Human-in-the-Loop klingt beruhigend: Der Mensch überprüft, was die künstliche Intelligenz erzeugt hat. Doch bei sogenannten KI-Agenten reicht das nicht aus. Denn agentische Workflows laufen automatisiert, und wer nur am Ende prüft, kann lediglich auf das reagieren, was längst gelaufen ist.
Für alle, die selbst Agenten für ihre Kommunikationsarbeit bauen wollen, stellt sich die Frage anders: Wie kann ich den Prozess so aufsetzen, dass sich die Fähigkeiten von Mensch und KI optimal ergänzen?
Aufwärmübung: Newsletter-Summary
Nehmen wir zum Beispiel einen wöchentlichen Branchen-Überblick für Ihr Team. Jeden Montag dasselbe Ritual: Newsletter-Postfach öffnen, die zahlreichen Branchennewsletter der letzten Woche durchscrollen, Relevantes herauspicken, zusammenfassen, als Rundmail verschicken. Jede Woche zwei Stunden Arbeit. Der naheliegende Wunsch: Das kann doch ein KI-Agent übernehmen. Stimmt. Teilweise.
Ein funktionierender Workflow sieht so aus:
1. Mensch: Sie richten einen E-Mail-Ordner ein und eine Regel, die entsprechende Newsletter dorthin filtert. Dann definieren Sie: Welche Themen sind für mein Team relevant? Welches Format soll die Summary-Mail haben (Stichpunkte, Themen-Abschnitte, mit Quellenangaben oder Links)? Wie lang darf sie sein? Diese Kriterien halten Sie in den Instruktionen für den Agenten fest.
2. Agent: Ein automatisierter Prozess greift auf den Ordner zu, liest die Newsletter der vergangenen Woche aus, extrahiert die Kernaussagen nach Ihren Kriterien und erstellt einen E-Mail-Entwurf im definierten Format. Dieser lässt sich schon jetzt mit den agentischen Workflows der KI-Plattform Langdock und im „Studio“ von Microsoft 365 Copilot oder Google Workspace bauen.
3. Mensch: Sie öffnen den Entwurf und prüfen: Passt die Gewichtung zur aktuellen Lage? Fehlt etwas, das nur Sie einordnen können, etwa weil ein Thema intern gerade brisant ist? Sind die Informationen korrekt? Dann senden Sie die Rundmail ab.
Der entscheidende Punkt: Die Qualitätssicherung am Ende ist kein Sicherheitsnetz für einen schlecht aufgesetzten Prozess. Sie ist eine inhaltliche Ergänzung, weil Sie vorher bereits die Leitplanken gesetzt haben. Und weil der Workflow auf einem E-Mail-Ordner basiert, funktioniert er unabhängig davon, ob Sie in einer Microsoft-, Google- oder anderen Umgebung arbeiten.
Effizienzbooster: Medienreporting-Auswertung
Kommunikationsabteilungen, die Medienclippings auswerten, kennen das Problem: Ein Monitoring-Tool liefert monatlich Hunderte Treffer und jeder muss gesichtet, priorisiert und thematisch eingeordnet werden. Manuell kostet das Stunden intellektueller Fleißarbeit. Je mehr der Mensch dabei ermüdet, umso mehr Fehler können sich einschleichen.
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Ein agentischer Workflow nimmt nicht nur Arbeit ab, er senkt auch die Fehlerquote:
1. Mensch: Sie entwickeln ein Klassifizierungsschema. Zum Beispiel verschiedene Prioritätsstufen, basierend auf Tier-Medien-Listen, dem Kontext (eigene Pressemitteilung, Kooperationen und so weiter) und klaren Entscheidungsregeln. Dieses Schema ist die heimliche Intelligenz des Workflows.
2. Agent: Der agentische Workflow arbeitet die Clipping-Liste ab: Er gleicht Medien mit der Tier-Liste ab, prüft die Artikel auf definierte Begriffe oder Kontexte, ordnet nach vorgegebenem Schema ein und dokumentiert Unsicherheiten.
