„Antennen“ über Amthor

Buschardts Bilderbuch

Ein gutes Social-Media-Foto sollte Ruhe ausstrahlen – oder Dynamik. Bei Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, sind es häufig Unruhe und Chaos, wie wir in dieser Bildbesprechung digitaler Meisterwerke zeigen werden. Es geht um Blumen und um Fotohintergründe.

Grundsätzlich ist das Motiv „Blumen“ für Männer zuweilen problematisch. Ein Mann überreicht einem anderen Mann einen Strauß Blumen. Da mag man noch so aufgeklärt und modern sein – Männer fremdeln gerne mit diesem Motiv. Ein Blumenstrauß als Geschenk ohne weiteren Kontext ist für den Betrachter ungewohnt.

In einem Foto-Coaching für einen Bürgermeister war genau diese Situation die herausforderndste. Wir brauchten gut 15 Anläufe, bis wir ein brauchbares Motiv hatten, ohne dass die Probanden „peinlich berührt“ aus der Wäsche schauten.

Das Ergebnis war, dass beide den Strauß mit den Händen hielten und aus der Bewegung heraus zur Kamera schauten, so als hätte man die beiden soeben dazu aufgefordert spontan und in einem offenen „V“ zur Kamera zu stehen. So vermeidet man einen ungewollten flirtigen Blick. Wichtig für diesen Anlass ist die Blumenwahl: keine Rosen bitte – egal in welcher Farbe.

 

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Im Idealfall wählt man für dieses Fotomotiv kein Hochformat, sondern ein Querformat. Das geht auch auf Instagram (16:9 oder 1,91:1 oder 1080 px Breite x 566–608 px Höhe).

Warum das Querformat? Niemand braucht in diesem Fall die Beine und Füße zu sehen. In der Enge des Büros (mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um ein Smartphone-Foto) wird die Weitwinkelfunktion zwar genutzt, jedoch sorgt das gekippte Bild dafür, dass die Proportionen von Oberkörper und Unterkörper sich stark verschieben. Auch die beiden Köpfe wirken bei genauem Hinsehen leicht gestreckt.

Amthor und sein Blumen-Partner – der Landrat Thomas Müller – sind vom Gesichtsausdruck her stimmig. Amthor weiß auch, wie er die Hände zu halten hat. Nämlich in der Körpermitte.

Auf die Umgebung achten

Allerdings muss man bei solchen Fotos auf die Umgebung achten. Ich kenne einen Bestatter, bei dem sieht es im Büro ähnlich aus. Lediglich die Wimpel fehlen und die Urnen sind etwas kleiner.

Der Ort ist für ein solches Foto alles andere als optimal. Wer stellt sich solche Sachen ins Büro, wenn er beruflich nicht damit zu tun hat? Der Herr neben Amthor ist wie erwähnt der Landrat Thomas Müller aus Amthors Wahlkreis. Der Bundestagsabgeordnete kam offenbar zum Antrittsbesuch vorbei. Müller hat sicherlich nichts mit Bestattungen zu tun. Er dürfte auch keinen Keramikbetrieb führen oder Handel mit Spucknäpfen betreiben. Seine Design-Vorlieben für das Büro seien ihm unbenommen, aber trotzdem wäre ein Foto im Freien oder an einer anderen Location dringend zu empfehlen.


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Wichtig beim Fotografieren in solchen und ähnlichen Situationen: Den Motiven darf nichts aus den Köpfen wachsen. Wer genau hinschaut, erkennt, dass Amthor zwei „Antennen“ auf dem Kopf hat. Generell gilt: Je mehr Gegenstände sich im Hintergrund befinden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas ungünstig über dem Kopf hängt.

Bevor Sie jetzt darüber Witze reißen: Linkedin ist voll von solchen Motiven, weil beim Fotografieren meist nur auf das Gesicht geachtet wird. Es wimmelt auf Social-Media nur so von „Teletubbies“, die irgendwas auf dem Kopf tragen. Auch bei Medientiteln kommt es immer wieder vor, dass genau solche Fotos ausgewählt werden, bei denen sich etwas über dem Kopf befindet.

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