Architektur ist Kommunikation. Allerdings weist sie einige Spezifika auf. Kommunikation hat potenziell immer etwas Flüchtiges. Das gesprochene Wort verhallt. Die Entstehung von Gebäuden hingegen dauert meist mehrere Jahre und lässt sich nicht so leicht zurücknehmen wie eine falsche PM. Insofern ist Unternehmensarchitektur immer ein Statement ganz eigener Art – eines, das Langfristigkeit transportiert.
Auch der Ausbau des Firmensitzes des Schweizer Pharmakonzerns Roche in Basel durch das Architekturbüro Herzog & de Meuron ist in diesem Sinne ein kommunikatives Langfrist-Statement, das die Verbundenheit zum Standort Basel unterstreicht. Wer wie Roche derart konsequent den eigenen Firmensitz mit einer architektonisch klar erkennbaren und durchaus illustren Formensprache ausbaut, investiert, um zu bleiben.
Entsprechend klar fällt die Kommunikation rund um den kontinuierlichen Ausbau des Roche-Campus aus. Jüngstes Beispiel: die Äußerungen zum geplanten neuesten Anbau des Campus. Dabei handelt es sich um ein F&E-Gebäude, das die bisherigen verschiedenen Bauten ergänzen soll. Im Firmenjargon wird die Erweiterung Bau 12 genannt.
Das Unternehmen zitiert in seiner Pressemitteilung aus dem Oktober 2025 Jürg Erismann, den Standortleiter von Roche Basel/Kaiseraugst. „Bau 12 ist ein wesentlicher Bestandteil unserer langfristigen Vision für den Standort Basel“, sagt er. Die Investition von etwa 500 Millionen Schweizer Franken (rund 550 Millionen Euro) unterstreiche „Roches langfristiges Engagement für den Forschungsstandort und für die Schweiz“.
Bis 2029 soll der Neubau fertiggestellt sein. Er ergänzt damit die ikonischen Doppeltürme Bau 1 und Bau 2, die Roche bereits in den Jahren 2015 und 2022 eröffnete. Seit 2015 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa acht Milliarden Franken in seine Standorte in der Schweiz investiert. Darüber hinaus existiert die Idee eines dritten Turmes, sollte das Unternehmen noch mehr Fläche benötigen. Außerdem soll es einen neuen Park geben. Da aber hierfür ein architektonisch spannender Bestandsbau aus den 1960ern weichen müsste, ist dies in der Stadt umstritten.
205 Meter hoch
Bau 2 ist mit 205 Metern heute das höchste Gebäude in der Schweiz. Es bietet von der Lounge ganz oben einen großartigen Blick bis nach Lörrach auf der deutschen Seite. Mit ihrer extravaganten Treppenform haben die beiden Türme Aufsehen erregt und auch Kritik auf sich gezogen. Ortssensitive Architektur geht sicher anders.
Die eigenwillige Architektursprache hat kommunikativ allerdings einen Vorteil. Wenn Gebäude wie der Bau 12 dazukommen, kann man die Formensprache in abgewandelter Form zitieren und so quasi eine eigene Roche-Bauästhetik entwickeln. Für diese Strategie ist gestalterische Kontinuität wichtig, weshalb das weltweit renommierte, aber sicher nicht ganz pflegeleichte Architekturbüro Herzog & de Meuron dauerhaft mit an Bord ist. „HdM“, wie man sie in der Architekturwelt nennt, kommen aus Basel. Das erleichtert manche Abstimmung mit der Stadt.

Der Bau 2 von Roche in Basel hat eine Höhe von 205 Metern und überragt damit knapp das Nebengebäude. Der Website Basel Tourismus zufolge gehört der Turm „zu den nachhaltigsten und energieeffizientesten Bürogebäuden der Welt“. © Herzog & de Meuron
Das alles unterstreicht den eigenen Charakter dieses Campus, demonstriert aber auch einen baustrategisch wie standortpolitisch langen Atem. „Die äußere Form orientiert sich komplett an Bau 6, dem im letzten Jahr eröffneten Forschungs- und Entwicklungszentrum“, sagt Sprecher Karsten Kleine während einer Tour. „Mit seiner Höhe von rund 72 Metern fügt es sich in die bestehende Hochhausstruktur des Areals ein.“
Das ist ein spannender Gedanke. Roche baut in Basel keine einzelnen Gebäude, sondern Schritt für Schritt einen ganzen Stadtteil. Dieser ist zwar weitgehend abgesperrt, bezieht seine Umgebung jedoch durchaus mit ein. Deshalb sind die Werkszäune durchsichtig. Sukzessive werden Sichtachsen zwischen den einzelnen Gebäuden geöffnet. Zwischen den Hochhäusern 1 und 2 verläuft die öffentliche Grenzacherstraße, gesäumt von großformatigen, von Roche gesponserten Kunstobjekten.
Diese breitere Perspektive entspricht der aktuellen Tendenz in der Corporate Architecture. Häufig will sie den Blick nicht nur auf singuläre steinerne Ikonen richten, sondern hat den Anspruch, komplexer zu planen.
Ziel ist es oft, das eigene Unternehmen als sozial und gesellschaftlich eingebunden darzustellen. Entsprechend werden Firmenbauten immer auch daran gemessen, ob sie sich in die urbane Umgebung einfügen und ob sie auch ein Stück Stadt in die eigene Campus-Struktur hineinlassen.
Diesbezüglich ist Roche aber eher vorsichtig. In gewisser Hinsicht ist das logisch bei derlei forschungsintensiven Unternehmen. Das Unternehmen bietet immerhin regelmäßig geführte Touren an.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe #Skills. Das Heft können Sie hier bestellen.