Ob man im Auswärtigen Amt noch nachtragend ist, weil beim ersten China-Anlauf von Außenminister Johann Wadephul die Gastgeber ihm keine festen Zusagen für Gespräche auf oberster Ebene machen wollten? Ist das der Grund, weshalb die Deutschen das Logo des chinesischen Herstellers DJI in seinem Video überkleben? Oder waren die Chinesen sauer auf ihn und haben ihn wegen des überklebten China-Logos geächtet? Eher finden wir heraus, ob die Henne oder das Ei zuerst da war. Wir wissen es einfach nicht.

Auf manche Details wurde geachtet, auf andere nicht. © Screenshot/Instagram
Es ist überflüssig. Jeder in der Szene kennt die Marke und erkennt sie auch. Es würde auch keinen Sinn ergeben, das BMW-Logo an einem Fahrzeug zu überkleben – man erkennt die Marke ja doch. Ich finde das albern. Die Strickjacke würde bei mir an der Stelle übrigens auch ein Bäuchlein „vortäuschen“. Deshalb werfe ich hier nicht den ersten Stein, aber mache eine Notiz an mich selbst: Den Reißverschluss besser ganz öffnen!
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Ein großes Geheimnis für all diejenigen, die diese kleinen Mikrofone in der Hand halten, können wir hier lüften: Auf der Rückseite befindet sich ein kleiner Clip, mit dem man das Mikrofon an der Kleidung befestigen kann. Vergleichen Sie dazu unser exklusives Investigativ-Foto (Vorsicht bei Seidenkrawatten: Nicht nach der Aufnahme einfach abziehen – das gibt Fäden wegen der Haken auf der Innenseite):

Der Außenminister imitiert hier die Mikrofonhaltung leicht hyperaktiver Lippenstift- und Mode-Influencer, die damit mehr Aktivität in den Videos vorgaukeln möchten. Einige von ihnen halten sogar Lavaliermikrofone (diese Anstecker, die Sie aus dem TV kennen) in den Händen. So weit ist der deutsche Außenminister noch nicht. Gott sei Dank würde ich sagen.
Körpersprachlich ist es interessant, wenn er das Mikrofon in der Hand hält: Es schränkt seinen Ausdruck ein. Nur wer beide Hände frei hat, kann mit diesen Händen zeigen, gestikulieren und seinen Worten mit der passenden Gestik Nachdruck verleihen. Warum rät ihm sein Team – ausgerechnet in einem Video – zu weniger Körpersprache? Das ergibt keinen Sinn. Es geht bei Videos schließlich auch darum, Bilder wirken zu lassen.
Was ebenfalls keinen Sinn ergibt: Wenn Rechtshänder das Mikro in der rechten Hand halten. Zwar ist das organisch die „Greifhand“, aber die muss – weil sie ein Mikrofon hält – natürlich ruhig gehalten werden. Meistens hängt dann die linke Hand teilnahmslos herunter und macht für die Körpersprache gar nichts. Auch hier verschenkt der Minister Potenzial, seine Worte durch Gestik zu unterstreichen.
Also: Rechtshänder halten ein Mikrofon immer (!) in der linken Hand – oder gar nicht, wenn das Mikrofon auf der Rückseite über eine Klemme und einen Magneten (meistens bei Blusen genutzt) verfügt. Linkshänder machen es genau umgekehrt. Die Generation von Linkshändern, die man noch in der Schule umerziehen wollte zu Rechtshändern, müssen für sich überprüfen, wie stark sie beidhändig sind und was in der Körpersprache dann sinnvoll ist. Im Zweifel fragen Sie die Medientrainerin oder den Medientrainer Ihres Vertrauens.
Der Euro könnte besser sichtbar in die Kamera gehalten werden. © Screenshot/Instagram
Professionell: In einigen Einstellungen (Euro-Foto, leuchtende Diode am Mikrofon unten) kann man erkennen, dass das Auswärtige Amt zusätzlich für die Postproduktion noch eine lokale Sicherheitskopie mitlaufen lässt.
Ein weiteres Fundstück kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Der Minister und der Euro. Auch wenn die Münze in dem Video kurz spielerisch herangezoomt wird, wäre es schön, wenn der Minister den Euro noch präsenter in die Kamera halten würde, damit es besser zur Geschichte passt. Meine Wunschunterzeile für das Standbild: „Schaut mal, ich habe auf meinem Sitz einen Euro gefunden. Darf ich den behalten?“