Wie die Generation Z ihre mentale Gesundheit bewertet

Studie

Mehr als jede Generation vor ihr hat die Gen Z, das sind die Geburtenjahrgänge zwischen 1995 und 2012 (es gibt auch andere Definitionen), mit Themen wie Klimakrise und Rohstoffknappheit zu kämpfen. Hinzu kommen Stressfaktoren wie die Coronapandemie und der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Gemeinsam mit Appinio und W&V hat die Agentur fischerAppelt 1.000 Personen zwischen 14 und 25 Jahren nach ihrer mentalen Gesundheit befragt. Die Antworten der Generation Z zeigen, wie Krisen, Krieg und Pandemie die junge Generation beeinflussen und welche Auswege sie in Stresssituationen verfolgen.

Umgang mit Sorgen

Die Teengeist-Studie hat den Teilnehmenden die offene Frage gestellt, was mentale Gesundheit für sie bedeutet. Dabei fielen Worte wie „wichtig”, „sich gut fühlen“, „glücklich sein“ und „Wohlbefinden“. Mehr als die Hälfte der Befragten setzten die körperliche und mentale Gesundheit sogar gleich. „Mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche Gesundheit und sollte auch so behandelt werden“, hieß es dazu in einer Antwort.

Wie aber hält man sich mental gesund? Den Umgang mit Stress und Sorgen geht die Gen Z auf unterschiedliche Weise an. Das Thema Ablenkung spielt dabei eine wesentliche Rolle. So gaben 47 Prozent an, dass sie Musik hören, wenn es ihnen nicht gut geht. 44 Prozent der Teens lenken sich mit Filmen, Serien oder Social Media ab. Nur rund ein Drittel der Heranwachsenden redet mit Freund:innen über ihr Befinden. Von denjenigen, die über ihre Probleme sprechen, ist die erste Anlaufstation der Freundeskreis (57 Prozent), nicht einmal jeder dritte Teen öffnet sich den Eltern gegenüber (29 Prozent). Fast jede:r Fünfte spricht mit niemandem über seine Sorgen und behält mentale Probleme für sich.

Therapie: Zwei Lager

Jede:r Fünfte gab an, bereits in psychotherapeutischer Behandlung gewesen zu sein. Beinahe jede:r Zwölfte befindet sich zudem aktuell in Therapie. Insgesamt fast zwei Drittel finden oder fanden ihre Behandlung hilfreich. Jedoch gaben auch fast 40 Prozent der früheren oder aktuellen Patient:innen an, dass ihre Therapie wenig bis gar nicht geholfen hat. Wer dagegen noch keine Erfahrungen mit professioneller Hilfe gemacht hat, steht dieser auch ablehnend gegenüber: Für 56 Prozent der Teens kommt eine Therapie nicht in Frage.

Warum Therapieleistungen abgelehnt werden, hat unterschiedliche Gründe. Neben der Meinung, eine psychotherapeutische Behandlung nicht nötig zu haben, glauben 36 Prozent daran, anderen ginge es sicher schlechter als ihnen. Und auch das Thema Scham spielt eine Rolle: Fast jede:r Fünfte (18 Prozent) schämt sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da wundert es wenig, dass virtuelle Möglichkeiten und indirekte Hilfestellungen bei den Befragten besser ankommen. 35 Prozent halten eine anonyme Beratung per Chat für geeignet, knapp 15 Prozent würden sich auch einer Hotline anvertrauen. Die sozialen Netzwerke spielen aber auch hier weiter eine wichtige Rolle: Dort holen sich 28 Prozent der Befragten Tipps zur mentalen Gesundheit.

Fehlende soziale Kontakte

Die Folgen der Corona-Pandemie hat die Gen Z hart getroffen. Jeder zweite Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren gibt an, dass sich die mentale Gesundheit während der Pandemie etwas bis stark verschlechtert hat. Hauptgrund: Die fehlenden sozialen Kontakte. Bei den 20- bis 25-Jährigen sind es 45 Prozent, die diese Aussage unterstützen. Neben der sozialen Isolierung wurde auch die Sorge vor Corona insgesamt und die Angst vor einer Infektion genannt.

Teengeist-Umfrage zu mentaler Gesundheit © fischerAppelt
Teengeist-Umfrage zu mentaler Gesundheit © fischerAppelt

Neben der Pandemie machen auch andere Themen der Generation Z zu schaffen:  70 Prozent haben Zukunftsängste und 62 Prozent fühlen sich angesichts der Weltlage hilflos, obwohl sie gerne helfen würden. Inflation und steigende Energiekosten machen ebenfalls fast 80 Prozent der Gen Z Angst.  Gut zwei Drittel der Befragten versuchen, Krisen wie den Ukrainekrieg, die Pandemie oder den Klimawandel zu verdrängen.

Hoher Stresspegel bei Gen Z

Die Generation Z zeigt insgesamt einen hohen Stresspegel. Mehr als zwei Drittel fühlen sich häufig unter Druck. Schule, Ausbildung und Studium sind bei jedem dritten Befragten die Ursache, 30 Prozent nennen auch die Probleme der Welt als Stressfaktor. Absoluter Spitzenreiter in Sachen Stress stellt für die Generation Z die Zukunftsplanung dar. 48 Prozent sind davon gestresst. Die Mehrheit (61 Prozent) fürchtet außerdem, dass dieser Druck zu Depressionen und Burnout führen könnte.

Auch für künftige Arbeitgeber hat die mentale Gesundheit und daraus resultierende Anforderungen der Gen Z Folgen: Die junge Generation legt Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance (44 Prozent) und wünscht sich Feedback und Anerkennung im Beruf (29 Prozent). 26 Prozent möchte außerdem, dass beim späteren Arbeitgeber offen mit dem Thema psychische Gesundheit umgegangen wird.

Einfluss sozialer Medien

Immer wieder rücken auch Social Media-Kanäle in den Fokus, wenn es um die Beeinflussung der mentalen Gesundheit geht. Oft sind die Ergebnisse kritisch. Das ist auch ein Ergebnis der Teengeist-Umfrage. Mehr als die Hälfte fühlt sich bei den Themen Beauty, Fitness und Ernährung durch die sozialen Medien unter Druck gesetzt.

Aber es gibt auch positive Aspekte: So finden 83 Prozent der Befragten bei Instagram, TikTok und Co. Ablenkung, 71 Prozent lassen sich durch Social Media inspirieren und 66 Prozent geben an, dort etwas zu lernen. Interessant zudem: Ein großer Teil der Teens (60 Prozent) fühlt sich in den sozialen Netzwerken mit ihren Problemen verstanden, weil sie dort erfahren, dass es anderen Menschen genauso geht wie ihnen.

Weitere Artikel