Dass Jens Spahn und sein Social-Media-Team die einfachsten technischen Dinge nicht beherrschen, erkennt man an diesem Instagram-Posting des Ministers. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung.
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Sogar ein Mikrofon hat man Spahn angeklemmt, was leider heutzutage nicht unbedingt technischer Mindeststandard bei vielen Politik- und Unternehmenspostings ist. Deshalb didaktisch, vor der eigentlichen Schelte, zunächst das Positive: Spahn nutzt hier ein Mikrofon eines bekannten Herstellers, in der Höhe korrekt positioniert. Ob man diese oder die andere Seite (mit auffälligerem Branding) nach vorne holt, spielt keine Rolle – das Mikro ist ausreichend weit weg von der Kleidung (Rascheln). Ob ein Windschutz notwendig ist in einem geschlossenen Raum, beantwortet uns eine Klimaanlage. Wenn man die mit den Ohren hören kann, sollte der kleine Puschel draufgesteckt werden.
Aber fällt Ihnen das Detail an der Klemme auf?
Dort steht nicht „Rode“, wie der Hersteller korrekt heißt, sondern „edoR“. Und auch die „CDU/CSU“-Fraktion, oben links im Bild hinter dem Wüstenbaum, heißt „USC/UDC“. Das bedeutet, dass Jens Spahn spiegelverkehrt veröffentlicht wurde. Nun mögen 180-Grad-Kehrungen in der Politik durchaus vorkommen – in der Bildpräsenz von Menschen sollte das nicht sein. Bevor Sie jetzt über den USC/UDC-Fraktionsvorsitzenden lachen: Schauen Sie zur Sicherheit noch einmal Ihre Selfies auf Linkedin durch. Das Portal strotzt geradezu von derartigen Fehlern.
Dieser Fehler kommt zustande, wenn man das Smartphone an einer entscheidenden Stelle in den Werkseistellungen belässt und – wie hier am iPhone gezeigt – nicht auf die entsprechende Funktion umstellt. In den Einstellungen des iPhones bei der Funktion „Kamera“ muss das Modul „Frontkamera spiegeln“ ausgeschaltet sein. Klingt unlogisch, aber so ist das bei Apple nun mal.
Sie können das ganz einfach mit einem T-Shirt mit Textaufschrift testen: In der Selfie-Funktion ist die Schrift spiegelverkehrt – in der Datei dann korrekt. Das gilt für Fotos und Video gleichermaßen. Videokameras wie die oft genutzte DJI Osmo Pocket 3 sind dazu nicht in der Lage. Sie nimmt im Selfiemodus weiterhin spiegelverkehrt auf – hier muss das Video vor der Veröffentlichung noch per Bildbearbeitung gespiegelt werden. Dann passt es wieder.
Authentisch = glaubwürdig
Warum ist ein solcher Fehler keine Petitesse?
Menschen haben keine hundertprozentig symmetrischen Gesichter. Vor allem in Social Media werden Bildinhalte in der Regel oberflächlich konsumiert. Kein Wunder – wenn die Stockfehler vor der Veröffentlichung schon nicht rechtzeitig erkannt werden, ist das wohl definitiv der „Proof Of The Pudding“.
Gespiegelt sehen Menschen ungewohnt aus. © Screenshot Instagram; bearbeitet von Tom Buschardt
Jens Spahn sieht – wie jeder andere Mensch – gespiegelt für uns ungewohnt aus, weil wir ihn normalerweise aus den Medien so nicht kennen. Subtil nimmt ihm das Authentizität und somit etwas von seiner Glaubwürdigkeit. Vergleichen Sie einmal das Original (oben links) und das von mir zurückgespiegelte Foto rechts daneben (dort, wo die Schrift nun natürlich spiegelverkehrt zu sehen ist). Jens Spahn sieht zurückgespiegelt authentischer aus. Vielleicht ist auch in der Politik eine zweite (!) 180-Grad-Wende manchmal gar nicht so schlecht.
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Zum Ende dieses Bilderbuchs noch etwas zum Ton im Bild: Man kann das mit diesen klobigen schwarzen Kästen so machen. Es gibt jedoch von erwähntem Hersteller ein passendes Lavaliermikrofon. Das sind diese Ansteck-Mikros, die Sie aus dem Fernsehen kennen. Sieht professioneller aus, verdeckt den Markennamen und erweckt nicht den Eindruck, dass der Träger an einer außen angebrachten Herz-Lungen-Maschine hängt.