3. Mensch: Sie prüfen die Einordnung, aber nicht jeden einzelnen Treffer gleich intensiv. Weil das Schema klar ist, können Sie sich auf Grenzfälle konzentrieren: Stimmt die Abgrenzung zwischen Prioritätsclustern? Wo scheiterte der Zugriff? Auch wenn sich nur ein Bruchteil der Artikel automatisch prüfen lässt, spart das richtig Zeit.
Human Sandwich statt Human-in-the-Loop
Die Metapher „Human Sandwich“ stammt aus dem Podcast „AI & I” von Dan Shipper: Das KI-Modell ist der Belag dazwischen, die Menschen sind das Brot. Sie liefern am Anfang das Framing und am Ende das Urteil. Der Begriff „Human-in-the-Loop” suggeriert, dass menschliche Kontrolle am Ende des Prozesses ausreicht. Doch wer bei automatisierten Prozessen nur am Schluss drüberschaut, kann lediglich reagieren. Das „Human Sandwich“ fordert menschliche Intelligenz gezielt vor und nach dem agentischen Workflow.
Prozessdesign vorab: Die Kommunikationsverantwortliche definiert Kriterien, Regeln und Ausgabeformat. Sie entscheidet, was der Agent tun und woran er sich orientieren soll. Das ist die konzeptionelle Arbeit.
Kontextualisierung danach: Die Kommunikationsverantwortliche beurteilt das Ergebnis nicht nur als Korrekturinstanz, sondern als Fachkraft, die Kontext ergänzt, Gewichtungen verschiebt, Grenzfälle entscheidet und alles finalisiert.
Drei Designprinzipien für den eigenen Agenten
1. Die Qualität entsteht im Konzept.
Ein einzelner guter Prompt macht noch keinen guten Agenten. Was zählt, ist das Regelwerk dahinter: Was passiert wann? Welche Kriterien soll die KI zugrunde legen? Je präziser das Prozessdesign und die Beschreibung der einzelnen Schritte, desto weniger Nacharbeit.
2. Trennen Sie Routineprüfung von Bewertung.
Der Agent übernimmt die Routine, also Abgleich mit Listen, Volltext-Scan und Dokumentation. Sie übernehmen das Urteil, die Relevanz im Kontext, strategische Gewichtung und Grenzfälle. Wenn Sie beides vermischen, sparen Sie weder Zeit, noch gewinnen Sie Qualität.
3. Bauen Sie Feedback-Schleifen ein.
Ein Agent ist kein fertiges Produkt. Planen Sie von Anfang an ein, dass sich Ihr Konzept weiterentwickelt. Was Sie in der Nachprüfung regelmäßig korrigieren, gehört als neue Regel ins Ablaufschema. Damit wird der erste Teil des Human Sandwich immer besser.
Was eignet sich für die Automatisierung?
Wenn Sie nun loslegen wollen, stellen Sie sich zunächst die Frage: Eignet sich Ihr Prozess wirklich für einen Agenten? Nicht jede Aufgabe profitiert von Automatisierung.
Ein Schnelltest:
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- Wiederholt sich die Aufgabe regelmäßig mit ähnlicher Struktur?
- Lassen sich die Kriterien in klare Regeln übersetzen?
- Ist das Ergebnis überprüfbar, ohne den gesamten Prozess nachvollziehen zu müssen?
- Braucht jeder Teilschritt Ihr situatives, kontextbezogenes Urteil?
Wenn Sie die ersten drei Fragen mit Ja beantworten, lohnt sich die Automatisierung.
Überlegen Sie dann, ob Sie das Ablaufschema auf einem Whiteboard abbilden und das intuitive Wissen, mit dem Sie die prozessrelevanten Entscheidungen treffen, in für ein Sprachmodell verständliche Worte fassen können. Das ist aufwändiger, als man denkt, und braucht etwas Zeit.
Wenn Sie alles zusammengestellt haben, konnten die großen Anbieter ihre Tools vielleicht schon weiter ausbauen und der Prozess lässt sich dann ganz einfach mit einem Copilot Agent oder Google Gem automatisieren.