Schere macht schöner!

Buschardts Bilderbuch

Journalisten mögen Vergleiche mit einer Schere nicht so gern. Es klingt nach Zensur („Schere im Kopf“) und nicht nach neuen Chancen oder besserem Content. Fotografen sehen das in der Regel anders: Ein Motiv, an das man nicht optimal herankommt, wird hinterher beschnitten, störende Elemente entfernt (ohne Retusche). Auch ein komplett missglücktes Motiv kann so noch gerettet werden. Ich mache das selbst nicht anders: Wenn ich das falsche Objektiv dabei habe, fotografiere ich etwas raumgreifender und schneide mir dann das Motiv zurecht. Wohl dem, der dann nicht nur ein paar wenige Pixel vom Smartphone zur Verfügung hat, sondern eine Kamera, die eine Auflösung mit Reserve fotografiert.


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Schade nur, wenn dann im Schnell-Schnell insbesondere für Social Media der Beschnitt gar nicht oder nur unzureichend erfolgt. Das schwächt auch die Qualität wirklich guter Fotografinnen und Fotografen. Ich selbst gebe ungerne Material aus der Hand, was der Auftraggeber dann noch beschneiden muss. Was ist, wenn er es vergisst, und andere fragen sich dann, wieso man derartiges Material überhaupt ausgeliefert hat? Vorsicht an alle, bei denen extrem junge Social-Media-Teams am Werk sind. Wer mit dem Smartphone-Hochformat aufgewachsen ist, der achtet nicht unbedingt auf die Schönheiten, die auch ein Querformat bei Instagram, X oder Linkedin hervorbringen kann. Und auch andersherum kann es gut werden: Aus einem Querformat ein Hochformat zaubern, um damit etwas mehr Dynamik ins Bild zu bekommen.

Motiv in den Fokus rücken

Werfen wir mal einen Blick auf den Beschnitt. Die Frau im Vordergrund ist zu dominant und beherrscht zu viel von der Bildfläche. Um das Motiv zu verstehen, genügt eine Andeutung, wie in meinem Beschnitt zu sehen. Vorteil: Hier wird auch der Blickkontakt besser herausgearbeitet.

Fünf Personen stehen in einem blauen Raum, eine Person mit langen Haaren ist im Vordergrund. Vier Männer in Anzügen stehen in einem blauen Raum und schauen aufmerksam in eine Richtung.

Bei dem Bundeswehr-Motiv möchte der Fotograf offenbar das Emblem der Truppengattung abbilden und kommt mit der Brennweite nicht nah genug heran. Das ist kein Drama, denn dafür gibt es ja den Bild-Beschnitt. Es ist hier vor der Veröffentlichung offenbar vergessen worden, ihn sauber umzusetzen. Das ist weder für das Motiv schön – noch für den Fotografen. Unbeschnitten ist es einfach nur ein schlechtes Fotomotiv.

Soldat in Tarnuniform mit einem Abzeichen auf dem linken Arm, im Hintergrund unscharfe Landschaft. Auf einem camouflagierten Oberteil ist ein Patch mit gekreuzten Gewehren und einem schwarzen Kreuz zu sehen.

Beim Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner verstehe ich das viele Weiß nicht, das hier unnötigerweise das Motiv noch kleiner wirken lässt. Wenn wir schon (endlich!) mal ein Querformat haben, dann sollte man auch das Motiv herausarbeiten. So vermeiden wir auch störende Effekte im Bild, die ablenken können.

Vier Personen stehen im Freien und unterhalten sich, im Hintergrund sind Gebäude und ein Fahrzeug sichtbar. Zwei Männer im Anzug stehen im Freien und unterhalten sich, im Hintergrund sind Gebäude und Fahrzeuge sichtbar.

 

Vorsicht vor zu viel Beschnitt

Hopfen und Malz verloren ist dagegen bei dem Motiv, wo CDU-Politiker Gordon Schnieder offenbar ein Selfie mit einer Besucherin anfertigt. Denn der Beschnitt muss auch das Smartphone zeigen. So könnte er der Besucherin auch nur den Weg zum Kaffeestand (oder andere Einrichtungen des Etablissements) weisen. Schade. Eigentlich ein erstklassiges Sympathie-Motiv, das hier zerschnitten wurde.

Zwei Personen lächeln und posieren für ein Foto in einem voll besetzten Veranstaltungsraum.

Noch einmal als Checkliste zusammengefasst – das sind die häufigsten Fehler:

  • Motiv nicht klar erkennbar, zu viel „Beifang“ im Bild.
  • Hauptmotiv zu klein oder nicht im Fokus des Zuschnitts.
  • Köpfe, Hände, Füße und so weiter werden halb „abgehackt“.
  • Störende Reste von Objekten am Bildrand, die nur irritieren.
  • Querformat zwangsweise ins 4:5‑Hochformat gepresst, Bild wirkt gequetscht.
  • Wichtige Bildelemente fallen dem 1:1‑ oder 4:5‑Crop (Ausschnittvergrößerung) zum Opfer.
  • Schiefer Horizont bei Landschaft oder Architektur.
  • Stürzende Linien oder schiefe Kanten, obwohl man sie leicht begradigen könnte.
  • Aus einem kleinen Ausschnitt ein „neues Bild“ machen wollen, Ergebnis: matschig, pixelig.

Ein Beschnitt ist auch mit einfachsten Gratis-Programmen aus dem Internet schnell erstellt. Auf dem Smartphone haben Sie ohnehin die Möglichkeit, den Ausschnitt zu verändern. Auch die passenden Formatvorlagen für Instagram und Co. werden Ihnen hier bereits angeboten.

Fazit: Wir brauchen mehr Mut zur Schere!

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