bilder
Bei dieser Ausgabe des Bilderbuches müssen wir auch einen Blick in den Begleittext werden. Das Ereignis: „Staatsoberhaupt trifft Wissenschaftsrat“ wird sprachlich wie folgt bebildert:
Der Wissenschaftsrat zu Gast in Bellevue:
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lädt regelmäßig die Mitglieder des Wissenschaftsrats nach Schloss Bellevue ein. Ziel ist es, ihren Einsatz für den Wissenschaftsstandort Deutschland zu würdigen und den Austausch mit den Wissenschaftlern zu fördern. Mit dabei sind selbstverständlich auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und die Staatssekretäre Dr. Marcus Pkleyer und Rolf-Dieter Jungk. „Der Wissenschaftsrat ist eine unverzichtbare Institution“, betonte die Ministerin. „Seine Impulse stärken unser Wissenschaftssystem und treiben Innovationskraft sowie Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes entscheidend voran.“ Der Wissenschaftsrat berät Bund und Länder in zentralen Fragen von Forschung, Hochschulen und Wissenschaftspolitik. Er tagt viermal im Jahr – diese Woche zu seiner Wintersitzung.
Für Medien ein absolutes Null-Ereignis, über das wir nichts erfahren, außer dass es stattgefunden hat, es eine Tischrede beim Essen gab und anschließend ein Foto mit dem Staatsoberhaupt. Über das Essen in Schloss Bellevue habe ich noch nichts Negatives gehört von Menschen, die schon mal dort waren. Umso besser sollten bei einer derartig nachrichtenarmen Story die Fotos sein.
Getreu dem alten TV-Motto: „Vergiss die Geschichte – Hauptsache gute Bilder.“